Das eiserne Herz des Charlie Berg

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 720 Seiten

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Charlie Berg hat ein schwaches Herz und die feine Nase eines Hundes. Das einzige, was ihn seine Eltern gelehrt haben: Zwei Künstler sollten nie Kinder bekommen! Es sind die frühen 90er, Charlie will ausziehen, nicht mehr der Depp der Familie sein, der alles zusammenhält, während Mutter am Theater die Welt verstört und Vater wochenlang bekifft im Aufnahmestudio sitzt. Die Zivistelle im Leuchtturm ist zum Greifen nah – da läuft alles aus dem Ruder: Auf der Jagd mit Opa trifft ein Schuss nicht nur den Hirsch, sondern auch Opa. Und Charlies heimliche große Liebe Mayra, seine Videobrieffreundin aus Mexiko? Hat nichts Besseres zu tun, als den Ganoven Ramón zu heiraten…

Das eiserne Herz des Charlie Berg

Das eiserne Herz des Charlie Berg

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Letzte Kommentare:
07.04.2020 08:17:23
Readaholic

Ein Feuerwerk an Fantasie und Absurditäten
Charlie Berg lebt ein außergewöhnliches Leben. Die Mutter ist als vielbeschäftigte Regisseurin in der Weltgeschichte unterwegs und hat sich noch nie um Charlie und seine kleine Schwester gekümmert. Der Vater ist ein dauerbekiffter Althippie, der im Keller haust und Musik macht. Der Opa, „Nonno“, der ebenfalls im Haus wohnt, ist zwar Deutscher, hat aber als er eine Italienerin heiratete quasi eine italienische Identität angenommen und spricht selbst im Familienkreis mit italienischem Akzent. Charlie selbst hat eine Supernase: er kann Gerüche bis auf ihre kleinsten Bestandteile analysieren. So kann er zum Beispiel ohne weiteres riechen, was eine Person Stunden zuvor gegessen hat und auch nach langer Zeit noch feststellen, wer sich in einem Raum aufgehalten hat. Die siebenjährige Schwester Fritzi ist Autistin mit Inselbegabung. Sie liest ununterbrochen und vergisst kein Wort dessen, was sie einmal gelesen hat.
Wer in diesem Buch nach „normalen“ Personen sucht, wird nicht fündig werden, die Liste könnte endlos fortgeführt werden.
Eine der wichtigsten Personen in Charlies Leben, wenn nicht sogar die wichtigste, ist Mayra, die er im Alter von 12 Jahren kennenlernt. Mayra lebt eigentlich in Mexiko, ist jedoch mit ihrem Vater zu Besuch bei Charlies Familie. Charlie und Mayra sind Seelenverwandte. Als das Mädchen Deutschland nach einem Sommer voller Abenteuer wieder verlässt, tauschen sie und Charlie jahrelang Videokassetten aus, die sie füreinander aufnehmen. So wissen sie immer, was im Leben des anderen gerade vor sich geht. Erst als Mayra kurz davor ist, den Drogenhändler Ramon zu heiraten, merkt Charlie, wie wichtig sie für ihn ist und welche Katastrophe die bevorstehende Heirat für ihn wäre.

In Charlies Leben passieren die aberwitzigsten Dinge. So hat er ganz zu Beginn des Buches eine schicksalshafte Begegnung mit einem telepathisch begabten Hirsch, in deren Folge Charlies Opa sowie ein Wilderer zu Tode kommen und der Opa auf mysteriöse Weise verschwindet.
Die Sprache in diesem Buch ist schwer zu beschreiben. Die meiste Zeit war ich hin und weg davon, allein die vielen fantasievollen Namen für Kiffen würden Seiten füllen. Das Buch ist ein wahres Feuerwerk an Wortneuschöpfungen und absurden, äußerst komischen Begebenheiten. Allerdings sind auch ein paar Situationen beschrieben, die dermaßen ekelhaft sind, dass ich inständig hoffe, die Bilder wieder aus meinem Kopf löschen zu können. Für 90 Prozent des Buchs würde ich bedenkenlos 5 Sterne vergeben, denn es hat mich hervorragend unterhalten und fällt komplett aus dem Rahmen des Üblichen. Doch die besagten Szenen haben mir den Genuss teilweise doch sehr verdorben, da sie unnötig eklig waren.

03.04.2020 10:28:32
elke17

Aufwachsen in einer Familie, in der die Erwachsenen mehr an ihrer eigenen Selbstverwirklichung - wenn man es denn so nennen will – als an ihren Kindern interessiert sind. Der Vater ein dauerkiffender Musiker, die Mutter Tingeltangel-Schauspielerin, die Schwester, in ihrer eigenen Welt lebend. Alltag für Charlie, der schauen muss, dass er halbwegs eine Ordnung aufrechterhält. Als sich in den Neunzigern die Gelegenheit bietet, das (nicht vorhandene) Nest zu verlassen, er ist 19 und hat eine Zivi-Stelle in Aussicht, glaubt er endlich auch eine Perspektive zu haben. Doch alles kommt anders als geplant. Der letzte Jagdausflug mit Opa endet mit dessen Tod und Charlies große Liebe, eine mexikanische Videofreundin, heiratet einen Gangster. Ein einziges Kuddelmuddel, dem er möglichst unbeschadet entrinnen will.

Zwei Assoziationen haben sich mir beim Lesen dieses Erstlings von Sebastian Stuertz aufgedrängt. Bezogen auf die abgedrehte Story war das Irvings „Garp“, und sprachlich sind die Ähnlichkeiten mit John Nivens Romanen kaum zu leugnen. Allerdings schneidet Stuertz im Vergleich mit diesen beiden Autoren leider nicht sonderlich gut ab. Zu Irving fehlt die Eleganz und Leichtigkeit, zu Niven der schwarze Humor und die sprachliche Kunstfertigkeit des Schotten. Skurrile Figuren und derbe Sprache reichen bei einer dünnen Geschichte, die sich dann auch noch über 700 Seiten elend langatmig dahinzieht, leider nicht aus. Der Autor hat sich zwar bemüht, ist aber unterm Strich an seinen übersteigerten Ambitionen gescheitert.

02.04.2020 14:47:32
leseratte1310

Charlie Berg ist in eine Künstlerfamilie hineingeboren, was für ihn nicht leicht war, denn die Mutter ist ständig am Theater und der Vater bekifft im Aufnahmestudio. Davon hat Charlie genug. Er will ausziehen und hat eine Zivi-Stelle in Aussicht. Charlie hat aber auch ein schwaches Herz und eine besonders feine Nase. Er geht noch mal mit seinem Opa auf die Jagd. Dabei wird der Opa getroffen statt des Hirsches. Dann will auch noch Charlies große Liebe, eine Brieffreundin, einen Ganoven heiraten.
Die Leseprobe fand ich ganz unterhaltsam, daher wollte ich das Buch lesen. Doch auf Dauer, das Buch hat über 700 Seiten, konnte mich die Geschichte nicht so recht packen. Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen, aber die Sprache ist mir doch zu direkt und zu drastisch. Aber auch die Erlebnisse des Protagonisten und der anderen Figuren sind unglaublich und sehr skurril.
Die Charaktere haben alle ihre Eigenheiten, die sehr übertrieben dargestellt wurden. Charlie selbst hat es wirklich nicht leicht. Er hält diese seltsame Familie zusammen und möchte dennoch oder gerade deswegen weg. Seine Träume und Pläne rücken in die Ferne, nachdem der Jagdunfall geschieht. Obwohl alles etwas bizarr ist, konnte ich manchmal sogar mit Charlie fühlen.
Es gibt bestimmt Leser, denen diese Geschichte gefällt und die sich beim Lesen bestens amüsieren können. Mir wurde es auf Dauer zu viel. Ich wusste auch nicht so recht, wohin das Ganze führen sollte.
Ein ungewöhnliches skurriles Buch voller Überraschungen. Leider war es nicht meins.

21.03.2020 12:16:57
Hirsch

Absurd

Die Geschichte ist absurd – vom Anfang bis Ende. Die Geschehnisse und Personen sind so ungewöhnlich und unwahrscheinlich, dass man als Leser nur den Kopf schütteln kann; den Kopf schütteln und lachen. Denn diesem ganzen Irrsinn wohnt ein eigener Humor inne, der einen über Situationen lachen lässt, alleine ihrer Formulierung und ihrer Irrealität wegen. Selbst wenn das Geschehen eigentlich bitter ernst ist.
So beginnt das Buch mit einer Jagd: Charlie Berg möchte gemeinsam mit seinen Opa einen Hirsch erlegen. Doch kurz bevor Charlie abdrückt, spricht der Hirsch in seinem Kopf zu ihm und warnt ihn davor abzudrücken. Wer ihn, den Hirschen, erschießt, werde ebenfalls sterben. Also zielt Charlie daneben. Gleichzeitig mit seinem Schuss wird ein weiteres Gewehr abgefeuert: Ein Wilderer hat auf den Hirschen geschossen, während Charlie aus Versehen den Wilderer erwischt. Nun will sein Opa dem Hirsch einen letzten Todesschuss versetzten. Währenddessen zielt der Wilderer auf seinen Opa. Am Ende ist es wie der Hirsch prophezeite: alle sind tot – Hirsch, Opa und Wilderer. Und Charlie steht dazwischen und hat keine Ahnung, wie er diesem Chaos Herr werden soll. Er versucht es mit einer Mischung aus Lüge und Wahrheit und landet immer wieder in neuen absurden Situationen.
Dazu kommen noch Probleme mit der eigenen hochkomplizierten Künstlerfamilie, mit der Videobrieffreundin und heimlichen Liebe aus Mexiko, mit einem One-Night-Stand und mit dem sexbesessenen besten Freund. Das sorgt in dem Buch für eine spannende, abwechslungsreiche Mischung: ein bisschen Krimi, ein bisschen Liebensschnulze, etwas mehr Komödie und viel Lebensgeschichte. Dabei ist das Buch immer schonungslos ehrlich und hat durchaus auch ernste Seiten, die zwischen dem ganzen Irrsinn herauslugen und tiefgründige Gefühle, schwierige Entscheidungen und Beziehungen thematisieren. Dabei wird von jedem Geschehen ausführlich berichtet – selbst wenn man als Leser vielleicht lieber mit etwas mehr Abstand und weniger detailliert davon erfahren hätte. In dieser Ausführlichkeit liegt auch der Grund für die über 700 Seiten des Buches. Meine Meinung darüber, ob das Buch wirklich so dick sein musste, schwankte während des Lesens beständig zwischen Ja und Nein.
Durch das Genrepatchwork und Kuriositätenkabinett aus Witz und Ernst leiten einige roten Fäden, die das Buch zu einer Einheit machen und den Leser an die Hand nehmen. Ein solcher roter Faden ist der Hirsch. Er taucht immer wieder auf, als Jagdbeute, als Emblem, aber vor allem auch als Gulasch. Beim Verspeisen des Hirschgulasches kommt die Familie immer vor und nach einer Reisezusammen und erzählt Geschichten. So wird im Laufe des Buches sehr viel Gulasch gegessen und Geschichten erzählt. Darüber hinaus gibt es noch mehr Fäden, die durch das Buch leiten. Sie tauchen immer wieder auf und rufen dem Leser bereits Gelesenes wieder in Erinnerung und werden immer wieder in einen neuen Kontext gesetzt. Daran merkt man, dass der Autor seine Erzählung durchdacht hat. Er hat Parallelen aufgebaut, Absurdität und Ernst gekonnt gemischt. Lediglich am Ende enttäuscht er mich. Er lässt manche Erzählstränge einfach ins Leere laufen, liefert dem Leser kein Ende und keine Erklärung für viele Aspekte der Geschichte. Das ist schade. Ob das Buch nun knapp über 700 Seiten hat oder gut über 700 Seiten, wäre mir dann auch egal gewesen, wenn ich dafür Antworten auf alle offenen Fragen bekommen hätte – selbst wenn sie wieder einmal sehr absurd ausgefallen wären.

Film & Kino:
Emma

Im Frühjahr ist mit „Emma.“ eine neue Adaption eines der Spätwerke der bedeutenden englischen Schriftstellerin Jane Austen in Deutschland angelaufen. Setting der Handlung ist - wie stets bei Austen - das ländliche England mit den Vertretern der „Gentry“, der Schicht des Landadels. Titel-Motiv: © Box Hill Films / Focus Features

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