Die Frau des Obersts

Erschienen: Februar 2020

Bibliographische Angaben

- OT: Everstinna

- aus dem Finnischen von Stefan Moster

- HC, 224 Seiten

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70

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Carola Krauße-Reim
Wenn Liebe und Ideologie in die Selbstzerstörung führen

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mär 2020

Rosa Liksom schreibt in ihren Veröffentlichungen von Außenseitern und gesellschaftlichen Grenzgängern. Sie gilt als eine der progressivsten Gegenwartsautoren Finnlands. Ihre Werke sind vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Finlandia, dem wichtigsten finnischen Literaturpreis.

In „Die Frau des Obersts“ blickt eine Frau zurück auf ihr langes Leben, das geprägt ist von Gewalt und dem nationalsozialistischen Denken. Ihr 28 Jahre älterer Ehemann machte sie zu einer willigen und passionierten Verehrerin Hitlers. Sie wird als „Frau Oberst“ zur Gewinnerin in Kriegszeiten und führt ein privilegiertes Leben zwischen Nazigrößen und Samen. Die Liebe zu ihrem Mann lässt sie jede Konvention über Bord werfen und mündet in einer Abhängigkeit, die nach dem Krieg in brutalen Gewaltexzessen endet. Nur mühsam kann sie sich aus der Ehe und dem fatalen braunen Gedankengut retten.

Finnland zwischen den Kriegen

Eine Kenntnis der finnischen Geschichte des 20. Jahrhunderts ist von großem Vorteil bei der Lektüre des Buches. Immer wieder wird auf die von Konflikten mit Russland und Schweden geprägte Politik des Landes eingegangen, die während des 2. Weltkrieges anders verläuft als im übrigen Europa. Es werden fortwährend Vorkommnisse und Namen genannt, die jedem Finnen wahrscheinlich bekannt sind, Nicht-Finnen aber eher nicht. Das macht das Verständnis des Buches schwierig, denn die politische Lage und die gesellschaftlichen Umstände spielen im Leben der Frau Oberst eine sehr ausgeprägte Rolle.

Eine unkonventionelle, aber emotional abhängige Frau

Die Frau des Oberst, welche nie mit Namen genannt wird, erzählt die Geschichte ihres Lebens selbst. Dabei gebraucht die Autorin eine Sprache, die genauso aufgeladen, erotisch, gefühlsbetont (und teilweise sehr vulgär) ist, wie die Geschichte selbst. In Rückblicken lernen wir ein eigenwilliges Kind kennen, das schon mit nationalsozialistischer Ideologie erzogen wird, berechnend und skrupellos ist und diese Eigenschaften als erwachsene Frau perfektioniert. Selbst die schlimmsten Grausamkeiten, die Verbrechen an der Menschlichkeit und die Missachtung der Menschenrechte während der Nazi-Herrschaft, lassen sie kalt.

„Die Nähe des Todes wirkte auf uns wie ein Magnet. Nie war ich so lebendig wie damals.“

Egoistisch verfolgt sie ihre Ziele. In ihrer Beziehung mit dem Oberst dagegen schlägt das Pendel in die andere Richtung: Jetzt ist sie hemmungslos, geht in dem toxischen Verhältnis auf und versklavt sich regelrecht.

„Mir war, als könnte niemand so lieben wie ich, als könnte meine Liebe zum Oberst niemals erlöschen und würde sich auch nicht im Laufe der Jahre in lasche Zuneigung verwandeln wie bei allen anderen. Meine Leidenschaft ist eine Religion, für die bereit bin zu beten und zu erleiden.“

Erleiden muss sie dann äußerste Brutalität, als es mit den Nazis zu Ende geht und ihr Mann seinen ganzen Frust an ihr auslässt. Und selbst dann geht sie nicht. Erst viele Jahre später, als er sie nach einer Vergewaltigung fast totschlägt, erkennt sie, dass die anfängliche gegenseitige emotionale Abhängigkeit nur noch auf ihrer Seite existiert, sie für ihn dagegen nur noch die letzte Möglichkeit darstellt, durch abgrundtiefe Erniedrigung Macht auszuüben. Sie beendet die Beziehung und geht wiederum andere, ebenso unkonventionelle ein, begibt sich aber nie wieder in eine derart schädliche wie zuvor und lebt ihr Leben wieder wie als Kind – eigenwillig und nonkonform.

Fazit

Rosa Liksom beschreibt ein Frauenschicksal, das in zwei Extremen verläuft. Es ist ein einfühlsames, aber auch verstörendes Buch, nicht zuletzt durch den teilweise obszönen Stil. Wer ein „messerscharfes unerbittliches Zeugnis über die Allmacht der ideologischen Verblendung, über Abhängigkeit und Unterwerfung und die Kraft der wahren Liebe“ lesen will, ist hier genau richtig!

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