Always Coca-Cola

Erschienen: Dezember 2019

Bibliographische Angaben

- OT: Da'iman Coca-Cola

- aus dem Arabischen von Christine Battermann

- TB, 160 Seiten

 

Couch-Wertung:

70

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Yannic Niehr
This is not Paris, this is not London, this is not New York … this is Beirut!

Buch-Rezension von Yannic Niehr Feb 2020

Abir Ward („Rosenduft“) ist eine junge Studentin, die mit ihrer Familie in Beirut lebt. Die unerträglich heißen Tage verbringt sie mit ihren Freundinnen, der burschikosen Kickboxerin Jasmin und der rumänischstämmigen Jana, ihres Zeichens Model. Die Unbeschwertheit findet jedoch ein jähes Ende, als Jana erfährt, dass sie von ihrem neuen Freund (der eine Coca-Cola-Filiale leitet, in welcher Abir gerade ein Praktikum absolvieren darf) schwanger ist! Schnell wird das Leben der drei auf den Kopf gestellt…

„Die Winde der Verwirrung“

Alexandra Chreiteh hat mit dieser Novelle eine Momentaufnahme aus der brodelnden libanesischen Hauptstadt geschaffen. Flott lesen sich die 150 Seiten weg. Am auffälligsten ist dabei der eigenwillige Sprachstil: die Sätze sind knapp und umgangssprachlich, fast atemlos, und es wimmelt vor Ausrufezeichen. Durchweg nimmt der Leser in der Narrative den Standpunkt Abirs ein, die alles (zum Teil gefühlt in Echtzeit) wie eine Kamera aufnimmt und wiedergibt. Die Erzählung gerät oftmals zu wuselig, kann aber mit überzeugenden Pointen und einer erfrischend direkten, weiblichen Perspektive punkten. Die Blauäugigkeit Abirs soll dabei nicht das Ziel des Leserspotts sein, sondern vielmehr ein Produkt ihrer Umgebung.

Die Region ist krisengebeutelt, doch merkt man in der überhitzten Hauptstadt davon nicht allzu viel. Dort gibt es eigentlich alles, was das Herz begehrt. Markennamen springen einem an jeder Ecke (bzw. fast auf jeder Seite) ins Auge: ein Symbol für den auch hier zunehmend Einzug haltenden amerikanischen Kapitalismus – daher auch der Titel. Thematisch im Zentrum steht der Konflikt zwischen diesem Auswuchs der Globalisierung und den traditionell sehr konservativen Werten, die nach wie vor gelebt werden: für eine Frau, die hier ständig dem patriarchal-männlichen Blick gerecht werden muss, eine fast unhaltbare Position. Zwischen diesen Extremen befindet sich Abir, die schon aufgrund eines außergewöhnlichen Geburtsmals mit einer ebenso außergewöhnlichen Geschichte fürs Leben gezeichnet ist. Abir bewundert ihre non-konformistischen Freundinnen aufgrund deren Verhaltens, steht aber selbst so desorientiert zwischen den Stühlen, dass sie sich im Wertekonflikt lieber als passive, stumme Beobachterin treiben lässt. Ihr eigener Standpunkt, ihre eigene Stimme geht fast völlig unter.

„Beirut, Mutter der Welt!“ –„Wenn Beirut eine Frau ist, hat sie dann auch Cellulite?“

Dies wird besonders gegen Ende der Erzählung vermittelt: nicht nur muss sich Abir mit der außerehelichen Schwangerschaft ihrer Freundin auseinandersetzen, sondern auch mit etwas Schrecklichem, das ihr selbst widerfährt – das aber ähnlich beiläufig und konsequenzlos erwähnt wird wie alles bisherige. Abir lernt im letzten Drittel durchaus Neues, was sie in charmanten, blumigen Metaphern ausdrückt, verändert sich aber (noch?) nicht maßgeblich. Am Ende bleiben die Dramen unter der Oberfläche, wenig wird nachhaltig aufgewühlt, ausgehandelt oder gelöst, und das Leben geht seinen Gang weiter wie bisher – wie könnte es auch anders sein. Ihre eigenen Einsichten verbirgt die Autorin zwischen den Zeilen.

Fazit

Mit Always Coca-Cola wirft Alexandra Chreiteh einen sprachlich stimmigen, geistreichen Blick auf die ambivalente Lebenswirklichkeit junger Libanesinnen. Der Stil liest sich flüssig, ist er auf Dauer auch etwas zuviel des Guten. Interessante Lektüre für zwischendurch, die aber leider nicht genug nachwirkt.  

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