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Monika Wenger
Eine Zeit der Umbrüche

Buch-Rezension von Monika Wenger Jan 2020

Die Geschichte des Droschkenkutschers Gustav Hackendahl von Hans Fallada ist als Neuauflage erschienen. Der Roman zum Ende des Wilhelminischen Zeitalters ist eine Zeitreise und nimmt den Leser mit in ein sich stark veränderndes Berlin.

«Vielleicht falsch, aber doch ohne Bruch, einem Ideal, das durch die Begriffe Arbeit, Ehrlichkeit, Pflicht erfüllt wurde.»

Gustav Hackendahl ist ein Mann mit eisernen Prinzipien. Seine Frau und seine Kinder haben zu gehorchen und so wie er es will, so wird es gemacht. Er ist überzeugt, dass sich mit Disziplin, Pflichterfüllung und Fleiß der Erfolg einstellt. So hat er es gelernt und so erwartet er es von seiner Familie.

Doch seine Kinder halten diesem Druck nicht stand und entwickeln hinter seinem Rücken ihr Eigenleben. Otto, der Älteste, liebt Gertrud, die bucklige Schneiderin. Der gemeinsame Sohn, Gustäving genannt, wird im Stillen aufgezogen. Immer wieder nimmt Otto sich vor, seinem Vater die Wahrheit zu sagen, doch stets verlässt ihn der Mut. Erst im Krieg, im Fronteinsatz, erstarkt sein Charakter.

Erich, Gustavs Lieblingssohn, verdient als Schieber sein Geld. Er ist charakterlos, verdorben und sagt sich von seiner Familie los, als diese immer mehr in die Armut fällt. Doch einmal hochgestiegen, fällt er tief und verliert alles – auch den Respekt vor sich selbst.

Die Tochter Eva lässt sich auf einen zwielichtigen Zeitgenossen ein und wird von diesem abhängig, gar hörig. Auch sie will, schlussendlich ganz am Boden, nichts mehr mit der Familie zu tun haben.

Tochter Sophie wird Krankenschwester. Sie ist eine eiskalte Person, nur auf ihren Vorteil bedacht, und es kümmert sie wenig, was mit ihrer Familie passiert.

Der jüngste Sohn Heinz, Bubi genannt, versucht zwischen den einzelnen Familienmitgliedern zu vermitteln, ohne Erfolg. Er kümmert sich auch um Gertrud, die Lebensgefährtin seines Bruders Otto und die beiden Söhne. Er lernt viel von Gertrud und bewundert ihr Durchhaltevermögen. Stets auf der Suche nach seinem Platz findet er Struktur und Halt in der NSDAP.

 «So hielt er einen Teil seines Geldes zurück, wenn er einmal einen guten Tag gehabt hatte, um ihr am nächsten auch noch etwas geben zu können.»

Für Gustav Hackendahl wird die Arbeit als Droschkenkutscher immer schwerer. Automobile verdrängen die Kutschen von den Strassen, die politische Lage im Land wird immer heikler, die Arbeitslosigkeit steigt. Es gibt nicht viel zu verdienen. Doch Gustav ist eisern. Er passt sich allen noch so widrigen Umständen an. Erst muss er der Not gehorchend seine große Fuhrhalterei verkleinern und schließlich ganz aufgeben. Er ist sich nicht zu schade, in einem Gasthaus das Schauspiel eines knorrigen alten Kutschers zum Besten zu geben. Und als die Zeiten noch härter werden und es viel Einfallsreichtum braucht, um Einnahmen zu generieren, unternimmt er in Zusammenarbeit mit einem Zeitungsverlag eine Reise mit seiner Kutsche nach Paris und wird berühmt.

Hans Falladas Geschichte vom eisernen Gustav ist in der Zeit zwischen 1914 bis 1924 angesiedelt. Sie erzählt vom Zerfall der Familie Hackendahl unter der Einwirkung politischer und sozialer Einflüsse. Automobile verdrängen die Kutschen in Berlin, der Erste Weltkrieg bahnt sich an. Das Wilhelminische Zeitalter, geprägt durch streng patriarchalische und konservative Orientierungen, neigt sich dem Ende zu und die Weimarer Republik ist im Entstehen. Für die Bevölkerung ist es eine harte und entbehrungsreiche Zeit mit großer Arbeitslosigkeit, Unruhen, Hungersnöten und der Entstehung der NSDAP, die von radikalem Antisemitismus und Nationalismus geprägt ist.

Die ursprüngliche Fassung des Romans von Hans Fallada erschien 1938 und musste auf Befehl von Goebbels umgeschrieben werden. 1962 erschien im Aufbau-Verlag eine stark gekürzte Ausgabe. Als Urfassung ist der Roman nun 2019, ebenfalls im Aufbau-Verlag, erschienen.

Fazit

Der Roman «Der eiserne Gustav» ist ein eindrückliches Zeitzeugnis. Die ungekürzte Ausgabe von Jenny Williams enthält wichtige, vor allem politisch motivierte Ergänzungen, welche während der Zeit des Zweiten Weltkrieges durch Goebbels gestrichen worden sind. Auch heute noch eine ergreifende Familiengeschichte und ein Spiegel der damaligen Gesellschaft.

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