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Carola Krauße
Geschichtslektion als Familiengeschichte getarnt

Buch-Rezension von Carola Krauße Jan 2020

Familie Leipold schafft die für den 13. August 1961 geplante Flucht aus dem Arbeiter- und Bauernstaat nicht mehr, denn an diesem Tag errichtet die DDR den „antifaschistischen Schutzwall“. Sie müssen zurück nach Leipzig. Was folgt sind Jahre der Schikanen, des Verzichts und der Bespitzelungen. 1989 versucht Sohn Marcus, jetzt selbst verheiratet und Vater, die Flucht erneut. Doch Frau und Tochter müssen in der DDR zurück bleiben. Nur wenig später überschlagen sich die politischen Ereignisse.

Der Autor schildert seine eigene Familiengeschichte

Matthias Lisse ist in der DDR geboren und aufgewachsen. Aus politischen Gründen musste er Veterinärmedizin, Pferdezucht- und sport studieren, wurde Vielseitigkeitsreiter und Leiter eines Gestüts. 1988 floh er in die Bundesrepublik, im Oktober 1989 folgten seine Frau und Tochter. Seine Biografie hat Lisse als Vorbild für seinen Protagonisten Marcus benutzt und konnte so ein hervorragendes Hintergrundwissen einbringen. Doch bei der Umsetzung dieser Erfahrungen hat es doch sehr gehapert.

Die Chance, das Hintergrundwissen umzusetzen, wurde vertan

Es ist nicht vordergründig tragisch, dass die Geschichte linear vom Bau der Mauer im August 1960 bis zu ihrem Fall 1989 erzählt wird, wobei auch das vielschichtiger zu lösen gewesen wäre; es ist vielmehr die geringe Anzahl an Dialogen, die das Geschriebene so langatmig machen. Und selbst die wenigen Momente, in denen die Figuren tatsächlich selbst zu Wort kommen, sind in einer so überdeutlichen Schriftsprache gehalten, dass sie jede Authentizität vermissen lassen. Scheinbar war es dem Autor wichtiger, alle Missstände, alle Lügen und Probleme, die in der DDR geherrscht haben, aufzuzählen, als einen spannenden Schreibstil zu finden.

Marcus und die restliche Familie Leipold sind weniger individuelle Figuren als vielmehr nur Stellvertreter für die Bevölkerung des Arbeiter- und Bauernstaates, soweit sie nicht der SED angehörte und zu ihrem christlichen Glauben stand. Das macht Die geteilten Jahre inhaltlich zwar zu einem sehr interessanten Buch, aber Stil und Plot verlangen dem Leser viel Durchhaltevermögen ab. Neben dem Mangel an authentischer wörtlicher Rede, werden manche Lebensabschnitte im Galopp genommen, andere, vor allem, wenn es um Pferde, ihre Zucht oder das Reiten geht, werden in epischer Breite geschildert. Das ist wohl dem persönlichen Interesse des Autors geschuldet, dem bei diesen Themen einfach das Herz aufzugehen scheint und die Erzählfreude wohl deshalb hier mit ihm durchging.

Marcus‘ Flucht aus der DDR und die Geschehnisse danach nehmen dagegen leider einen nur sehr kleinen Teil des Romans ein. Sie beginnen erst auf Seite 295 von nur 422 Seiten insgesamt. Das ist bedauernswert, denn gerade die Zeit zwischen 1988 und 1990 steht für sehr große geschichtliche Relevanz. Doch auch hier prescht Lisse nur so durch. Man könnte denken, die Ereignisse, die zum Fall der Mauer geführt haben, sind ihm weniger wichtig gewesen als die Zustände in der DDR in den Jahren davor – schade, da wäre doch jede Menge Dramatik möglich.

Fazit

Die persönliche Meinung hängt wohl vor allem damit zusammen, was man vom Buch erwartet. Es wurde als „eine deutsche Familiengeschichte zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung“ angepriesen, doch kommt die Familiengeschichte eindeutig zu kurz. Sie dient lediglich als Trägermedium für einen halbdokumentarischen Bericht über die Zu- und Missstände in der DDR. Wer sich für diesen Abschnitt der deutschen Geschichte interessiert, sollte Die geteilten Jahre lesen, aber wer an einer gut erzählten Familiengeschichten mit geschichtlichem Hintergrund Freude hat, könnte hier doch sehr enttäuscht werden.

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