Für jene, die im Dunkeln sitzt und auf mich wartet

Erschienen: November 2019

Bibliographische Angaben

Originaltitel: Para aquela  que esta sentada no escuro a minha espera

aus dem Spanischen von Maralde Meyer-Minnemann

Hardcover, 432 Seiten

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Monika Wenger
Ein anspruchsvolles Thema

Buch-Rezension von Monika Wenger Dez 2019

«Der Theaterdirektor zu mir – Sie sollten mal ein paar Monate pausieren denn seiner Meinung nach vergass ich die Stichworte, nach einer peinlichen Pause machte ein nahe bei mir stehender Schauspieler für mich weiter, erfand irgendetwas, um die Stille aufzuheben...»

Für die ehemalige Theaterschauspielerin ist die Gegenwart und die Vergangenheit nicht mehr zu unterscheiden. Sie leidet unter dem langsamen und stetigen Verlust ihres Gedächtnisses und lässt, im Dunkeln liegend, ihr Leben Revue passieren.

Bereits in jungen Jahren macht sich die Vergesslichkeit bei der Schauspielerin bemerkbar. Immer wieder spielen sich in ihrem Kopf Szenen ab, in denen sie ihre Texte vergisst, dass sie sogar die Sprache verliert. Die Worte wollen, beziehungsweise können nicht über ihre Lippen.

Von einer Haushälterin betreut, welche sie «die alte Frau» nennt, tauchen immer wieder Fragmente ihres Lebens auf: Episoden vor allem aus dem Theaterleben, Erinnerungen an ihre beiden Ehemänner, Feststellungen zum Neffen ihres Mannes, denn dieser scheint auf ihren Tod zu warten. Mit ihrem Tod würde er die Wohnung erben und vielleicht sogar weiterverkaufen. Und da sind noch viele Rückblicke von ihrem Sehnsuchtsort Faro.

«…dabei verlasse ich das Haus nicht, weil ich fürchte, dass sie mich verlieren und eine Annonce in der Zeitung aufgeben müssen mit meinem Foto, meiner Beschreibung...»

Der Autor António Lobo Antunes erzählt die Geschichte vom Verlust des eigenen Seins. Durch den allmählichen Abbau des Gedächtnisses erhält die Hauptfigur das Gefühl sich aufzulösen und langsam zu verschwinden. Dazwischen stehlen sich immer wieder, doch immer seltener, helle Momente. Zeitweise bekommt die Frau im Dämmer mit, wenn sich die Haushälterin und der Neffe ihres Mannes unterhalten. Aber sie kann nicht mehr sofort reagieren, sich nicht mehr mitteilen. Zeitweise erkennt sie ihr eigenes Sein nicht mehr.

In diesem Roman ist ein ganzer Satz jeweils ein mehrseitiges Kapitel. Viele Kommas in diesen langen Sätzen lassen den Leser die Verwirrtheit der Patientin hautnah spüren. Immer wieder springen die Gedanken von der Gegenwart in die Jugendzeit, in die Theaterzeit und wieder in die Gegenwart zurück. Das fordert dem Leser so einiges ab, lässt aber immer mehr Nähe zu der Kranken entstehen. Und mit dieser Nähe erfährt der Leser sehr viel über die Vergangenheit. Die Patientin hat viel erlebt und viel erduldet, damit sie ihren Traum von der Schauspielerei verwirklichen konnte. Die Ehe ihrer Eltern war schwierig, der Vater kein Kostverächter. Mit vielen geschickt eingefügten Details entsteht für den Leser ein sehr genaues Bild aus dem Leben und dem Umfeld der Theaterschauspielerin.

Fazit

Dieses Buch ist äußerst anspruchsvoll in Sprache und Thema. Die Krankheit der Protagonistin spiegelt sich in jedem Satz wider und lässt den Leser ganz nah und unmittelbar an die Hauptfigur und ihrem Fühlen und Denken herankommen. Keine einfache Lektüre zu den Themen Alter, Demenz und dem Umgang der Gesellschaft damit.

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