Römische Tage

Erschienen: Juni 2019

Bibliographische Angaben

- HC, 142 Seiten

Couch-Wertung:

70

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Carola Krauße
Ein Suchender in der ewigen Stadt

Buch-Rezension von Carola Krauße Nov 2019

Der Erzähler trifft 231 Jahre und 8 Monate nach Goethe in Rom ein. Er bezieht eine Wohnung gegenüber dem Casa Goethe und ist entschlossen, die ewige Stadt mit allen Sinnen wahrzunehmen, zur Ruhe zu kommen, sich zu erinnern und seinen Weg in die Zukunft zu finden.

Männlich, herzkrank und gut vernetzt

Viel mehr weiß man vom Protagonisten nicht. Strauss lässt ihn seine Erlebnisse selbst erzählen, und so begleitet der Leser einen nahezu Unbekannten auf seinen Streifzügen durch Rom. Seine schwelende Herzmuskelschwäche immer im Hinterkopf, mäandert der Protagonist durch die ewige Stadt, trifft vom alternden Kurienkardinal bis zum desillusionierten Schauspieler die ganze Bandbreite der Bewohner, verliebt sich und macht sich Gedanken über Kirche, Politik, Gesellschaft und Tod. In einer Art Diarium werden Momentaufnahmen des monatelangen Aufenthaltes aneinander gereiht, die lediglich durch die Frage „Wer war ich, wer bin ich und wer will ich sein?“ verbunden sind. Der Protagonist entpuppt sich als stets Suchender, der sich seiner Endlichkeit bewusst ist und daher sein Leben sinnvoll verbringen will. Antworten auf seine Fragen sucht er in der Geschichte Roms und in Gesprächen mit sehr unterschiedlichen Leuten, die er entweder auf Einladung oder ganz spontan auf der Straße trifft. Der Leser taucht ein in die Gedankenwelt des Mannes und wird sich seiner Ängste, Wünsche und Hoffnungen bewusst.

Rom ist Hauptdarstellerin in diesem Buch

Neben dem Erzähler ist Rom eindeutig die Hauptdarstellerin in diesem Buch. Immer wieder besucht der Mann Orte, die diese Stadt ausmachen und die es so nur dort gibt. Natürlich gehören der Vatikan und die Spanische Treppe genauso dazu wie die Piazza Navona und andere touristische Ziele; doch lernt der Leser ebenfalls die weniger bekannten oder angenehmen Plätze kennen, wie etwa das rattenverseuchte Ufer des Tiber oder ein Flüchtlingslager am Bahnhof Tiburtina. Aber auch die Bevölkerung macht Rom zu einer einzigartigen Stadt. Nur hier findet man die allgegenwärtige Mischung aus selbstverliebten Politikern, ungewollt fatalistischen Durchschnittsmenschen und dogmatischem Klerus. Strauss vermittelt dem Leser in einer wunderbar poetischen Sprache das Lebensgefühl dieser Stadt, welches man so überhaupt nur an Orten finden kann, die seit der Antike bestehen. Alles ist morbide und geprägt von Tod. Architektur, Gesellschaft und Politik befinden sich in einer Abwärtsspirale, die scheinbar nicht zu stoppen ist. Gebäude verfallen ebenso wie Sitte und Anstand, und Politiker sind nicht mehr Staatsdiener, sondern nur noch egoistische Poser. In dieser dem scheinbaren Untergang verschriebenen Umgebung lässt lediglich der Schreibstil des Autors (obwohl die Orthographie nicht immer stimmt) etwas Hoffnung. Mit herzerwärmenden Wortschöpfungen, wie „….das Jahr sich häutet“ gibt Strauss dem Leser das Gefühl, dass nicht alles verloren ist und Rom mit seinen desillusionierten Bewohnern und seinen desolaten Plätzen eben doch die ewige Stadt bleibt.

Fazit

„Römische Tage“ ist keine Lektüre für zu Depressionen neigende Leser. Ungeschönt vermittelt Strauss das Bild einer Stadt, die architektonisch und moralisch morbide ist. In scheinbar unzusammenhängenden Episoden wird auch der letzte Rom-Fan auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Nur der poetische Schreibstil und der Erzähler, der selbst im tiefsten Dunkel noch einen Funken Licht ausmachen kann, lässt den Leser nicht ganz verzweifeln. Wer einen luftig leichten Roman erwartet,  ist hier fehl am Platz. Wer aber auch mal 140 Seiten Schwermut übersteht, sollte es durchaus einmal mit „Römische Tage“ versuchen.

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