Im Jenseits ist die Hölle los

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

- OT: Herranen aika

- aus dem Finnischen von Regine Pirschel

- TB, 224 Seiten

Couch-Wertung:

64

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Yannic Niehr
Der Mensch stirbt nur einmal im Leben, und das ist für die meisten eine außerordentlich einschneidende Erfahrung

Buch-Rezension von Yannic Niehr Nov 2019

Man stelle sich vor: da geht man nichts Böses ahnend die Straße entlang, als es zum Ernstfall kommt. Ein Auto – rumms! – und Exitus. So ergeht es dem Protagonisten dieses Romans. Doch überrascht muss er feststellen, dass danach doch nicht ganz Schluss ist. Tatsächlich herrscht in der Welt der Toten reger Betrieb. Die Seelen der Verstorbenen wandeln auf Erden, mitten unter den Lebenden. Natürlich hat er zunächst einmal einige Anpassungsschwierigkeiten, doch nachdem der erste Schock erstmal verdaut ist, kann er sich zu neuen Ufern aufmachen und frei entscheiden, wie er seine Zeit nach dem Leben am besten totschlagen kann. Er beobachtet, tratscht, trifft Prominente – und sogar eine neue Liebe ist auch im Jenseits nicht ausgeschlossen. Doch bald schon wird klar, dass man auch dem Leben nach dem Tod selbst einen Sinn abringen muss…

"Liebe braucht keinen menschlichen Körper, sie lebt auch ohne ihn"

In seinem Roman wirft Arto Paasilinna einen kurzweiligen Blick hinter die Kulissen der jenseitigen Welt. Und ganz so langweilig ist das Leben nach dem Tode gar nicht – man muss nur Mittel und Wege finden, sich die Zeit zu vertreiben. So durchläuft der Protagonist unterschiedliche Stufen von Trauer über sein Ableben, Verärgerung und Irritation, bis hin zu Melancholie. Er hängt seinem Leben nach, beobachtet die, die er kannte, zieht Bilanz über seine eigene Beerdigung, lässt schließlich los, lernt seine neugewonnene Sorgenfreiheit genießen und schließt sogar Bekanntschaften. Denn viele Verstorbene aus ganz unterschiedlichen Zeiten wandeln in der Nachwelt umher, und sie können ihm so einiges erklären. Besonders originell ist Paasilinnas Erklärung für Geister: sie bestehen aus dem gesammelten Denken des jeweiligen Menschen, quasi seinem geistigen Kapital, das er zu Lebzeiten angesammelt hat. Je mehr davon vorhanden ist, desto mehr Zeit ist der jeweiligen Seele nach dem Tod vergönnt, noch einen Eindruck auf dieser Welt zu machen, bevor sie sich gänzlich auflöst. Dass Geister die Gedanken Lebender lesen, deren Träume beeinflussen und sich durch pure Willenskraft von einer Ecke des Kosmos zur anderen bewegen können, eröffnet dementsprechend ungeahnte Möglichkeiten. Die Beschreibung des Jenseits, die der Autor hier gewählt hat, hat für jeden etwas zu bieten und lässt trotzdem Raum für philosophische und theologische Betrachtungen.  

Leider plätschert der Roman über weite Strecken nur vor sich hin. Das liegt am zu Anfang etwas orientierungslosen Umherstreifen der Hauptfigur - der gute Mann muss sich ja erst einmal akklimatisieren. Aber leider macht es den Handlungsfluss leicht ziellos. Gegen Ende werden dann zwar noch ein paar schöne Überlegungen darüber angestellt, was ein erfülltes Leben (nach dem Tod) ausmacht, diese wirken aber – wie auch eine nicht allzu schlüssige Lovestory – etwas forciert und übers Knie gebrochen. Auch ist der nüchtern-makabre finnische Humor zwar unterhaltsam, aber nur selten wirklich lustig. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Stil, der für einen eher leicht-lockeren Roman dieser Art ein wenig gestelzt und altbacken daherkommt (seit der Erstveröffentlichung des Romans sind bereits einige Jährchen ins Land gegangen – es mag daran liegen). Dadurch gehen manche guten Ansätze unter, sodass das Buch einen etwas halbgaren Gesamteindruck hinterlässt.  

Fazit

Leider bleibt der Roman deutlich hinter seinem Potenzial zurück. Dennoch kann er gut herhalten als flotte, heiter-morbide Herbstlektüre für zwischendurch.

 

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