Kein Teil der Welt

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

- Hardcover, 432 Seiten

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Sandra Dickhaus
Ohne Sulamith war mein Leben still

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Nov 2019

In einem ostdeutschen Dorf kurz nach der Wende entscheidet Esthers Vater, in seiner Heimat einen neuen Königreichssaal der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu errichten. Ihre Eltern gehen in der Gemeinschaft und ihrem Glauben auf, während Esther oft an ihre beste Freundin Sulamith denkt, die eng mit ihr verbunden ist. Das Problem: Sulamith zweifelt immer mehr an ihrem Glauben und stellt unangenehme Fragen zu ihrer Lebensweise. So spricht sie offen und kritisch an, warum zum Beispiel Geburtstage nicht gefeiert werden dürfen oder warum Jehova so etwas wie Tierversuche zulasse. Sulamith äußert viele Zweifel, vor allem, warum ihr Alltag so anders aussieht als der der anderen Menschen. Esther kann ihrer Freundin schließlich nicht mehr folgen. Sie ist außerdem mit einem neuen und ihr unbekannten Teil ihrer eigenen Familiengeschichte beschäftigt. Ihr Vater hat ihr nämlich etwas verheimlicht…

Und dann passiert es: Sulamith ist plötzlich fort!

Keine Abrechnung, eher ein Karussell der Emotionen

„Kein Teil der Welt“ -  der Titel des Romans verrät schon, dass es sich hierbei um einen wichtigen Leitspruch der Zeugen Jehovas handelt. Aber warum ist es denn so wichtig, kein Teil der Welt zu sein? In welcher Hinsicht trifft dies auf Zeugen Jehovas zu? All diese Fragen versucht uns Stefanie de Valesco anhand der fiktiven Geschichte von Esther und ihrer Freundin Sulamith zu beantworten. 

De Valescos zweiter Roman führt uns in eine Welt, die nicht jedem von uns offensteht. Die Autorin kennt dies jedoch nur zu gut: Sie wuchs nämlich selbst in solch einer Glaubensgemeinschaft auf, aus der sie als Teenagerin ausgeschlossen wurde. Demnach kann man annehmen, dass sie weiß sie, wovon sie schreibt. Wer allerdings einfach nur eine Abrechnung erwartet, der irrt: Viele Emotionen bilden einen Rahmen um das Geschehen, wozu Angst, Gemeinschaftsgefühl, aber auch vornehmlich der Glaube und die Scham gehören.

Eindringlich, aber leise und unaufgeregt

Traurig, aufrüttelnd und bewegend schildert die Autorin das Leben der beiden Freundinnen und ihre Entwicklung in unterschiedliche Richtungen. Eindringlich, aber leise und unaufgeregt führt sie uns durch die Strukturen der Glaubensgemeinschaft. Die Freundschaft und der Alltag als Zeuge Jehovas nehmen dabei die Haupthandlungsstränge ein. All das zeigt Stefanie de Valesco uns, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben - sie sagt einfach, wie es ist.

Zwischenzeitlich gerät ihre Erzählweise jedoch sogar ein wenig zu unaufgeregt; dann kommt der Roman ins Stocken und man muss sich aufraffen, weiterzulesen. Am Ende lohnt es sich aber, am Ball zu bleiben, denn dann nimmt die Geschichte Fahrt auf, überrascht und lässt uns mit einem beklemmenden Gefühl mitten im Geschehen zurück.

Fazit

Eine junge Frau macht einen enormen Prozess der Emanzipation durch und wird dadurch zum Vorbild für die Rebellion gegen ein festgesetztes Glaubenssystem. Trotz aller Zweifel und tragischen Geschehnisse wird beim Lesen deutlich, wie groß der Sog einer Gemeinschaft sein kann und wie schwierig, sich daraus zu befreien. Mit einer gewaltigen Kraft wird man leider erst gegen Ende des Romans mitgerissen. Bis dahin heißt es: Durchhalten! So rüttelt der Roman auf, gibt uns zu verstehen, auf uns selbst zu achten und zeigt, wie stark das Band der Freundschaft sein kann.

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