Die Dame hinter dem Vorhang

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

- Hardcover, 288 Seiten

 

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Lea Gerstenberger
Sittengemälde und Freundschaftsgeschichte

Buch-Rezension von Lea Gerstenberger Nov 2019

Dame Edith Sitwell (1887-1964) prägte als aristokratische Exzentrikerin, exaltierte Avantgardistin und experimentierfreudige Lautmalerin die britische Dichtung der Moderne. Ihrer beeindruckenden Persönlichkeit nähert sich Veronika Peters in ihrem Roman „Die Dame hinter dem Vorhang“ an. Erzählt wird aus der Perspektive von Jane Banister, die als Dienstmädchen bei Sitwell anfängt und über die Jahrzehnte zu ihrer Gesellschaftsdame und engen Vertrauten wird. Schon ihre Mutter war eine Kindheitsfreundin der Literatin, zwischen den beiden Familien besteht also eine enge Verbindung, von der wir mittels Rückblenden erfahren. Jane gehört zu den wenigen Menschen, die Edith Sitwell „hinter dem Vorhang“, verletzlich, erschöpft und gebrochen erleben. Und sie hilft dabei, diese Seite zu verstecken – hinter Brokatgewändern, Turbanen, und Juwelen.

Jane kommt mit ihr herum, taucht in die Welt der Literaten und Künstler ein und lernt viele von ihnen persönlich kennen. Ob der Fotograf Cecil Beaton, der Schriftsteller Harold Acton oder der Künstler Pavel Tchelitchew, der sogar eine Edith Sitwell ins Wanken bringen konnte - Jane erlebt und erleidet die illustren Zeitgenossen mit. Dabei muss sie allerdings aufpassen, sich selbst nicht zu verlieren, denn das Leben an der Seite von Edith Sitwell hat einen Preis: Entbehrungen, Verzicht und Aufopferung sind die Zugeständnisse, welche die grande dame einfordert. Und die Kämpfe, die Edith Sitwell ausfechten muss – in jungen Jahren gegen ihre Eltern, später gegen ihre Kritiker und nicht zuletzt gegen sich selbst – zehren auch an Jane. Dennoch ist ihre Loyalität und fraglose Zuneigung bis zum Ende ungebrochen.

Die Idee, dieser außergewöhnlichen Schriftstellerin mit einem Roman ein Denkmal zu setzen, ist originell und interessant. Veronika Peters beweist in „Die Dame hinter dem Vorhang“, wie profund sie sich mit Edith Sitwell befasst hat und wie detailliert sie die Stationen ihres Lebens sowie ihre Zeitgenossen kennt. Zweifellos weckt ihre Darstellung Interesse und lädt ein, sich über die Lektüre hinaus auf die Spuren der Dichterin zu begeben. Dadurch, dass der Roman allerdings aus der Sicht von Jane erzählt wird, bleibt immer eine letzte Distanz bestehen. Es ist Edith Sitwell, wie Jane sie wahrnimmt, und nicht sie selbst, die zu den Lesern spricht. Damit soll sicherlich die Gratwanderung vermieden werden, sich in den großen Kopf der Dame hineinversetzen zu wollen, was leicht hätte scheitern können.

Die Anreicherung der wahren Geschichte mit der fiktiven Handlung, die erst Janes Mutter Emma und dann sie selbst begleitet, erlaubt es auf der anderen Seite auch, dem Roman mehr Farbe zu geben und die Lebenswelt der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vielfältiger zu zeigen. Besonders im ersten Teil des Romans unterhalten die Kontraste zwischen der mondänen Aristokratenfamilie Sitwell (mit all ihren Abgründen) und die einfachen Verhältnisse der Banisters (die gleichwohl mehr Freiheit bieten als das starre Korsett der Oberschicht). Auch in den späteren Jahren, vor allem den Kriegszeiten, werden die teils prekären Verhältnisse, in denen Sitwell, allem Pomp zum Trotz meist knapp bei Kasse, lebte, detailreich dargestellt.

Hinsichtlich der mit dem Titel geschürten Erwartungen hält „Die Dame hinter dem Vorhang“ dabei nicht ganz, was es verspricht. Jane beobachtet viel und kommentiert stets treffend, wobei sie ihre ganz eigene Sichtweise entwickelt. Dennoch öffnet sie sich selbst als Protagonistin kaum, bleibt für den Leser still und zurückhaltend. Durch den handwerklichen Griff der fiktiven Erzählerin kommen wir nur sekundär an Edith Sitwell heran, lernen sie nur ausschnitthaft und durch Janes Analysen, nicht aber unmittelbar kennen. Im Einklang mit dem Titel hätte der Roman etwas mehr Konflikt vertragen, aus dem Gegensatz des Lebens vor und hinter den Kulissen und den inneren Abgründen Sitwells hätte die Autorin womöglich mehr machen können. Daraus hätte sich vielleicht ein noch eindrücklicheres Portrait der Dame ergeben. Durch die Fokussierung auf die fast ausschließlich leisen Töne erzeugt Veronika Peters zwar eine Faszination für Sitwell als Figur, der Romanhandlung fehlt es allerdings an mitreißenden Elementen.

Fazit

Dem Roman hätte etwas mehr Dynamik gutgetan, und die fiktive Protagonistin tritt sehr zurückhaltend auf. Veronika Peters vermittelt mit ihrer biografischen Kenntnis jedoch glaubhaft die Faszination, die Edith Sitwells vielseitiger Charakter bei vielen Zeitgenossen, ebenso wie heutigen Lesern, erzeugt. Wer auf einen sehr leisen Erzählstil eingestellt ist, wird die Darstellung mit Gewinn lesen und den Wunsch entwickeln, Dame Edith Sitwell näher kennenzulernen.

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