Jacob Böhme: Auf der Suche nach seiner Weltformel

Erschienen: Januar 2019

Bibliographische Angaben

- Hardcover, 216 Seiten

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Sebastian Riemann
Religionskonflikte und Schusterei

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Okt 2019

Jacob Böhme gilt als erster deutscher Philosoph - zumindest wenn man dem Urteil Hegels vertrauen möchte, der Böhme diesen prominenten Platz in der deutschen Geistesgeschichte einräumte. Und ein einflussreicher Denker war er zudem. In mehreren Teilen Europas und sogar im fernen Amerika fanden seine Schriften Anklang und beeinflussten verschiedene Denkschulen. Gerne wird er als Philosophus Teutonicus bezeichnet.

In seinem neuen Buch Jacob Böhme – Auf der Suche nach seiner Weltformel geht Wolfgang Bauernfeind dem Mythos des Theosophen aus Görlitz nach und entführt den Leser in eine Zeit, da die Reformation die deutschen Länder spaltete und große, religiöse Konflikte sich anbahnten.

Sensation – ein neuer Böhme-Fund

Die Erzählung beginnt mit einer Meldung aus Böhmes Heimat, der Stadt Görlitz. Dort wurden neue Schriften des Philosophen gefunden. Es ist eine Sensation, die Fachwelt hat große Hoffnungen und macht sich sogleich auf den Weg, um die Unterlagen vor Ort auszuwerten. Auch der Erzähler gehört zu den Interessierten und verliert keine Zeit; er steigt in den Zug und fährt nach Sachsen. Denn von dem neuen Fund erhofft er sich nichts Geringeres als Böhmes Weltformel: den großen Wurf, der alles enthält und erklärt - die Essenz des böhmischen Denkens.

Im Stadtarchiv findet sich der Erzähler mit den anderen Experten ein. Sie kommen aus verschiedenen Regionen Europas, in denen das Denken Böhmes Anklang fand und andere anregte. Aber auch aus Amerika kommt ein Vertreter, denn dort wirkte der deutsche Philosoph besonders auf die Vorstellungswelt der Quäker. Es ist eine illustre und bunte Truppe, die dort zusammenkommt, vereint durch die Wissbegierde und Leidenschaft für die unkonventionellen Ideen Böhmes.

Diese Rahmenhandlung begleitet den Leser und dient ihm immer wieder als Bezugspunkt. Die Experten tauschen sich aus und diskutieren gemeinsam den Fund. Sie werten die Dokumente aus und besprechen sie gemeinsam. Dabei decken sie Hintergründe auf und stellen Verbindungen zu anderen Entwicklungen her, die sowohl die Schriften Böhmes, aber auch seine Umstände erklären. Die Experten sind die „Lesehilfe“ für die Unkundigen, denn nicht jeder ist Fachmann für die Zeit um den Dreißigjährigen Krieg.

Böhmes Lebensumstände

Jacob Böhme wurde 1575 in der Nähe von Görlitz in eine Bauernfamilie geboren. Er wurde als Schuster ausgebildet und führte diesen Beruf viele Jahre aus. Er heiratete und hatte mehrere Kinder. Sein Leben war wenig spektakulär – auf den ersten Blick mutet es gewöhnlich an. Jedoch war Böhme ein Mann, der viel über seine Umgebung und Mitmenschen nachdachte. Besonders über die Kirche und ihr Verhältnis zu Gott zerbrach er sich häufig den Kopf. Er war kein Freund der Kirche als Vermittler zwischen Gott und den Gläubigen. Er spürte, dass es einen direkten Weg geben müsste, der die beiden Sphären miteinander verbindet.

In den Unterlagen, die man in Görlitz fand, schildert Böhme aber vor allem seine konkreten Lebensverhältnisse. Er berichtet von seiner Arbeit und von seiner Familie, aber auch von politischen Geschehnissen. Die Reformation hat die deutschen Länder in Aufruhr versetzt, es gibt vielerorts Auseinandersetzungen und der große Krieg liegt bereits in der Luft. Böhme schildert seine wirtschaftlichen Bemühungen und wie er in den Handel mit Garn einsteigt, da sich in diesem Bereich besseres Geld verdienen lässt.

Die Begeisterung der Gelehrten ist gedämpft. Sie suchen nach der Weltformel und nicht nach Zeitzeugnissen, die es bereits gibt. Böhmes Schilderungen sind alltäglicher Natur und eine große Enttäuschung für die Fachleute. Im Verlaufe der ersten Tage machen sich Zweifel unter ihnen breit. Sie wissen nicht, ob der Fund halten kann, was sie sich versprochen haben.

Böhme gegen Richter

Interessant werden die Dokumente, da Jacob Böhme seinen Konflikt mit dem Pastor der Kirche in Görlitz beschreibt. Gregor Richter hatte eine Schrift Böhmes gelesen und sie als Ketzerei bezeichnet, da sich Böhme gegen die Allmacht der Kirche wandte. Der Stadtrat von Görlitz verhing deshalb ein Schreibverbot über Böhme.

Darauf haben die Experten gewartet: Einsichten in die Auseinandersetzung mit Richter. Die Stimmung wird besser, auch wenn es vorerst nicht so aussieht, als ob die Weltformel noch in den Unterlagen auftauchen wird.

Fazit

Wolfgang Bauernfeind hat sich ein interessantes Thema für seinen Roman ausgesucht. Böhme ist eine bemerkenswerte Person, die heute aber wenig Aufmerksamkeit erfährt. Die Weltformel wird nicht gefunden, aber ein unterhaltsamer Einblick in das Leben zur Zeit Böhmes.

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Letzte Kommentare:
17.11.2020 20:05:02
Salka Schallenberg

Jacob Böhme, ein Schuster aus Görlitz, der zum „ersten deutschen Philosophen“ , wie Hegel ihn bezeichnete, wurde. Der Görlitzer Mystiker und Theosoph erlebte die Zeit des ausgehenden 16. Jahrhunderts und Anfang des 17. Jahrhunderts. Eine politisch sehr bewegte Zeit, vor allem wegen der religiösen Konflikte nach der Reformation.
In dem Roman lässt ein Fund von vermeintlichen Böhme-Schriften die Fachwelt aufhorchen, alles pilgert nach Görlitz, der Stadt, in der Jacob Böhme lebte und wirkte. Der Autor Wolfgang Bauernfeind lässt Experten aus der ganzen Welt zusammenkommen: Philosophen, Naturwissenschaftler, Mystiker, Alchimisten, jeder geht auf seine Weise auf Spurensuche.
Treffpunkt ist der Lesesaal der altehrwürdigen Oberlausitzischen Bibliothek. Genau die Kulisse für anregende Gespräche, Mutmaßungen und Spekulationen. Immer auf der Suche nach der Weltformel von Jacob Böhme.
In den Tagen als die Fachwelt über die gefundenen Böhme-Schriften grübelt, passieren allerlei merkwürdige Dinge in Görlitz. Der Geist von Böhme und seiner Wegbegleiter sowie Widersacher scheinen allgegenwärtig. Aber auch neuere dunkle Gestalten kreuzen so manchen Weg. Der Autor stellt seinem Leser eine brisante und abwechslungsreiche Mischung zusammen. Ähnlich dem Schrak, der sich nach alten Rezepturen in der ältesten Apotheke von Görlitz wieder erwecken lässt. Oftmals erzählt Wolfgang Bauernfeind seine Geschichte mit einem kleinen Augenzwinkern und gibt so dem Text etwas lebendiges.
Schon der Schriftsteller Hermann Hesse sagte über Jakob Böhme: „Er ist nicht nur schwer zu lesen, so wie etwa Kant in vielen Kapiteln schwer zu lesen ist. Er ist überhaupt nicht zu lesen, wenn die Einstellung fehlt.“ Von daher ist das Buch ein erster Weg in die Gedankenwelt von Jacob Böhme.

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