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Monika Wenger
Alles hat hier einen Namen, nur ich habe keinen

Buch-Rezension von Monika Wenger Okt 2019

Eine abgelegene Insel, archaisch anmutende Gesellschaftsformen und religiöse Praktiken. In dieser Umgebung wächst das namenlose Mädchen auf. Durch die Güte und die Umsicht des Betvaters ist «Namenlos» ein wenig geschützt. Doch in dieser Gesellschaft wird es für sie immer nur den letzten Platz in der Hierarchie geben. Seine Eltern kennt das Mädchen nicht und die Dorfbewohner gehen davon aus, dass es von «Drüben» kommt. Von dort stammt eh alles Schlechte, und das Mädchen ziehe so oder so nur das Negative an, sagen sie. Spott und Häme sind an der Tagesordnung.
Ein wenig Liebe und Zuwendung erhält das Mädchen auch von der alten Mariah. Bei ihr fühlt es sich aufgehoben.

Doch «Namenlos» ist wissbegierig und hinterfragt immer mehr die Dorfstrukturen und die Lebensformen. Dies birgt Gefahren in sich, denn im Dorf ist das freie Denken, wie viele andere Dinge – z.B. das Lesen –, nur Männern erlaubt. Frauen müssen gehorchen, ihnen ist jegliche Form von Bildung untersagt.

Mit Hilfe des Betvaters lernt «Namenlos» heimlich lesen, und die alte Mariah bringt ihr das Schwimmen bei. Das ist ein großes Risiko für alle Beteiligten, denn sollte die Dorfgemeinschaft davon erfahren, müsste «Namenlos» an den Pfahl – die schlimmste aller Strafen.

Als «Namenlos» sich in den Betschüler Yael verliebt, wird ihr Leben noch einmal schwieriger. Das Schöne an dieser Beziehung: Sie erhält endlich einen Namen - Alina! Und sie bekommt Zuwendung, Liebe. Aber mit dem Namen und dem Selbstbewusstsein stellen sich immer mehr Fragen, kommen noch mehr Ungereimtheiten, noch mehr Zweifel auf. Und immer größer wird die Sehnsucht nach einem eigenen Leben, einem Leben mit Yael – und nach Freiheit. Dann stirbt der Betvater, und «Namenlos» ist den Gemeinheiten der Dorfbewohner schutzlos ausgeliefert. Sie zieht sich noch mehr zurück: erst ins Bethaus, dann zum Müller, ihrem stillen Freund und Helfer, und schlussendlich in die Höhle des Orakels. Hier sieht sie nur noch einen Ausweg: die Flucht von der Insel.

«Es ist, als ob der Glaube, dieses Gerüst, das mich bis vor kurzem noch gehalten hat, zu wackelig geworden ist, als dass es mich noch stützen könnte, aber wie soll ich mich alleine tragen?»

Karen Köhler erzählt mit «Miroloi» die Geschichte eines Findelkindes, ausgesetzt in einem isolierten Dorf auf einer abgelegenen Insel. Die Dorfbewohner sind erstarrt in uralten Strukturen, alles Fremde und Neue wird abgelehnt. Archaisch anmutende Gesellschaftsstrukturen, frauenverachtend, von Männern und der Religion dominiert - in diesem Umfeld wächst das namenlose Mädchen auf. Das brutale und zum Teil unmenschliche Verhalten der Bewohner beschreibt Karen Köhler in einer ganz speziellen, ausdrucksstarken Art und Weise. Der Schreibstil verdeutlicht und unterstreicht das Verhalten der Inselbewohner, macht die Entwicklung des Mädchens fühlbar und intensiviert das Ganze noch. Das ist einerseits anfangs etwas befremdlich und schwierig zu lesen, zieht den Leser aber mit der Zeit immer tiefer in die Geschichte hinein.

Gut zu wissen: Wenn auf der Insel mit dem schönsten Dorf (so die Bewohner) jemand stirbt, singen die Frauen ihm sein Miroloi, sein Totenlied. Dieses begleitet den Verstorbenen auf dem Weg ins Jenseits. Alina singt ihr Miroloi selber. In hundertachtundzwanzig Strophen (Kapitel).
Der Ausgang der Geschichte ist offen.

FAZIT

Der Roman nimmt einen mit  auf eine Berg- und Talfahrt der Gefühle und Eindrücke, und bleibt noch ganz lange in einem haften. Erstaunlich, wie sich die Hauptfigur entwickelt und mit jedem Stück Wissen mutiger wird. Eine äußerst interessante Lektüre, aktueller denn je, und in einer ganz eigenen Sprache geschrieben.

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