Hollywood Nachtstücke

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

- OT: Hollywood Nocturnals

- aus dem Englischen von Thomas Mohr

- TB, 288 Seiten

Couch-Wertung:

66

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Yannic Niehr
Angst, Mut und teuer erkaufte Erlösung

Buch-Rezension von Yannic Niehr Okt 2019

Der unaufgeklärte Mord an der eigenen Mutter hat James Ellroy nie ganz losgelassen. Diese Erfahrung verarbeitet er im Schreiben – so führen sein Sinnieren über die Vergangenheit und mit dem traumatischen Geschehnis verbundenen Assoziationen zu einer Reihe schier krimineller Auswüchse, die sich schwarz und zäh wie Teer auf den Seiten dieses Buches ausbreiten…

Ein berühmter und frauenumschwärmter Akkordeonspieler dreht ein krummes Ding und verhilft sich damit unverhofft selbst zu einem Comeback. Eine gefakte Entführung endet in einer Familientragödie. Ein alternder Cop verbeißt sich in einen Fall nur deswegen, weil ihm anschließend eine Luxuskarosse winkt. Ein harter Hund schließt Freundschaft mit dem Bullterrier, dem ein reicher Schnösel Unsummen vermacht hat, und wird in eine Erbschleicherei-Angelegenheit verwickelt. Vor dem Hintergrund der Japanerfeindlichkeit im Nachgang von Pearl Harbor soll ein abgehalfterter Privatdetektiv eine Nachtclubsängerin beschatten, verzehrt sich dabei aber nur in Sehnsucht nach seiner Verflossenen.

Gemeinsam haben all diese aberwitzigen Stories vor allem eines: Sex, Drugs & Crime…

-„Ich dachte, Privatschnüffler wären sensible Burschen mit einem Ehrenkodex.“

–„Nur in Groschenromanen.“

Ohne Rücksicht auf Verluste spürt Ellroy seiner Vergangenheit nach und erzählt dabei von Gangstern und Gaunern, Dreck und Verzweiflung, Nutten und Koks, Geldgier und Blut. Seine Sprache ist derb und politisch äußerst unkorrekt, aber raffiniert konstruiert. Die schnörkellosen Stakkato-Sätze lassen den diese Kurzgeschichtensammlung eröffnenden Miniroman „Dick Contino’s Blues“ (basierend auf einer real existierenden Person, wie in der Einführung beleuchtet wird) stellenweise so filmreif dynamisch wie ein Drehbuch wirken. Ellroys Protagonisten sind traurige Figuren, vom Leben gebeutelt und völlig kaputt. Er verbindet Elemente des Noir und Pulp, um ein Los Angeles der 50er heraufzubeschwören, das es so wahrscheinlich nie gegeben hat und das dennoch durch und durch lebendig wirkt. Im Zentrum stehen dabei nicht die Aufklärung von Verbrechen, sondern vielmehr zwielichtige Charakterstudien.

Als Autor von Klassikern wie „L.A. Confidential: Stadt der Teufel“ oder „Die Schwarze Dahlie“ – ein Roman über den berüchtigten, bis heute unaufgeklärten bestialischen Mord an einem aufstrebenden Starlet, der Hollywood Ende der 40er Jahre in Atem hielt – hat sich James Ellroy längst einen Namen gemacht. Dieses Buch macht neugierig darauf, welches Potenzial er in Romanlänge entfalten kann. Hier schießt er leider gerne mal übers Ziel hinaus, sodass der große Wurf leider ausbleibt. Abgemildert wird Ellroys Rohheit nur durch das Augenzwinkern, das mit jeder der Stories einhergeht und, gepaart mit seinem eigenwilligen, aber ausdrucksstarken Stil ein Reinlesen lohnenswert macht.

Fazit

Abgedrehte literarische Selbsttherapie, krankes und düsteres (Un-)Sittengemälde, und doch nie ohne eine gute Portion cleveren Haudrauf-Humor – die Art und Weise, mit der James Ellroy die Schattenseiten der Traumfabrik beleuchtet, bedient eher die Leserschaft einer recht engen Nische. Diejenigen, die sich darin wiederfinden, werden an „Hollywood Nachtstücke“ aber ihr verdorbenes Vergnügen haben.

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