Dubliner

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

- OT: Dubliners

- neu übersetzt aus dem Englischen von Friedhelm Rathjen

- Hardcover, 448 Seiten

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Sebastian Riemann
Ein pulsierendes Mosaik der irischen Hauptstadt

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Okt 2019

James Joyce war ein Pionier der modernen Literatur. Er prägte seine Zeit und die nachfolgenden Generationen wie kein zweiter. Sein Ulysses mit dem Protagonisten Leopold Bloom veränderte die literarische Landschaft der damaligen Zeit und etablierte den Bewusstseinsstrom im Roman. Er war lebendiger und dynamischer als alle anderen Formen, die man seinerzeit kannte, denn er integrierte das Innenleben des Erzählers in den Kosmos des Romans und verwandelte zugleich den Hintergrund in einen gleichrangigen Akteur. Die Stadt Dublin ließ er zu Wort kommen.

Die Heimatstadt von Joyce spielt in seinem gesamten Werk eine wichtige Rolle. Sie dient ihm als Handlungsort seiner Erzählungen und Romane, auch wenn er selbst die Stadt im Jahr 1904 verließ und nur noch selten aufsuchte. In den Dubliners fängt er die Atmosphäre in den Straßen und Häusern Dublins in mehreren Kurzgeschichten ein. Er porträtiert die Bevölkerung der Stadt in alltäglichen Situationen. Zusammen ergeben diese Erzählungen ein pulsierendes Mosaik der irischen Hauptstadt, das Joyces große Kunstfertigkeit offenbart und seine Außergewöhnlichkeit erahnen lässt.

Armut und Religion

Viele Geschichten zeigen einfache Haushalte, in denen die Bewohner über keinerlei Luxus und Annehmlichkeiten verfügen. Die Räume in den Reihenhäusern sind fahl und schlicht. Oft sitzen die Figuren missmutig oder traurig beieinander und unterhalten sich nur, wenn es notwendig ist. Die Stimmung ist nicht immer die beste, denn das Leben Leben in Dublin ist oft von Entbehrung geprägt.

Herumtreiber gibt es viele, die keiner geregelten Tätigkeit nachgehen und kein Einkommen haben, vielmehr von ihren Freunden leben, die ihnen ein Bier ausgeben, oder von der Familie, die durch ein Geschäft zu Geld gekommen ist. Sie leben in den Tag hinein, stellen den jungen Frauen nach und gehen, sofern sie das nötige Kleingeld haben, zu den Pferderennen.

Die meisten Figuren sind keine schillernden Idealtypen, sondern einfache Leute, die ihr Leben so gut wie möglich bewältigen wollen, sich kleine Freuden leisten und manchmal die Kontrolle über die Ereignisse verlieren - Leute, die schnell aus der Bahn geworfen werden und für Unglück besonders anfällig sind.

Im Umgang der Personen spielt immer wieder die Religion eine besondere Rolle. Katholiken und Protestanten stehen sich gegenüber, aber auch die Schüler der verschiedenen Schulen, die meist von religiösen Trägern betrieben wurden. Hinzu kommt eine Vielzahl an Geistlichen, die in jedem Lebensbereich von Bedeutung waren. Sie unterrichteten die Kinder, waren aber auch für die Erwachsenen wichtige Bezugspunkte. Sie gaben Rat und ermahnten, waren aber auch Freunde.

Das Autorennen

Eine der schönsten und reichhaltigsten Geschichten handelt von einer Gruppe junger Männer, die einen Rennwagen durch Dublin steuern. Obwohl sie nicht gewinnen, sind sie bestens aufgelegt und wollen das gute Abschneiden beim Rennen als Anlass zum Feiern nehmen. Die vier Männer kommen aus unterschiedlichen Ländern, sind aber durch die Liebe zum Automobil miteinander verbunden. Sie rauchen und trinken, spielen Karten und lachen gemeinsam. Ihre Klassenunterschiede sind unwichtig im Angesicht des Vergnügens. Nur Jimmy, der junge Mann aus Dublin, wirkt an dem Abend angespannt und nervös. Er will das Geld seiner Familie in ein Automobilunternehmen investieren und damit ein großes Risiko eingehen. Die Getränke steigen ihm schneller zu Kopf als den anderen, und beim Kartenspiel verliert er überraschend viel Geld. Dann bricht ein neuer Tag an.

Es sind solch wunderbare Erzählungen, die aus den Dubliners einen besonderen Schatz machen. Sie leben von der Dynamik der Personen und ihren Gefühlen. Am Ende gibt es weder ein Feuerwerk noch einen Skandal, auch keine Pointe, lediglich den Nachhall der inneren Beweggründe. Der Leser spürt eine sachte Erleichterung, da die Sonne aufgeht und Jimmy das Kartenspiel beenden kann. Er muss nicht weiter schwitzen und verlieren. Seine Nervosität kann sich zur Ruhe legen und der Freude Raum geben.

Das Leben in Dublin

Joyce konstruiert keine raffinierten Kurzgeschichten, so wie man sie bei anderen Autoren findet, die  Ende und Anfang in einem perfekten Kreis verbinden. Er lässt den Leser die Luft in Dublin atmen, lässt ihn durch die Straßen ziehen und am Gespräch mit den einfachen Bewohnern teilhaben. Er gibt Einblicke, die eine raffinierte Kurzgeschichte gar nicht geben kann, weil sie um die eigene Achse kreist, und setzt der Stadt Dublin und seinen Bewohnern ein wahres Denkmal.

Fazit

Die Dubliner sind authentisch und lebendig, sie erwecken die Stadt zum Leben. Das Frühwerk von James Joyce unterscheidet sich von seinen späteren Büchern, ist aber ebenso meisterhaft.

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