Ein neues Blau

Erschienen: August 2019

Bibliographische Angaben

- Hardcover, 416 Seiten

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Carola Krauße
Einfühlsames Portrait eines ungewöhnlichen Lebens

Buch-Rezension von Carola Krauße Okt 2019

Lili ist ein kleines Kind, als sie ihre Mutter verliert. Aufwachsen wird sie in Berlin Charlottenburg, im neuen Haus, zusammen mit dem jüdischen Vater und Takeshi, dem japanischen „Beschützer“. Schon immer spielt das Schöne in ihrem Leben eine große Rolle, doch als sie Günther von Pechmann, den Direktor der Königlichen Porzellan-Manufaktur, kennenlernt, weiß sie, dass Porzellan ihre Bestimmung ist. Aber die Nationalsozialisten kommen an die Macht und sie muss fliehen. Erst Jahre später wird Lili wieder im neuen Haus leben, zusammen mit Takeshi, der es für sie gehütet und beschützt hat. Nach seinem Tod zieht sie sich völlig zurück. Erst die 18-jährige, aufmüpfige Anja dringt zu ihr durch und bringt sie dazu, ihre Geschichte zu erzählen.

Eine Geschichte, die so viele Themen hat

Tom Saller entführt den Leser in ein Leben, dass alles andere als gewöhnlich ist. Lili wächst gutbürgerlich auf. Die japanische Teezeremonie im Garten ist für sie genauso Alltag wie die Unterrichtung im jüdischen Glauben durch Rabbi Teichlmann oder Besuche in Galerien und Museen mit ihrem Vater. Doch Lili hat es nicht leicht. Sie fühlt sich immer „halb“: Halbwaise, halbe Jüdin, halbe Christin, halbe Japanerin – sie sagt „Ich weiß nicht, wer ich bin!“ Saller lässt die Frage nach Identität wie einen roten Faden durch das ganze Buch laufen. Auch Anja fragt sich, wer sie ist und wohin sie gehört. Beide Frauen müssen, jede auf ihre Weise, erkennen, dass nur sie selber sich definieren können. Und obwohl  sie unterschiedlichen Generationen angehören, sind Familie, Freundschaft, Enttäuschung, Mut und Schuld Kernthemen ihrer beider Leben. Indem Lili Anja zur Zeugin ihrer Geschichte werden lässt, zeigt sie ihr, dass jeder Mensch seinen ihm eigenen Weg hat, der nicht offen da liegt, sondern gefunden und dann konsequent gegangen werden muss.

Rückblenden lassen das Berlin der Vorkriegszeit lebendig werden

Den Großteil des Romans nimmt Lilis Geschichte ein, die sie in langen Rückblenden Anja erzählt. Dabei entführen kurze Kapitel den Leser in das Berlin von 1919 bis 1932. Doch die historischen Fakten stehen nicht im Vordergrund, sondern dienen als Gerüst. Bauhaus, KPM, aufkommender Nationalsozialismus, Judentum und Weltwirtschaftskrise umwabern Lilis Leben, in dem Porzellan eine wichtige Rolle spielt - es ist Bindeglied zwischen den Welten und zwischen den Menschen und verknüpft zum Schluss auch Anjas Geschichte mit der Lilis.

Saller verfügt über eine Sprachgewandtheit, die ohne Schnörkel und Ausschmückungen auskommt und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, den Leser in ihren Bann zieht. Dabei lässt er Anja ihren Part in schnodderiger Jugendsprache aus der Ich-Perspektive erzählen, während Lilis Geschichte von einem auktorialen Erzähler in einer wunderbar einfühlsamen und elaborierten Sprache wiedergegeben wird. Alles zusammen - Sprache, Plot und Protagonisten - machen die Lektüre zu einem außerordentlichen Vergnügen.

Fazit

Tom Saller ist mit diesem Roman wieder ein Volltreffer gelungen. „Ein neues Blau“ ist eine einfühlsam erzählte Lebensgeschichte, die sich durch ihre Sprache und ihre Vielschichtigkeit, gepaart mit historischen Hintergrund, wohltuend von anderen Romanen dieser Art abhebt. Bedauerlich fand ich, dass zwar Lilis Kindheit und Jugend sehr ausführlich erzählt werden, die Zeit nach dem Tod des Vaters aber vergleichsweise nur wenigen Seiten einnimmt, obwohl hier die Schuldfrage eine große Rolle spielt. Auch für das Cover hätte ich mir eine andere Gestaltung gewünscht. Mehr als der Hund würden das japanische Teehaus in Lilis Garten, Takeshi und Porzellan für ihre Geschichte stehen. Dennoch, „Ein neues Blau“ ist ein wunderbares Buch, das auch nach der Lektüre noch lange nachhallt und das von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung erhält.

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