Die Letzten ihrer Art

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

- OT: Przewalskis hest

- aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein

- Hardcover, 640 Seiten

Couch-Wertung:

70
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Carola Krauße-Reim
Dieses Mal geht es um Przewalski-Pferde

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jan 2021

Die Norwegerin Maja Lunde hat sich mit ihrer Literatur ganz der Umwelt verschrieben. Nach den Bienen und dem Wasser geht es im dritten Band des Klimawandel-Quartetts um die Przewalski-Pferde, auch Tachi genannt, eine Wildpferderasse aus der Mongolei.

Langsam wird es langweilig

Schon in den ersten beiden Bänden nutzte Lunde Zeitsprünge, um die Konsequenzen des Klimawandels zu verdeutlichen, was ganz nebenbei auch den Effekt des Spannungsaufbaus hat. Auch im vorliegenden Buch erzählt sie auf drei Zeitebenen: 1881 will der Zoologe Michail den Petersburger Zoo durch neue Tierarten vor dem Bankrott bewahren. Dafür fährt er mit dem Tierfänger Wilhelm Wolff in die Mongolei, um wildlebende Przewalski-Pferde einzufangen. Das hat nicht nur für die Tachis, sondern auch für den homosexuellen Michail Konsequenzen. 1992 wiederum will die Tierärztin Karin im Naturschutzgebiet Hustai in der Mongolei Tachis auswildern. Sie wird von ihrem Sohn Mathias begleitet, der persönliche Probleme hat. 2064 lebt Eva mitten in der Klimakatastrophe mit ihrer Tochter auf einem Hof in Norwegen. Ihr ehemaliger Wildpark ist Vergangenheit, sie besitzt nur noch eine Przewalski-Stute mit Fohlen. Der immer wiederkehrende Aufbau der Romane hat die Luft aus den Geschichten genommen. Der Blick in die Vergangenheit, als alles noch gut war, die Gegenwart, in der die Klimakatastrophe eventuell noch abwendbar wäre, und der Blick in die Zukunft, wenn alles den Bach runter gegangen ist, mag ja einmal spannend und fesselnd sein, aber drei Mal auf keinen Fall. Lediglich die „Protagonisten“ ändern sich: Bienen, Wasser und jetzt Wildpferde. So könnte Lunde aus ihrem geplanten Quartett eine Klimawandel-Literatur in Dauerschleife machen – aussterbende Objekte, Lebewesen oder Ressourcen gibt es ja genug.

Liebe und Tachis sind die Bindeglieder

Lunde steigt mit der beklemmenden Dystopie des Jahres 2064 in den Roman ein: Die Menschen sind nach Norden gewandert, um der Zerstörung der Umwelt, Dürren oder Dauerregen zu entgehen. Die Zurückgebliebenen verrohen, müssen sich nicht nur gegen die revoltierende Natur wappnen, sondern auch gegen ihre Nachbarn. Eva will ihre Tochter Isa schützen, die nur neun Menschen kennt und unbedingt auch weiter in den Norden wandern will. Erst eine Katastrophe lässt Isa den Konflikt mit ihrer Mutter vergessen. Der Leser wird durch die Schilderung der Welt 2064 geschockt, was ja die Absicht der Autorin ist. Ob sich dadurch aber auch nur ein neuer Umweltaktivist requirieren lässt bleibt fraglich, denn Eva ist keine Sympathieträgerin; die Wildpferde haben bei ihr eindeutig Vorrang vor allem anderen. So auch bei Karin im Jahr 1992: Ihre Vergangenheit auf dem Gut von Hermann Göring hat ihre Liebe zu Pferden begründet; seitdem stehen sie auch bei ihr an erster Stelle. Dass Sohn Mathias einsam ist, dringend Hilfe und ihre Liebe braucht, merkt sie zwar, aber es berührt sie nicht so wie das Schicksal der fast ausgestorbenen Przewalski-Pferde. Michail hingegen kann etwas mehr Sympathiepunkte ergattern: Als Homosexueller hat er es 1881 wirklich nicht leicht, noch dazu mit einer Enkelkinder fordernden Mutter. Für ihn sind die Pferde Mittel zum Zweck - was bedeutet, dass wenig Augenmerk auf das Wohl der wildgefangenen Tiere gelegt wird: viele sterben während des Transportes. Wer nicht unbedingt zu den Pferdeliebhabern gehört, dürfte sich mit diesem Buch etwas schwer tun, denn sie sind nun mal das Hauptelement, um das sich alles dreht. Lediglich die persönlichen Schicksale und die Dystopie des Jahres 2064 halten den weniger pferdeverrückten Leser bei der Stange. Das Leben in der Klimakatastrophe ist beängstigend realistisch und beklemmend dargestellt und zeigt uns anschaulich das drohende Desaster, wenn der Klimawandel nicht gebremst wird. Jedoch erzählt Lunde manchmal enervierend langatmig und ausufernd; ein geraffterer Stil hätte der Geschichte und dem Leser durchaus gut getan. So aber muss man sich eben mit den Pferden und den Unsympathen auf mehr als 600 Seiten arrangieren.

Fazit

Das Klimawandel-Quartett lässt keinen kalt! Allerdings sind Aufbau und Aussage längstens bekannt, denn Bienen und Wasser sind lediglich durch Wildpferde ersetzt worden. Doch man muss Die Letzten ihrer Art dennoch würdigen, denn es ist, wie seine Vorgänger, ein eindrückliches Plädoyer für den Klimaschutz.

Die Letzten ihrer Art

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