Die Welt in allen Farben

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

- OT: The Rules of Seeing

- aus dem Englischen von Wibke Kuhn

- Hardcover, 480 Seiten

Couch-Wertung:

55

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Lea Gerstenberger
Originelle Idee, aber blasse Umsetzung

Buch-Rezension von Lea Gerstenberger Sep 2019

Nova ist von Geburt an blind und kommt wunderbar in der Welt zurecht. Sie ist selbstbewusst, frech und arbeitet als Dolmetscherin. Durch eine Operation erlangt sie das Augenlicht, das sie nie hatte, und muss das Sehen ganz neu erlernen. Sie ist überfordert von den neuen Eindrücken und kann ihren Wahrnehmungen plötzlich nicht mehr trauen. Dann lernt sie Kate kennen, deren Leben auf andere Art bisher von Dunkelheit geprägt war: ihre Arbeit erfüllt sie nicht, und sie steckt in einer gewalttätigen Ehe fest. Die beiden Frauen entdecken, dass sie einander Halt und Sicherheit geben können. Sie stellen sich gemeinsam ihren inneren und äußeren Dämonen und schärfen dabei ihren Blick für das Schöne im Leben.

Der erste Teil des Romans erhellt Novas Situation sehr greifbar und glaubwürdig. Ihre Blindheit, die so anders ist als in den typischen Klischeevorstellungen der Sehenden, vor allem aber die Schwierigkeiten nach ihrer Operation und ihre Orientierungslosigkeit trotz des neuen Sinnes, lesen sich ausnehmend interessant. Es handelt sich mitnichten um eine Wunderheilung, sondern um einen erschöpfenden Lernprozess. Sich die visuelle Welt zu erschließen und sie mit dem zusammenzuführen, was Nova aus ihrer bisherigen Wahrnehmung kennt, wird für sie zu einer großen Aufgabe. Was diese neuen Erfahrungen und die zeitweise Enttäuschung mit ihr machen, rückt im weiteren Verlauf des Romans allerdings in den Hintergrund; stattdessen wird der Liebesbeziehung zu Kate, die durch die häusliche Gewalt an Panikattacken leidet, in abwechselnder Perspektive mehr Raum gegeben. Hier ist sehr positiv hervorzuheben, dass die Homosexualität nicht zum allumfassenden Thema gemacht, sondern als Selbstverständlichkeit in die Handlung eingebunden wird.

Dennoch tut man sich als Leser schwer mit dem wenig lebhaften, deskriptiven Stil, der abgesehen von wenigen Ausnahmen recht emotionslos daherkommt. Außerdem gibt es große Zeitsprünge, Entwicklungen dazwischen werden rasch abgehandelt. Dadurch fehlt es den Figuren, insbesondere Kate, an Tiefe. Die Dialoge zwischen den beiden Frauen und ihre Verhaltensweisen erscheinen irgendwann repetitiv, ohne dass sich daraus wirklich ergäbe, was das Besondere in ihrer Beziehung ausmacht. Es fällt schwer, sich auf die beiden einzulassen, und man wünscht sich, ihr Inneres ausführlicher und plastischer zu erfahren. Gerade darauf sollte, da sie mit so unterschiedlichen wie bedeutsamen Problemen zu kämpfen haben, der Fokus liegen. Es kommt also beinahe Langeweile auf, bevor die Handlung zum Ende hin in Richtung eines Thrillers kippt, was weder zum Schreibstil noch zur vorher entwickelten Atmosphäre der Geschichte passt. So entsteht ein plötzliches Zuviel an gekünstelter Spannung, wo leise Zwischentöne und Charakterbildung angebracht wären. Es werden mehr Themen zusammengeflochten, als der Roman gewinnbringend verarbeiten kann. Dadurch geht der Reiz der eigentlich originellen Idee, Novas veränderte Wahrnehmung mit allen Konsequenzen zu ergründen, deutlich verloren.

Fazit

Joe Heap wagt sich mit seinem Debütroman an ein Thema, das Interesse weckt und buchstäblich augenöffnend sein könnte. Leider lässt die Handlung, die am Ende zu einem Genre-Mix verkommt, den nötigen Tiefgang vermissen. Trotz weniger Lichtblicke wirkt es, als wären hier zu viele Geschichten zu einer einzigen zusammengeschmolzen worden. So kommt den einzelnen Aspekten nicht die jeweils verdiente Aufmerksamkeit zu und der Roman wird seinen Ansprüchen nicht wirklich gerecht.

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