Aber Töchter sind wir für immer

Erschienen: Juli 2019

Bibliographische Angaben

- TB, 464 Seiten

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Stefanie Eckmann-Schmechta
Die Geschichte einer deutschen Familie

Buch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Sep 2019

Eingebettet in eine Familiengeschichte schildert Christiane Wünsche die Ein- und Rückblicke ganz persönlicher Erinnerungen - und damit auch, wie die deutsche Geschichte jedes einzelne Familienmitglied geprägt hat. Der Blick zurück, in die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute, stellt jede Generation vor ganz unterschiedliche Herausforderungen.

Der Verlust und die Sehnsucht

Die Geschichte beginnt in der Gegenwart, mit Britta, der jüngsten der vier Töchter von Hans und Christa. Britta ist die einzige Person, die in diesem Roman ganz aus ihrer eigenen Perspektive erzählt. Alle anderen Familienmitglieder, deren Geschichte, Handeln und Denken wir erfahren, werden uns durch eine dritte Person nahe gebracht. Dadurch bleiben wir grundsätzlich in der Perspektive von Britta, erfahren aber auch weit mehr über die persönlichen Schicksale und Verbindungen, als sie es je könnte.

Während die Vorbereitungen zum 80. Geburtstag von Hans in vollem Gange sind, sind die drei Töchter Johanna, Heike und Britta zum ersten Mal seit langer Zeit wieder vereint in ihrem Elternhaus. Doch gleich zu Anfang wird klar, dass eine vierte Tochter fehlt: Hermine. Ein geheimnisvolles, schwer zugängliches Mädchen, das so ganz anders war als die anderen Töchter. Britta war zwei Jahre alt, als Hermine starb. In Brittas Gepäck: Das Tagebuch ihrer verstorbenen Schwester, das sie ihrem Vater anlässlich seines Geburtstages überreichen möchte. Selbst in völliger Unkenntnis über den Inhalt, stößt sie während ihres heimlichen Studiums des Tagebuchs unerwartet auf ein großes Familiengeheimnis.  Die zunächst nur vage Ahnung verdichtet sich durch die Einträge sowie durch die Gespräche mit ihren Schwestern zur Gewissheit. Die Spur geht weit in die Zeit Ende des Zweiten Weltkriegs zurück, als Brittas Mutter, Christa,  als kleines Mädchen mit ihrer Familie aus Schlesien fliehen und auf der Flucht grausame Dinge erleben musste. Ihre Verluste sind überaus schmerzlich, weshalb Christa sich nie mehr im Leben mehr sicher gefühlt hat. Es dauert ein Leben lang, bis Christa begreift, was Heimat wirklich für sie bedeutet, und sie endlich ankommen kann in ihrem niederrheinischen Häuschen am Bahndamm.

Ein Roman, der über Generationen versöhnt

Christiane Wünsches Konzept, die Geschichten aller gleich zu gewichten, ermöglicht einen neutralen Blick auf die Generationen. Man würde sich wünschen, dies würde in allen Familien so gelingen, dass ein jeder seine Geschichte erhält und die anderen dadurch verstehen, was diesen Menschen so geprägt hat oder mit welchem Temperament er oder sie gesegnet ist. Während wir in den Vorbereitungen und den gemeinsamen Stunden vor dem Fest immer weiter voranschreiten, erhält jeder - die vier Töchter, Hans, Christa, aber auch die Eltern der beiden, also die Großelterngeneration - einen eigenen Platz in der Geschichte. Ohne in irgendeiner Weise voreingenommen zu sein, gesteht sie jedem einzelnen seinen Standpunkt zu, den wir einnehmen oder aber auch distanziert zur Kenntnis nehmen können. Vieles, das hier erzählt wird, erfährt niemand mehr, ist eine ganz innere Reise zurück in die Vergangenheit, und die Überschneidungen von Erlebtem zeigen auf versöhnliche Weise, dass es DIE Wahrheit nun einmal nicht gibt.

Trotz aller Tragik und vieler falschen Entscheidungen schafft es vor allem einer, die Familie zusammen zu halten - und das ist der bald 80-jährige Hans.

Leicht erzählt, aber mit emotionaler Kraft

Christiane Wünsches Erzählstil mag manchmal etwas „betulich“ und schlicht erschienen;  gespickt mit vielen alltäglichen Selbstverständlichkeiten, könnte man dabei schnell zu dem Urteil gelangen, es handle sich um einen eher oberflächlichen und wenig inspirierten Roman. Tatsächlich gibt es einige Passagen, die etwas langatmig und entbehrlich wirken; sie sind aber durchaus wichtig, denn sie münden häufig in eine weitere, ebenso prägende wie überraschende Wendung im Leben eines der Familienmitglieder. Letztlich finden die Enden eines weit gesponnenen Netzes an Erlebnissen und Beziehungen zueinander, mit all seinen Fehlinterpretationen, Vorurteilen und Ressentiments - und nicht zuletzt mit der Frage nach einer möglichen Schuld.

Fazit

Die Geschichte einer Familie hat mindestens so viele Wahrheiten, wie sie Mitglieder hat. Christiane Wünsche gewährt ihren Lesern und Leserinnen die Gelegenheit, das dicht gesponnene Netz, das Generationen miteinander verbindet, einmal so zu sehen, wie es im echten Leben wohl kaum möglich wäre.

 

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