Alleingang

Erschienen: Februar 2019

Bibliographische Angaben

- Hardcover, 368 Seiten

Couch-Wertung:

70

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Sebastian Riemann
Wenn das Herz und die Fäuste gleichermaßen ehrlich sind

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Sep 2019

Freddy ist eine ehrliche Haut, ein unkomplizierter und direkter Typ. Er schwingt keine großen Reden, sondern nennt die Dinge beim Namen. Dabei ist er weder zögerlich noch vorsichtig. Wenn ihm etwas gefällt, z.B. das blaue Meer zu seinen Füßen, dann ist er schlichtweg überwältigt von der Schönheit, die sich ihm darbietet, und von der Freude, die in seiner Brust heranwächst. Er will sich dabei nicht verstellen. Er lässt es raus. Das mögen die Leute an ihm, diese unumwundene und einfache Art. Das macht ihn sympathisch. Dafür nehmen sie auch die Kehrseite seines Wesens in Kauf, seine Neigung zur Gewalt. Denn so ehrlich er sich über das Schöne in der Welt freuen kann, so ehrlich kann er zuschlagen, wenn er sich bedroht oder ungerecht behandelt fühlt. Deshalb landet er auch dreimal im Gefängnis, muss drei Jahrzehnte absitzen und darf dem bürgerlichen Leben nur aus der Ferne beiwohnen, als Zuschauer auf einem ganz billigen Platz.

Der Außenseiter und seine Freunde

Tom kommt aus gutem Elternhaus und lebt während seiner Studienjahre in einer WG zusammen mit fünf Freunden. Dort wird viel und regelmäßig über alternative Formen des Zusammenlebens, über Umweltschutz, den kalten Krieg und alte Rollenbilder diskutiert. Die jungen Leute wollen gerne am gesellschaftlichen Wandel teilhaben, der in der Luft liegt und für jedermann zum Greifen nahe ist. Sie rauchen Selbstgedrehte und wollen demonstrieren.

Freddy passt auf den ersten Blick nicht in diese Runde. Und auch nicht auf den zweiten. Aber er ist Teil des Freundeskreises, da er und Tom zu Schulzeiten beste Freunde waren. Regelmäßig schaut Freddy in der WG vorbei, setzt sich an den Tisch, raucht seine Aktiven und hört den hochtrabenden Reden der Freunde zu, auch wenn er sie nicht immer versteht. Er ist ihr Vorzeigefreund aus der Arbeiterklasse. Ein Proletarier, der sich seiner Rolle in der Gesellschaft nicht bewusst ist. So einen muss man mit ins Boot holen, auch wenn er hier und da aneckt.

Bei all der Freundschaft, die zwischen den gebildeten, ambitionierten Studenten und dem Mechanikerlehrling Freddy entsteht, bleibt doch stets auch eine gewisse Distanz. Freddy gehört nie vollständig dazu. Er würde gern und vielleicht würden es die andern auch gern, aber es funktioniert nicht. Freddy ist einfach grundverschieden von seinen Freunden.

Verlassen und vergessen – eine Lebensgeschichte

Als kleiner Junge wurde Freddy zweimal verlassen, zuerst vom Vater und dann von der Mutter. Er wuchs in problematischen Verhältnissen auf und sollte eigentlich keine Freunde aus den besseren Schichten haben. Einzig die Freundschaft zu Tom verschafft ihm Zugang zu einer anderen Welt. Aber letztendlich kann Tom seinen alten Freund Freddy nicht vor sich selbst und seinem Schicksal bewahren.

Freddy scheut den Konflikt nicht. Seine Fäuste sind schnell und erbarmungslos. Aber mit dem Strafsystem können sie es nicht aufnehmen, und so landet der ehrliche, trotzige Freddy im Gefängnis. Der Kontakt zu den guten Freunden bricht ab und am Tag seiner Entlassung weiß er nicht, wohin er gehen soll. Über die Jahre ist die Kluft, die stets zwischen ihnen bestand, unüberwindbar angewachsen. Wieder einmal ist Freddy verlassen und von aller Welt vergessen.

Stefan Moster hat die Fähigkeit, seinen Figuren eine besondere Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen, sie lebensnah und ansprechend darzustellen. Sie können mit dem Leser kommunizieren. Aber nicht immer. Denn leider hat dieser Freddy, dieser aufrichtige Typ mit den schnellen Fäusten, nicht die beeindruckende Tiefe, die man bei Moster erwartet. Er ist zu einfach gestrickt, zu plump. Den Leser kann er zu keinem Zeitpunkt überraschen und in seinen Bann ziehen. Freddy tritt auf der Stelle, kommt nicht voran.

Seine Freunde – die intellektuellen, gut situierten Studenten – überzeugen noch weniger, sie dienen nur als Gegenentwurf zum Charakterdarsteller Freddy. Sie wollen die Welt verändern und finden sich am Ende doch in den gleichen Rollen gefangen wie ihre Eltern vor ihnen. Sie sind auf unangenehme und unglaubwürdige Weise verlogen. Neben Freddy treten sie wie Schwätzer und Scharlatane auf. Weltverbesserer sind Blender, will Moster seiner Leserschaft einflüstern. Nur auf den kleinkriminellen Schläger mit dem Herz aus Gold ist Verlass.

Der Außenseiter Freddy verbringt einen guten Teil seines Lebens in der Schwebe, es geht weder nach oben noch nach unten, und am Ende landet er doch unsanft auf dem Boden. Ein besseres Leben war für einen wie ihn nicht möglich.

Fazit

Stefan Moster zeichnet in Alleingang ein fragwürdiges Bild der Moral. Darin macht er alle Figuren zu Antihelden und stellt einen vor unlösbare Rätsel, die durchaus ihren Reiz haben. Auf die Suche nach Antworten muss sich der Leser allerdings allein begeben. Freddy kann ihm dabei nicht helfen.

 

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