Blinder Fleck

Erschienen: Juni 2018

Bibliographische Angaben

- OT: Blind Spot

- aus dem Englischen von Uda Strätling

- Hardcover, 352 Seiten

Couch-Wertung:

75

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Sebastian Riemann
Kleinste Fotoreportagen aus aller Welt

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Aug 2019

Teju Cole ist vielen Interessierten als erfolgreicher Autor bekannt. Seine Romane Open City und Jeder Tag gehört dem Dieb waren große Erfolge, wurden von der Kritik gelobt und als Höhepunkte der modernen, amerikanischen Literatur gepriesen. 2013 erhielten er und seine deutsche Übersetzerin Christine Richter-Nilsson den internationalen Literaturpreis in Berlin.

Was viele Leser hierzulande nicht wissen: Teju Cole ist auch Fotograf. Kein Hobbyfotograf, der die Kamera in die Hand nimmt, wenn er Zeit und Lust dazu hat, sondern ein überaus professioneller. Für das New York Times Magazine arbeitet er als Kolumnist zum Thema Fotografie, seine Arbeiten werden international ausgestellt und sind nun auch dem deutschen Publikum zugänglich. Im vorliegenden Band werden Bilder aus aller Welt gezeigt. Sie sind mit kleinen Texten versehen, die manchmal eine Geschichte erzählen, manchmal zum Nachdenken anregen oder das Gefühl des Autors wiedergeben, das er bei der Aufnahme empfand. Es sind schöne, verwirrende und traurige Bilder. Sie zeigen das vielfältige Interesse Coles und sein Talent im Umgang mit der Kamera.

Düster

Ein Bild aus Rom zeigt Pferdefiguren, die eigentlich in grelles Licht getaucht sein und sich im Kreis bewegen sollten. Es sind Karussellpferde, auf denen Kinder (und Erwachsene) reiten und sich vergnügen können. Doch zeigt das Foto keinen Jahrmarkt. Vielmehr sind die Pferde hinter einer großen Plastikplane verborgen und in Schatten gehüllt. Die Fröhlichkeit, die sie am Tage versprühen, ist abwesend und nicht zugänglich. Die Pferde wirken erschreckend und erschrocken. Cole begleitet das Bild mit einem etymologischen Text, der die Bedeutung des Wortes obscure (düster) darlegt. Denn die Pferde sind bedeckt und dunkel, widersprechen unserer ersten Assoziation.

Eine unbemerkte Dopplung

Auf der Berliner Museumsinsel hat Cole einen Moment festgehalten, der zwei Männer zeigt, die sich gegenseitig nicht bemerken. Cole spricht von einer Dopplung, da beide Männer in dieselbe Richtung schauen und sich in ihrem Äußeren ähneln. Beide tragen herbstliche Kleidung, die der Mode vergangener Jahrzehnte entspricht. Getrennt werden sie durch eine Informationstafel, die Besucher über die Bedeutung des Ortes aufklärt. Der Eine liest den Text auf der Tafel, der Andere schaut auf die andere Uferseite. Sie bemerken die Ähnlichkeit, die zwischen ihnen herrscht, nicht, werden sich im nächsten Moment aus der Konstellation lösen und wieder ihrer Wege gehen. Nur das Foto hält die unbemerkte Dopplung fest.

Kleist und Cabrio

Der Rücksitz eines Cabriolets, auf m ein dürres Bäumchen liegt. In den Seitenfenstern spiegeln sich der umliegende Wald und der sonnige Himmel. Hell und Dunkel nebeneinander. Das Licht wirkt auf den ersten Blick wie ein See oder eine Explosion. Das Foto entstand am Berliner Wannsee. Cole schreibt:

Ich schrieb ihr:
>>Das Haus ist angenehm, aber wenige hundert Meter weiter hat sich Kleist erschossen.<<

Sie schrieb zurück:
>>Überall hat sich wenige hundert Meter weiter jemand erschossen.<<

Hätten sich Kleist und seine Henriette Vogel in unseren Zeiten das Leben mit einem spektakulären Autounfall genommen? Wären sie mit Höchstgeschwindigkeit gegen einen Baum gefahren, der das Cabriolet durchbohrt hätte? Die Kombination aus Foto und Text lädt zum Spekulieren ein.

Ein reizvolles Zusammenspiel

Die Fotografien mit ihren Texten werden begleitet von einer Einleitung, in der Siri Hustvedt die Arbeiten Coles kommentiert und in einen größeren Kontext einordnet. Am Ende des Bandes befinden sich noch ein Ortsregister und eine Weltkarte, auf der die Orte verzeichnet sind, an denen der Autor und Fotograf Teju Cole die Aufnahmen machte. In einem kurzen Text erklärt Cole, wie seine Leidenschaften für das Reisen und die Fotografie sich zunehmend ergänzen. Er erwähnt seine Kindheit und Jugend in Nigeria sowie sein Leben in New York.

Die Sammlung hat kein übergeordnetes Thema, das die Bilder inhaltlich zu einer Einheit macht. Cole reiste und fotografierte dabei alles, was ihn interessierte. Das Ergebnis ist sowohl fotografisch wertvoll als auch literarisch ansprechend. Der Leser wird herausgefordert, er soll sich Gedanken zum Zusammenspiel zwischen Text und Foto machen. Dabei lernt er Teju Cole als Menschen kennen.

Fazit

„Blinder Fleck“ isteine herausfordernde, aber hochwertige und dankbare Sammlung, die einen Einblick in das Denken und die Interessen eines talentierten Autors und Fotografen vermittelt.

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