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Lea Gerstenberger
Unbequeme Fragen zwischen RAF-Untergrund und Politik

Buch-Rezension von Lea Gerstenberger Aug 2019

Der Untergrund kann auch eine Marmeladenmanufaktur an der französischen Côte d’Azur sein. Dort abgetaucht ist Frederic, Teil der dritten Generation der RAF, die das Ende der DDR rächen wollte, und für mehrere nie aufgeklärte Anschläge mitverantwortlich. Seine Scheinexistenz schützt ihn, und doch hat er von ihr genug. Verheißungsvoll scheint da die Begegnung mit Constanze, die eines Tages ins Marmeladengeschäft spaziert. Wäre sie nur nicht die Tochter eines Attentatsopfers, seit zwanzig Jahren geplagt von der Frage, wer ihren Vater auf dem Gewissen hat. Der Zufall bringt sie zusammen, die Vergangenheit hält sie zusammen. Sie werden zu Komplizen, denn Constanze weiß: Will sie von Frederic Antworten auf ihre drängenden Fragen, muss sie ihn decken. Nicht jeder hat allerdings Interesse daran, die Zusammenhänge ans Licht zu bringen, und so geraten beide in ein Katz-und-Maus-Spiel, aus dem bald bitterer Ernst wird. Denn nicht nur im Untergrund, sondern auch in den hohen Sphären der Politik gibt es Interessen, die eine Aufklärung des alten Falles verhindern.

In Bodans Roman geht es um Begegnungen, die eine alte Schuld aufdecken. Ständig fragt man sich, was die ganze Geschichte ist, denn sowohl Constanze als auch Frederic suchen nach ihrer persönlichen Wahrheit. Und die ist selten so eindeutig, wie sie zunächst scheint, und offenbar niemand kennt alle Zusammenhänge. Bodan meistert das Spiel der Identitäten, in dem insbesondere Frederic gefangen ist. Der muss sich die Frage stellen, ob man wirklich die Welt verändern kann oder doch nur sich selbst, und was dann mit den Illusionen passiert, die man sich gemacht hat. Gekämpft wurde für die Freiheit, auch wenn das rückblickend gar nicht mehr so eindeutig wirkt, aber was ist überhaupt Freiheit, wenn man nur auf der Flucht ist?

Der Titel verweist auf Adornos berühmten Satz „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, der zum philosophischen Leitstern der 68er wurde, und im Roman stellt sich natürlich die Frage, wie die Leben der Protagonisten zu bilanzieren sind. Idealismus und Euphorie sind bei Frederic geschwunden, der „die verfaulten Früchte der Anarchie“ nicht gerade genießt, und Constanze ist getrieben von einer Suche, bei der nicht sicher ist, dass die Antwort ihr Frieden bringen wird.

Die Fiktion schließt nicht aus, schreibt Bodan einleitend, „dass die Erzählung der wahren Geschichte näherkommt, als vom Autor beabsichtigt“. Auch der Leser tritt also ein in das Verwirrspiel mit der Wahrheit, und die enge Verflechtung mit der realen Zeitgeschichte, die Referenzen auf die RAF, machen es im positiven Sinne nicht leichter, Erfundenes vom Realen zu trennen.

Bodans aussagekräftige Sprache ist sowohl von Spannung als auch Melancholie geprägt und spart nicht an Anspielungen auf vergangene und aktuelle politische Realitäten, womit „Ein richtig falsches Leben“ an Aktualität gewinnt. Als Leser wird man das Gefühl nicht los, dass der Autor, selbst anonymisiert, sehr genau weiß, wovon er da schreibt. Stilistisch trifft er die richtigen Töne, die sowohl das Milieu der Protagonisten als auch ihr Inneres abzubilden vermögen. Lediglich die Rückblenden kommen anfangs bisweilen etwas plötzlich und verlangen dem Leser Gewöhnung ab, bis er die Zeitebenen der Geschichte unterscheiden kann. Das Zusammenfügen der vielen verwirrenden Spuren am Ende fordert ihn wiederum; und der ein oder andere dramatische Showdown hätte zugunsten der ansonsten stets transportierten Glaubwürdigkeit besser ausbleiben können, denn hierdurch flacht die Sogwirkung der Geschichte zum Schluss ein wenig ab.

Fazit:

Was bleibt, ist ein größtenteils starker Roman, der den Leser in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte hineinzieht und es anhand der persönlichen Dramen als Retrospektive und mit allen Konsequenzen erlebbar macht. Er stellt dabei die richtigen Fragen und verweist darauf, dass man manche Antworten womöglich gar nicht kennen will.

Ein richtig falsches Leben

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