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Carola Krauße
„Ich bin die fleischgewordene Einsamkeit“

Buch-Rezension von Carola Krauße Aug 2019

Kya lebt im Marschland von North Carolina. Ihr Zuhause ist eine Holzhütte ohne fließendes Wasser, ohne Strom und ohne Nachbarn. Sie weiß, was Einsamkeit ist, denn sie wurde von allen verlassen, die sie liebte. Als sie 1952 sechs Jahre alt war, ging ihre Mutter ohne ein Wort des Abschiedes, kurz darauf ihre Geschwister, weil sie alle es einfach nicht mehr mit dem kriegsversehrten und alkoholabhängigen Vater aushielten. Doch auch der ist ein paar Jahre später einfach weg und so muss sie sich als Zehnjährige allein durch das Leben schlagen. Nur zu Jumpin‘ und seiner Frau Mabel, beide selber als Schwarze Außenseiter, hat sie Kontakt. Den Menschen in der nahegelegenen Kleinstadt geht sie aus dem Weg, genauso, wie den Behörden, die ihre Versuche sie zu kontaktieren bald aufgeben. Zweimal öffnet sie sich der Liebe, aber muss erkennen, dass diese zwar ausfüllend, aber auch sehr schmerzhaft sein kann.

Im Laufe der  Jahre muss Kya noch so manche Enttäuschung hinnehmen, die sie immer weiter in die Einsamkeit treibt. Nur die Natur gibt ihr Halt, versorgt sie und spendet ihr Trost. 1969 wird die Leiche von Chase Andrews gefunden und gleich ist für die Bewohner des Städtchens klar, dass es Kya, das Marschmädchen, gewesen sein muss. Für sie beginnt eine traumatische Zeit in einer engen Zelle und vor Gericht.

Eine Geschichte, die zu Tränen rührt

Delia Owens ist mit ihrem Debüt ein Roman gelungen, der einen Kriminalfall mit der Geschichte eines außergewöhnlichen Lebens verbindet. Wortgewandt, gefühlvoll und poetisch beschreibt sie menschliche Abgründe, Einsamkeit, Verzweiflung, aber auch Freundschaft und Liebe und vor allem die Natur der Marschen an der Küste North Carolinas. Kyas Leben ist an die Natur gebunden, nur hier kann sie existieren. Zwar ist sie nahezu ohne menschlichen Kontakt, aber ihre Beobachtungen von Flora und Fauna machen sie zu einer Expertin für die Marschlande. Die sehr einfühlsame Schilderung ihres mühsamen und beschwerlichen Lebens so ganz alleine in der Einsamkeit ist immer eingebettet in die bildgewaltige Schilderung der Natur. Der Leser kann gar nicht anders als in seinen Gedanken mit Kya durch die Kanäle zu tuckern, mit ihr die Vögel beobachten und die Möwen zu füttern. Aber er spürt auch ihre Verlassenheit, ihre Scheu vor Menschen und ihre abgrundtiefe Verzweiflung und Traurigkeit, wenn diese sie enttäuschen. Ich muss zugeben, dass ich manchmal den Tränen nahe war und mir gewünscht habe, Kya einfach in die Arme nehmen zu können.  Doch sie ist durch alle diese Verletzungen stark geworden und kann sich so auch den Herausforderungen des Mordvorwurfes stellen.

Für Kya geht es um Leben und Tod

Schnell kochen die Vorurteile hoch, als Chaise Andrews tot aufgefunden wird. Als dann noch bekannt wird, dass Kya eine Beziehung mit ihm hatte, steht sie unter Verdacht und muss um ihr Leben fürchten, denn auf Mord steht die Todesstrafe. Das Naturkind muss sich den bisher gemiedenen Menschen stellen und sich in der Öffentlichkeit behaupten. Owens zeigt sehr eindrücklich die Gesellschaftsunterschiede und die Rassentrennung der damaligen Zeit. Die Menschen wurden in Schwarze und Weiße, in Stadtbewohner und „Marschpack“ eingeteilt. Das war unglaubliche Wirklichkeit in den Vereinigten Staaten im Jahr 1969. Immer wieder wird man während der Lektüre mit den damaligen sozial-gesellschaftlichen Verhältnissen konfrontiert. Doch mit der Schilderung der Tatsachen übt Delia Owens eine Kritik, die sich, ohne pointiert zu sein, in den Roman einbindet und dennoch nicht zu ignorieren ist. Sind es doch ausgerechnet die Schwarzen Jumpin‘ und seine Frau Mabel, die in Kya einen Menschen, ein allein gelassenes Kind sehen und nicht das Marschmädchen ohne Erziehung und Bildung und, die ihr während des Prozesses durch ihre Anwesenheit beistehen.

Dieses Buch hat eine unbedingte Leseempfehlung

In „Der Gesang der Flusskrebse“ ist alles annähernd perfekt. Der Roman wird in einer wunderbaren und gefühlvollen Sprache erzählt, die schöner nicht sein kann. Und, das Erzählte ist immer spannend. Man will einfach wissen, wie es mit Kya weiter geht, wie sie die Schwierigkeiten ihres einsamen Lebens meistert und natürlich, wie der Prozess für sie ausgehen wird. Eingebettet ist diese herzerweichende und dramatische Geschichte in so anschauliche und  atmosphärisch dichte Schilderungen der Marschen, ihrer Pflanzen und Tiere, dass das Buch auch eine Ode an die Natur ist. Lediglich kleine Logikfehler lassen manchmal stutzen, doch sie schmälern den Lesegenuss nicht. Im Gegenteil, als die Erzählung endet, blieb ich etwas traurig und auch ein bisschen einsam zurück, hatte ich mich doch schon so an Kya gewöhnt. Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung für dieses einzigartige Romandebüt.

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