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Carola Krauße
Eine Geschichte über Heimat, Freundschaft und das Ankommen im Leben

Buch-Rezension von Carola Krauße Jul 2019

Johanna steht an einem Scheideweg in ihrem Leben. Kurz vor Vollendung ihrer Habilitation und einem Lehrauftrag in den USA erkrankt sie an einem Hirntumor und erleidet einen Schlaganfall. Sie, für die Sprache immer immens wichtig war, ist verstummt. Die Fähigkeit der verbalen Kommunikation ist auf wenige Laute begrenzt. Überhaupt hat sich ihr Leben auf das Wesentliche reduziert, denn neben der Sprachbarriere ist sie auch körperlich eingeschränkt und eigentlich auf Hilfe angewiesen. Aus ihren Karriere- und Lebensträumen gerissen, verkriecht sie sich auf dem Kirchberg im Haus ihrer verstorbenen Großeltern. Hier zieht sie sich ganz zurück, begrenzt ihr Leben auf das Wesentliche und versucht in der Abgeschiedenheit zu ihrem neuen Ich zu finden, mit dem sie wohl oder übel fertig werden muss. Alleine, frierend, zusammengerollt in einem Schlafsack auf einer alten Matratze reflektiert sie ihr bisheriges Leben. Sie war immer eine Getriebene. Hat in vielen Städten gewohnt, war glücklich studierend in Italien und in London unglücklich verliebt. Jetzt will sie nur noch in Einsamkeit ihre Wunden lecken und irgendwie zurecht kommen. Doch, das mit der Einsamkeit klappt nicht, denn alte und neue Freunde kümmern sich um sie, auch, wenn sie das anfangs vehement ablehnt. Stück für Stück gibt Hanna nach, öffnet ihr Haus und sich selbst für Freunde und Gemeinschaft. Und mit dem neuen Miteinander entsteht Wärme, Geborgenheit und teilnehmende Hilfe, die sie so dringend für ihre Seele und ihren Körper braucht. Und sie findet Patrizio wieder, den Freund aus Kindertagen, der genauso wie sie ein Außenseiter war und so gerne mehr gewesen wäre als ihr bester Kumpel. Jetzt zeigt sich, dass auf ihn Verlass ist. Er umsorgt Hanna, legt sein bisheriges Leben auf Eis, zeigt ihr, dass sie an ihm und er an ihr gesunden kann und schafft einen warmen und wohligen Kokon für sie beide im Haus ihrer Großeltern.

Der Kirchberg als Fixpunkt für Hanna und Patrizio

In der Gemeinschaft eines kleinen schwäbischen Dorfes braucht Hanna nichts zu erklären. Hier kennt jeder sie, ihre Geschichte und die ihrer Familie. Im Rhythmus von zehn Jahren erzählt Verena Boos in Rückblicken das Leben von Johanna, das punktuell immer mit dem Patrizios verknüpft ist. Es ist eine Geschichte, die geprägt ist vom Anderssein, der Suche nach Heimat und Anerkennung. Dabei ist Patrizio genauso ein Ruheloser, wie Hanna. Als Kind italienischer Gastarbeiter lebt er in zwei Welten, immer auf der Suche nach dem Platz im Leben. Erst jetzt, zusammen auf dem Kirchberg, finden beide ihren Seelenfrieden. Eine Vorausschau in Patrizios Zukunft zeigt, dass auch er mit Hannas, wenn auch unbewusster Hilfe, angekommen ist. Das Haus auf dem Kirchberg wird zum Lebensmittelpunkt und Rückzugsort für beide. Hier wird Hannas Sprachverlust zur Nebensache. Das Hintergrundwissen aus Kindheit und Jugend und das dörfliche Umfeld gleichen das Defizit aus. Dennoch schafft es die Autorin dem Leser die Schwierigkeiten von eingeschränkter Sprach- und Denkkompetenz zu verdeutlichen. Mit kurzen Sätzen, teilweise stakkatohaftem Schreibstil entführt sie den Leser in Hannas Welt, in der lange und komplizierte Kommunikation nicht mehr existiert und, in der auch das Denken und Erinnern nur noch bruchstückhaft funktioniert. Der Stil ist gewöhnungsbedürftig, aber er rundet das Erzählte ab und ist ein wichtiger Teil des Gesamten.

Fazit:

Verena Boos erzählt in leisen, aber prägnanten Tönen und mit viel Symbolik eine Geschichte über Verluste, Familie, Freundschaft und dem Ankommen an einem Ort, der ohne Sprache und gewohnter Kommunikation Wärme, Zusammenhalt und Geborgenheit vermittelt. Der Leser taucht ein in das Leben von Hanna und Patrizio, begleitet sie durch Kindheit, Jugend und erlebt mit, wie sie zu entwurzelten Suchenden werden. Es ist ein stilles, berührendes Buch, das die Frage nach Zugehörigkeit und Heimat aufwirft. Hanna und Patrizio finden ihre Heimat, geographisch und emotional an dem Ort, an dem alles begann und an dem es endet. „Kirchberg“ hallt noch lange nach der eigentlichen Lektüre nach und lässt den Leser in Gedanken über die eigene Endlichkeit und die eigene Definition von „Heimat“ zurück.

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