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Sebastian Riemann
Zerplatzte Träume und Wut im Bauch

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Jun 2019

Wie schafft sie das nur? Vier Kinder, kein festes Einkommen, bald kein Dach mehr über dem Kopf und nebenbei schreibt sie noch Bücher. Das Leben von Resi ist nicht einfach und doch meistert sie es vorbildlich, auch wenn sie hin und wieder vor dem Kollaps steht und nicht weiter weiß. Sie ist stark und hält durch. Bewundernswert. Eine Frau, die sich jeder Herausforderung stellt, nicht verzweifelt, sondern nach Lösungen sucht. Eine Kämpferin. Freunde und Verwandte sprechen ihr immer wieder Lob aus und zeigen sich beeindruckt von Resis Fähigkeit, den Laden zusammenzuhalten.

Nur leider gibt es keinen Preis dafür. Überlebenskampf ist keine olympische Disziplin und Resi wird keine Medaille gewinnen. Sich und ihre Familie von einem Tag zum nächsten schleppen, Probleme lösen und auf die nächste Katastrophe warten – mehr kann sie nicht machen. Auf eine goldene Zukunft zu hoffen wäre albern. Es wird nicht besser und einfacher werden. Und deshalb ist Resi auch stets wütend. Enttäuschung und Frustration stauen sich in ihr und bringen sie immer wieder dem Siedepunkt nahe. In ihrer kleinen Abstellkammer – ihrem provisorischen Büro – schreibt sie sich die Wut von der Seele. Sie klagt ihre Mitmenschen an und verzweifelt an sich selbst, gesteht sich ein, dass sie es nicht schafft, alles zu meistern. In Schäfchen im Trockenen rupft sie ein Hühnchen mit denjenigen, die Schuld sind an der Misere.

Die Versprechen der Elterngeneration können nicht eingelöst werden

Mit den Eltern muss Resi abrechnen. Denn die haben ihr Ideen mit auf den Weg gegeben, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Sie haben ihr eine wunderschöne, konfliktfreie und klassenlose Gesellschaft präsentieren wollen. Sie dachten, es müsse nur daran geglaubt werden und würde sich von selbst verwirklichen. Man solle nicht mehr von Klassenunterschieden reden, vielmehr jeden Menschen gleich behandeln und sich frei von Zwängen fühlen, dann würden alle auch wirklich frei werden und aus dem Klassendünkel heraustreten. Eine neue Gesellschaft wäre dann geboren, in der alle gleich sind. Aber natürlich kam es nicht so, auch wenn die Ideen von Gleichheit vorhanden waren. Die Armen – wie Resi mit ihrer asozialen Großfamilie – schuften, um über die Runden zu kommen, dürfen sich aufmunternde Sprüche anhören und an eine bessere Zukunft glauben, die niemals kommen wird. Die Wohlhabenden – Resis Freunde und Feinde – können sich brüsten unvoreingenommen und weltoffen zu sein, nicht mehr verstockt und auf Privilegien bedacht wie noch die Elterngeneration. Am Ende ist es wie zuvor. Das muss Resi erkennen und schlucken, sie muss die schönen Ideen der Eltern begraben. Helfen will ihr dabei niemand.

Vom alten Jugendtraum bleibt nichts übrig

Die Freunde aus Kindertagen waren wie eine zweite Familie für Resi. Mit ihnen wollte sie ihr gesamtes Leben verbringen, im Schwabenländle und später in Berlin. Ein ewiges Band der Freundschaft existierte zwischen ihnen und konnte durch nichts zerrüttet werden. Daran glaubte Resi, auch wenn es schon früh Zeichen gab, die auf grundlegende Unterschiede zwischen den Freunden hinwiesen. Resi konnte kein Instrument spielen und war eine Außenseiterin auf der Weihnachtsfeier bei Ulfs Familie, die sich zu den Feiertagen gerne ums Klavier versammelte und gemeinsam ein paar Lieder sang. Damals glaubten alle noch, dass es eine gemeinsame Zukunft für ein Paar wie Resi und Ulf geben könnte. Die Wohlhabenden wollten die Freundin ihres Sohnes nicht ausschließen, nur weil sie aus einfachem Hause kam, und Resi wollte glauben, dass es wirklich so sein könnte.
Später – Ulf und Resi sind bereits mit anderen Partnern verheiratet – verwirklichen die Freunde in Berlin ein gemeinsames Wohnprojekt, so wie sie es einst geplant hatten. Eine Schwabenkommune. Auch Resi soll mit ihrer Familie einziehen, aber natürlich fehlt ihr das Geld dazu. Wie immer. Ein großzügiges Angebot lehnt sie ab und bevorzugt es, abseits zu wohnen, nicht mit den besten Freunden zusammen. Fortan redet und schreibt sie nur schlechtes über das Wohnprojekt. Sie ist eine Spielverderberin und eine Frau, die sich gern zum Opfer stilisiert.

Warnende Worte für die Kinder

Das Buch ist an Resis Tochter Bea gerichtet. Ihr werden Ratschläge und Hinweise mit auf den Weg ins Leben gegeben. Denn schließlich will Resi es besser machen als ihre eigenen Eltern, will ihr Kind nicht mit falschen Vorstellungen verwirren. Sie will sie auf die harte Realität des Lebens, auf die Unterschiede, die nach wie vor in unserer Gesellschaft herrschen, hinweisen, damit es für sie kein böses Erwachen gibt. Sie will ihr die Enttäuschung und falsche Freunde ersparen. Eine noble Geste.

Fazit:

Resi ist ein aufreibender Charakter, sie ist grob und selbstherrlich, eine schlechte Freundin und Verliererin. Dass die Freunde sich allmählich von ihr distanzieren, kann man verstehen. Gemütliches Plaudern ist einfach nicht drin, wenn man Resi gegenüber sitzt. Immer klagt sie an und sucht nach Konflikten. Und genau diese Kratzbürstigkeit verleiht ihr eine überwältigende Authentizität, die dem Klagen über Ungleichheit das nötige Gewicht verleiht. Resi ist echt und rau. Man muss sich nicht mit ihr anfreunden, aber man muss ihr zuhören, denn ihre Wut und ihre Sprache kommen direkt aus dem Bauch und kümmern sich nicht um Etikette.

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