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Sebastian Riemann
Verfolgungsjagd in literarischen Labyrinthen

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Jun 2019

Ein merkwürdiger Zeitgenosse ist er schon, der Erzähler des Romans. Er jagt einer alten Freundin aus Kindertagen hinterher, versucht sie ausfindig zu machen und an ihrem Leben teilzuhaben, während sie jedoch jeglichen Kontakt zu ihrer Vergangenheit und ihrer alten Heimat abgebrochen hat. Nicht einmal mit ihrer Familie will sie sprechen. Geheimnisvoll ist sie als Person und als Schriftstellerin. Viele wollen ihr auf die Schliche kommen, Hintergründe und Inspirationen für ihre Romane aufdecken. Neben professionellen Journalisten zählt zu den Geheimnisjägern eben jener frühere Freund, mit dem Helga Dahmel, die als Schriftstellerin unter dem Namen Bettine Vondenloh große Erfolge feierte, zur Schule ging. Er will ihr seine Liebe gestehen, aber auch über ihre „dunklen Jahre“ sprechen, von denen in der Öffentlichkeit gar nichts bekannt ist. Er will sie wieder zu einem Teil seines Lebens machen. Aber sie scheint daran kein Interesse zu haben, wie sie überhaupt über Kontakt mit der Außenwelt wenig Begeisterung zeigt.

Mit seinem eigenen Leben ist der Erzähler nicht sonderlich zufrieden. Diesen Eindruck gewinnt man, je länger und verbissener er der Schriftstellerin Vondenloh nachstellt. Er scheint sich viel von einem Treffen mit ihr zu erhoffen. Natürlich hegt er wie jeder Verliebte die Hoffnung auf die Erfüllung seiner Träume. Er glaubt, dass er ihr immer noch sehr nahe ist und eine Verbindung zu ihr aufbauen kann. Der Zauber ihrer kindlichen Freundschaft ist, seiner Meinung nach, noch nicht erloschen. Aber darüber hinaus hat er auch andere Ziele, die mit seiner ehemaligen Schulfreundin in Verbindung stehen. Er selbst ist Schriftsteller, kann aber keine Erfolge vorweisen. In vielerlei Hinsicht versucht er sich als Publizist, bietet verschiedenen Zeitungen seine Dienste an und muss immer wieder mit Ablehnungen vorliebnehmen. Er ist, ganz anders als die Vondenloh, nicht zu Ruhm und Ehre bestimmt. Auch deshalb will er sie ausfindig machen und möglichst viel über ihr geheimnisvolles Leben in Erfahrung bringen. Vielleicht will er ein wenig Ruhm von ihr stehlen, vielleicht in ihrer Gegenwart zum erhabenen Dichter aufblühen. Man weiß es nicht, vielleicht weiß er es selbst nicht.

Fazit:

Warum aus Helga Dahmel die vielbeachtete und ausgezeichnete Schriftstellerin Bettine Vondenloh wird, wieso sie keinen Kontakt zur Heimat in Leinheim und zu ihrem alten Freund möchte, all das wird im sehr unterhaltsamen und herrlich verworrenen Roman von Frank Witzel beschrieben. Dabei entwirft der Autor ein überaus reiches Bild der dörflichen Gesellschaft, aus der die Vondenloh letztendlich flieht. In vielen kleinen Geschichtchen werden absurde Vorgänge im Dorf beschrieben, aber auch die Freundschaft zwischen dem Erzähler und seiner Freundin Helga.

Vondenloh ist ein amüsantes Verwirrspiel und zugleich eine Parodie auf den Literaturbetrieb. Bei seinen Nachforschungen stößt der Erzähler auf prätentiöse und desillusionierte Autoren, die allesamt über ihm, dem erfolglosen Schriftsteller, stehen. Doch wodurch verdienen sie ihre erhöhte Stellung? Diese Frage wird nicht im Sinne des hohen Anspruches der Literatur beantwortet. Vielmehr bezeichnet der Erzähler den Erfolg als „Glück“, von dem er selbst immerzu ausgeschlossen wird. Seine beständigen Versuche, sich Ansehen und Gehör zu verschaffen, scheitern, ebenso wie sein Bestreben, der ehemaligen Freundin wieder nahe zu kommen.

Dieses Frühwerk des preisgekrönten Autors Frank Witzel ist ein besonderer Schatz, der jedem Leser ans Herz gelegt sei. Mit viel Finesse und Erzählfreude führt Witzel sein Publikum auf verschlungene Wege, die oft zu unerwarteten Zielen führen. Dabei unterhält und bezaubert er, zeigt sein besonderes Talent.

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