Schönes Neues England

Erschienen: August 2019

Bibliographische Angaben

Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann (Orig.: Perfidious Albion)

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Carola Krauße
Du bist nur wer, wenn du im Netz gehasst wirst

Buch-Rezension von Carola Krauße Jan 2020

Im Dörfchen Edmundsbury hat sich der Megakonzern Green angesiedelt. Die englische Provinz ist dadurch zum Lebensmittelpunkt vieler hipper Londoner geworden. Aber die scheinbare Zufriedenheit bröckelt: Rechtspopulisten erhalten immer mehr Zuspruch, ein Wohnobjekt soll „entwohnt“ werden, um eine Luxusimmobilie zu schaffen und dann taucht auch noch eine Aktivistengruppe auf, die droht, die digitalen Fußabdrücke der Bewohner zu veröffentlichen. Die Drohung ist real: Denn jeder von ihnen hat Geheimnisse.

Die digitale Welt und Social Media beherrschen die Menschen

„Früher beruhte die Reichweite eines Menschen auf seiner eigenen Anwesenheit. (…) Heute dagegen war es der beste Beweis für Macht und Einfluss, wenn man nirgendwo hingehen musste.“

Den größten Teil des Tages verbringen die Einwohner von Edmundsbury im Netz – entweder als wahre Person oder Avatar. Die realen Identitäten machen angreifbar, die fiktiven garantieren Anonymität, was zu unangemessenen Posts bis hin zu Hassattacken führt. Egal, welche moralischen Entgleisungen kursieren, Hauptsache es wird „traffic“ erzeugt.

„Ein Ereignis wurde erst wirklich real, wenn die üblichen Verdächtigen es kommentiert hatten.“

Macht und Einfluss steigen mit der Anzahl der Kommentare – Masse statt Klasse! Auch das Ansehen ist resonanzabhängig. Man ist nur wer, wenn man im Netz gehasst wird und dann geht es darum, wie sehr man gehasst wird oder: „(…) du bist ein Niemand, solange nicht irgendein anonymer Feigling droht, dich umzubringen“. Doch die scheinbar konsequenzlose Anonymität des Internets kann durchaus Realitäten in der wirklichen Welt schaffen, wobei Jobverlust und Diskreditierung (noch) wahrscheinlicher sind als der Tod.

Die generierten Daten sind die wahre Währung in dieser Welt. Mit ihnen können Existenzen gepuscht oder vernichtet werden, mit ihnen wird Geld verdient, manipuliert und Hintergrundwissen angehäuft, was wiederum gegen die Nutzer verwendet werden kann. Der Mensch ist zur Laborratte im Zeitalter der totalen digitalen Kontrolle mutiert und merkt es nicht einmal, weil er selbst kräftig mitmischt.

Protagonisten bleiben farblos

Nach Idiopathie legt der Brite Sam Byers nun seinen zweiten Roman vor. Diese Dystopie ist sehr komplex gehalten und verlangt dem Leser einiges ab. So findet man erst im Laufe der Lektüre zu den Protagonisten. Zwar bilden sie das Gerüst, auf das die Geschichte aufbaut, doch bleiben sie sehr diffus und weit entfernt von individuellen Charakteren. Es fehlt eine Vorstellung von deren Äußeren, ihre Gefühle sind nur über ihre Kommentare im Netz zu erahnen.

Damit bleiben sie blasse Stellvertreter für eine Gruppe Menschen, digitalen Avataren gleich: die Wissenschaftlerin Jess, der Journalist Robert, die Computerfachfrau Trina, der Politiker Bennington und eine ganze Aktivistengruppe, die Griefes. Indem er den Protagonisten ihre Individualität abspricht, zieht Byers sein Konzept von einer mediengesteuerten Gesellschaft voll durch.

In Edmundsbury tun sich jede Menge Probleme auf, die jede(r) von ihnen auf eine andere Art angeht. Die Art, mit denen sie mit den Problemen der digitalen Welt konfrontiert werden und versuchen, diese zu lösen, macht einen wesentlichen Teil des Buches aus. Leider kommt das Ganze zu einem abrupten und vorhersehbaren Finale.

Fazit

Schönes neues England ist eine komplexe Dystopie, die vor Computerterminologie strotzt und mit erschreckenden Gedankenspielen arbeitet. Dennoch ist es vielmehr ein verstörend langatmiger Roman als die angekündigte „bissige Post-Brexit-Satire“, da man lange braucht, bis die Geschichte in die Gänge kommt.

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