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Sebastian Riemann
Romantik und Aufbruch

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Mai 2019

Der Zeitgeist zur Jahrhundertwende. Als die alte Ordnung zerfallen schien und eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte ihre Geburt feiern wollte. Nichts sollte mehr so sein, wie es zuvor war. Die alten Ideen überholt und verlacht. In intellektuellen Kreisen stößt man vergnügt auf die Ereignisse in Frankreich an, da die Revolution mit der alten Monarchie aufräumt und das Volk endlich selbst Schmied seines Glücks wird. Ein neues Zeitalter bricht an, da sind sich alle sicher. Großes steht bevor. Überall sprießen neue, revolutionäre Ideen. Auch in den deutschen Ländern will man sich am Vorbild der Franzosen orientieren, will Versammlungen einberufen und Republiken ausrufen. Man will sich von Bevormundung und Unterdrückung befreien, will frei denken und handeln. Doch gibt es Widerstand.

Um 1800 ist Jena eine kleine Universitätsstadt mit überraschend viel Potenzial. Große Schriftsteller und junge, erfolgversprechende Philosophen finden sich in der Stadt an der Saale ein, diskutieren über die neuesten Entwicklungen und die scheinbar so nahe Zukunft. Damit machen sie Jena zu einem Zentrum für fortschrittliches Denken, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Das ist durchaus überraschend, sind doch die deutschen Städte und Länder eher provinziell und können sich nicht mit den großen, europäischen Metropolen messen. Aber ausgerechnet Jena soll für kurze Zeit ein Hort neuer Ideen werden.

Peter Neumann befasst sich in seinem Buch mit einem Zeitraum des Übergangs und Aufbruchs in der europäischen Geschichte. Dabei stellt er jedoch nicht die großen Ereignisse – wie den Sturm auf die Bastille oder die politischen Abwehrreaktionen im restliche Europa – in den Vordergrund, sondern konzentriert sich auf die Geschehnisse in Jena, einer eher unscheinbaren Thüringer Universitätsstadt. Jena war zuvor nicht von weltgeschichtlicher Bedeutung und würde es auch danach nicht werden. Aber für einige Jahre diente die kleine Stadt an der Saale als Sammelhort für brillante Schriftsteller und Philosophen, die später durchaus die Geistesgeschichte des Kontinents prägten und sich Ruhm verschafften.

Alles begann mit Goethe und Schiller, die in jener Zeit großen Einfluss auf das kulturelle Leben in Weimar und Jena hatten. Die beiden Dichter vollbrachten nicht nur das Kunststück, der neuen deutschen Literatur zu allgemeiner Anerkennung zu verhelfen, sie halfen auch der Entwicklung der deutsche Philosophie auf die Sprünge. Goethe machte sich für Fichte stark, damit dieser an der Universität in Jena unterrichtete. Ein mutiger Vordenker, der sich offen zu den Idealen der französischen Republik bekannte und die Gedanken Immanuel Kants weiter vorantrieb. Ein Genie, das schnell aneckte und allerhand Missmut verursachte, sich schließlich aus Jena verabschieden musste, da er den Herrscher gegen sich aufbrachte. Später kamen auch Schelling und Hegel. Ebenso wichtige Denker für die Entwicklung im Land.

Natürlich wurden auch viele Schriftsteller vom geistigen Leben in Jena angezogen. Man hatte dort die Möglichkeit dem Großmeister Goethe zu begegnen. Er arbeitete mit Schiller an dessen Theaterstücken, die in Weimar aufgeführt wurden. Außerdem wurde die Allgemeine Literatur-Zeitung in Jena herausgegeben. Sie urteilte über die aufblühende Literaturlandschaft, lobte und kritisierte die Werke der jungen, aufstrebenden Schriftsteller. Ein auflagenstarkes Blatt mit viel Einfluss.
In Jena konnten die Dichter in geselliger Runde mit namhaften Philosophen und Publizisten zusammensitzen, sich austauschen und inspirieren lassen. Tieck, Schlegel und Novalis verkehrten dort, sie schufen Meisterwerke der deutschen Romantik und arbeiteten an ihrer Theorie zur Universalpoesie.

Um das Jahr 1800 war Jena also ein Inkubator für das moderne Denken. Während in Frankreich die Revolution gescheitert war und Napoleon sich zum Alleinherrscher gekrönt hatte, wurden in Thüringen neue Ideen entwickelt. Zumindest für eine kurze Zeit. Denn die geistige Blüte an der Saale wehrte nicht allzu lang. Die Herrscher der deutschen Lande fürchteten die neuen Entwicklungen und unterdrückten demokratische Tendenzen. Bald erlosch das geistige Aufbegehren in Jena, die Philosophen und Schriftsteller verließen die Stadt, um andernorts Anstellungen und Entfaltungsmöglichkeiten für ihre Ideen zu finden.

Für einige Jahre war in Jena alles möglich. Doch dann zerschlugen sich die Freundschaften, trennten sich die Wege und der neue Geist hielt nicht Einzug in den deutschen Ländern. Jena konnte sein großes Potenzial nicht verwirklichen. Die euphorische Stimmung jener Zeit wird jedoch nicht vergessen, da sie in Peter Neumanns Buch wunderbar eingefangen und zum Leben gebracht wurde.

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