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Sebastian Riemann
Die Jungen und die Alten kämpfen um ihre Freiheit

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Mär 2019

Jannik wird von seinen Mitschülern meistens nur Fetti genannt. Er hat Übergewicht und ist nicht sonderlich schlagfertig, deshalb fällt es vielen leicht, sich über ihn lustig zu machen. In der Regel lässt er es einfach über sich ergehen, versucht dem Ganzen wenig Bedeutung zu schenken. Etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig. Es scheint seine Rolle zu sein, die ihm zugewiesen wird. Selbst daheim macht sich der Vater manchmal über seinen zurückhaltenden und vollleibigen Sohn lustig. Ihm fehle es an Training und an Ehrgeiz. Kein Wunder, dass aus ihm nichts werde. Er verbringe seine gesamte Zeit mit dem Hören von klassischer Musik, anstatt an sich zu arbeiten und sich in einen echten Mann zu verwandeln. Jannik bleibt stets stumm, wenn er derartige Kommentare hört, er weiß nicht, was er antworten soll. Er will seinen Vater nicht enttäuschen, aber er weiß auch, dass er den Anforderungen nicht entsprechen kann. Deshalb ist es für ihn auch unvorstellbar, sich zuhause zu offenbaren und den Eltern zu erklären, dass er schwul und in seinen Klassenkameraden Tai verliebt ist.

Hänseleien in der Schule sind für Jannik und Tai eigentlich die größten Probleme in ihren jungen Leben. Dann aber wird alles auf den Kopf gestellt. Die Harmlosigkeit ihrer jugendlichen Existenz verschwindet in einem sonderbaren Zufall und einem folgenschweren Entschluss.
Die beiden Jungen werden Zeuge, wie ihr Schuldrektor sturzbetrunken durch Berlin Mitte torkelt und sich kaum auf den Beinen halten kann. Tai hat wie immer seine Kamera dabei und filmt alles, ohne dass der Rektor etwas bemerkt. Die Jungen verstecken sich im Gebüsch und beobachten das peinliche Verhalten des Mannes, der ihre Schule leitet und stets ein Vorbild sein soll. Das ganze ist unglaublich lustig und skandalös. Mit den Videoaufnahmen werden sie den Rektor erpressen können, wenn sie wollen. Alle möglichen Zugeständnisse können sie von ihm verlangen, nur damit sie die Beweise seiner Unbeherrschtheit nicht öffentlich machen. Aber Tai hat noch weiterreichende Pläne mit dem Mann. Er verfolgt ihn bis zu seinem Haus und hilft ihm hinauf in seine moderne Wohnung, die einen spektakulären Blick über das historische Zentrum Berlins bietet und nur mittels eines speziellen Schlüssels geöffnet und geschlossen werden kann. Es ist eine besonders sichere und isolierte Wohnung, die der Rektor für viel Geld mietet. Dann lassen die Jungen den Betrunkenen zurück, nehmen aber sein Telefon und die Schlüssel mit. Damit ist der Rektor in seiner Wohnung eingesperrt und kann sich nicht mit der Außenwelt in Verbindung setzen. Er wird in seinen eigenen vier Wänden gefangen gehalten.

Der Grund für die Einsperrung des Rektors hat mit einer tödlichen Tragödie in der Schule zu tun, bei der sich der Schulleiter und ein befreundeter Lehrer schuldig machten, und mit der Familiengeschichte Tais. Dieser musste in jungen Jahre mit ansehen, wie sein Vater in aller Öffentlichkeit Opfer eines rassistischen Übergriffs in Berlin wurde und niemand einschritt, um ihm zu helfen. Die Leute zogen es vor wegzusehen und den Mann aus Asien seinem Schicksal zu überlassen. Später machte es sich Tai zur Gewohnheit, seine Umgebung stets mit der Videokamera aufzuzeichnen. Er wollte das Ignorieren und Verschweigen bekämpfen.

Axel Ranisch bringt in seinem sehr unterhaltsamen Debütroman mehrere Persönlichkeiten zusammen, die eine wunderbare und explosive Mischung ergeben. Die beiden Jungen sind grundverschieden, haben mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen und ergänzen sich bestens in ihren Verhaltensweisen, so dass der Leser stets zwischen ihnen hin und her gerissen ist, nicht wissend, wie es mit ihnen weitergehen wird. Der Rektor ist ein erfolgshungriger Mann, der infolge seiner Einsperrung immer reumütiger auf sein bisheriges Leben, auf seine Niederlagen und Siege, zurückblickt. Er zerbricht langsam und zeigt sein Inneres.

Lebendig und authentisch sind die Figuren des Romans, da sie stets kontrovers und dynamisch dargestellt werden. Das fängt mit dem schüchternen Jannik an, der sich langsam dazu durchringt, seine Neigungen offen zu zeigen und sie nicht weiterhin zu verstecken. Aber auch Tai, der im Gegensatz zu Jannik selbstsicher und furchtlos auftritt, erfährt im Verlauf der Handlung eine Wandlung, wird zu einer realen Person, mit der man sich auseinandersetzen kann. Gleiches gilt für den Rektor, der zuerst als verdientes Opfer der beiden Jungen erscheint, im Verlauf der Lektüre aber zu einem durchaus bemitleidenswerten Mann wird, der unter vielerlei Ungerechtigkeiten zu leiden hat.

Fazit:

Packend und unterhaltsam: Ranisch ist es gelungen, Spannung zu erzeugen und alles mit genügend Humor zu erzählen. Man staunt und lacht bei der Lektüre, fühlt mit den Romanfiguren. Nackt über Berlin ist eine höchst erfreuliche Entdeckung.

 

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