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Carola Krauße
Wenn die Vergangenheit dich einholt

Buch-Rezension von Carola Krauße Mär 2019

Barbara, Ende 40, ist Künstlerin, alleinerziehende Mutter eines 15-jährigen Sohnes und lebt in Berlin. Gerade arbeitslos geworden, wird nicht nur das Geld knapp, sondern auch der Sinn in ihrem Leben. Da kommt die Reise in ihre norddeutsche Heimatstadt gerade recht, auch wenn diese notgedrungen ist. Barbaras Vater liegt nach einem Schlaganfall im Koma und wird wahrscheinlich sterben. Nach vielen Jahren zurück in ihrem völlig vermüllten Elternhaus stellt sie fest, dass der Vater unter unhaltbaren Zuständen lebte und auch das Wiedersehen mit ihrem Bruder Kristian ist ernüchternd. Der Tierarzt arbeitet für einen Geflügelgroßmäster, träumt vom eigenen idyllischen Hof und ist unfähig engere Beziehungen einzugehen. Lediglich das Auffrischen alter Freundschaften lässt Brigitte aufleben. Als dann aber ihr Sohn Tore spurlos verschwindet, ist klar, dass längst vergessen geglaubte alte Wunden und Geheimnisse wieder aufgebrochen sind und nun das Leben von Tore bedrohen.

Bis jetzt war Mechthild Lanfermann vor allem durch ihre Krimis bekannt, doch mit „Trügerischer Sommer“ ist ihr ein beeindruckender Roman gelungen. Ausdrucksstark zerpflückt sie die Kleinstadtidylle mit ihren adretten Häusern, den gestutzten Hecken und nachbarschaftlichen Grillpartys. Gut gehütete Geheimnisse werden ans Licht gezerrt, alte Wunden wieder aufgerissen, neue Wahrheiten geschaffen, tief sitzende Vorurteile ausgelebt  – kurz - die Fassaden bröckeln. Das alte Gefüge zwischen den Menschen beginnt sich immer mehr aufzulösen.

Das alles packt die Autorin in eine Familiengeschichte, die alles andere als harmonisch ist. Die Mutter schwer depressiv, der Vater ein Tyrann, der die Gräuel des Krieges nicht vergessen kann, die Kinder zwischen den Fronten. Hier leidet jeder auf seine Art und jeder sucht für sich einen Ausweg. Doch keiner schafft ihn wirklich. Alles ist vielmehr eine Flucht als eine Lösung.

Und dann kommt es zur Katastrophe, die Auswirkungen auf ewige Zeiten für alle hat, auch auf Barbara und ihren Sohn Tore.

Nicht nur die Protagonisten, sondern alle Handelnden sind so eingängig geschildert, dass sie, jeder für sich, Charaktere sind, die entweder Sympathie oder auch Abscheu beim Leser hervorrufen. Hier gibt es den ewigen Ausländer, der nach Anerkennung lechzt ebenso wie die frustrierte Hausfrau, die kriminellen Jugendlichen oder den Schwulen, der sich in der kleinbürgerlichen Stadt nicht zu outen wagt. Und natürlich Barbara und Tore, die sich in einer völlig anderen Welt als Berlin zurecht finden müssen. Gerade Tore versucht einen Platz in dem vorhandenen Beziehungsgefüge zu finden, was nicht einfach ist. Er wird nicht nur aus seinem angestammten Umfeld gerissen, sondern wird mit Familiengeheimnissen konfrontiert, die ihn schwer beschäftigen.

Fazit:

Die Mischung aus Familienroman und Krimi ist Mechthild Lanfermann in jeder Hinsicht gelungen. Von Anfang an spannend und mit einem überraschenden und krachenden Ende zeigt sie mit dem Finger auf Spießbürgerlichkeit und das fehlende Vertrauen in Familien, das Wunden erzeugt, die für immer schwelen und einmal wieder aufgerissen, jeden in den Abgrund reißen können. Zum Schluss gibt es eigentlich nur Verlierer.

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