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Lea Gerstenberger
Wenn Gegenstände Erinnerungen tragen

Buch-Rezension von Lea Gerstenberger Feb 2019

Zwei völlig verschiedene Frauenleben, die auf tragische Weise zusammenhängen, werden in „Das Gewicht eines Pianos“ abgebildet. Katya entdeckt im Russland der Sechzigerjahre als junges Mädchen ihre Liebe zur Musik. Von dem verschlossenen alten Nachbarn, dem man eine SS-Vergangenheit nachsagt und dessen Klavierspiel sie jede Nacht gelauscht hat, erbt sie ein wertvolles Blüthner. Später, vor den bescheidenen Lebensverhältnissen in die USA geflohen und von Heimweh und familiären Streitigkeiten geplagt, wird das Instrument für sie das einzige wahre Glück und gleichzeitig das größte Verhängnis.

Auch Clara, die als Automechanikerin in der Nähe von L.A. lebt und von einer unglücklichen Beziehung in die nächste stolpert, hat ein Blüthner geerbt. Sie kann es gar nicht spielen, aber es ist die einzige Verbindung zu ihrem Vater, der mit ihrer Mutter bei einem Brand ums Leben kam. Bei dem impulsiven Versuch, es zu verkaufen und die düstere Erinnerung loszuwerden (eine Entscheidung, die sie schnell rückgängig macht) lernt sie Greg kennen, der ebenfalls großes Interesse an dem Klavier hat und ihr die Erlaubnis abringt, es für ein Fotoprojekt im Death Valley auszuleihen. Clara, die erkannt hat, wie sehr sie an dem Blüthner hängt, schließt sich der ungewöhnlichen Reise an. Dabei lernt sie nicht nur den abweisenden und gleichzeitig verletzlichen Greg besser kennen, sondern wird auch mit ihrer eigenen Familiengeschichte konfrontiert.

Als dritten Protagonisten könnte man das Blüthner selbst nennen, welches die Schicksale von Katya und Clara über Raum und Zeit hinweg verbindet und zum Dreh- und Angelpunkt der Handlung wird. Der Titel des Romans ist dabei in vielerlei Hinsicht sinngebend. Chris Cander verhandelt anhand des Pianos nicht nur die großen emotionalen Themen wie Heimatverlust, die Sehnsucht nach Geborgenheit und die Suche nach sich selbst, sondern auch die Frage, wie stark Menschen ihre Erinnerungen an Objekte knüpfen. Wie viel ein Gegenstand transportieren kann, wird am Blüthner mehr als deutlich. Gleichzeitig wird zur Diskussion gestellt, ob es nicht besser sein kann, all das irgendwann loszulassen.

Wie die beiden Familien und ihre Geschichten zusammenhängen, entfaltet die Autorin nach und nach, mittels Rückblenden und Zeitsprüngen. Durcheinander kommt man dabei nicht, und es macht Spaß, die Hintergründe zu enträtseln, während man Clara und Greg auf ihrem Roadtrip durch das Death Valley begleitet. Teilweise fiel es mir allerdings schwer, mich in die Figuren hineinzuversetzen und ihre Handlungen nachzuvollziehen – die Emotionen von Katya und Clara waren mir nicht immer zugänglich. Dazu beigetragen haben die etwas hölzernen Dialoge und Beschreibungen, denen es bisweilen an Dynamik fehlt. Was die schöne Geschichte an Tiefgang beinhaltet, gibt die Sprache nicht ganz her.

Dennoch habe ich den Roman gerne gelesen. Chris Cander macht darin deutlich, dass materielle Sicherheit kein Garant für Glück ist, sondern dass dieses aus einem selbst heraus erwachsen muss. Manchmal, so die Lehre der Geschichte, muss man dafür den Mut aufbringen, Entscheidungen zu treffen, bevor es zu spät ist. Die Thematik, die durchaus zum Nachdenken anregt, und das Klavier als stummer Protagonist machen „Das Gewicht eines Pianos“ besonders, und die runde Geschichte tröstet über einige stilistische Schwächen und das ein wenig kitschig geratene Ende hinweg.

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