Willow in Deutschland

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 2018, Seiten: 224, Originalsprache

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Julian Hübecker
Zudem wird mir schwindelig, ich drohe umzufallen, halte mich an einer Laterne fest, bis mir glücklicherweise einfällt, dass dieser Organismus Sauerstoff benötigt, dass ich atmen muss.

Buch-Rezension von Julian Hübecker Nov 2018

Viel gibt es über Willow nicht zu sagen: er ist ein Außerirdischer, nach eigenen Angaben klug, schön, gewissenhaft und wagemutig, steckt aber nun im Körper eines äußerst durchschnittlichen Menschen – eines Mängelexemplars. In diesem Zustand tritt er für ein Jahr seine Mission an: die Menschheit in Deutschland zu beobachten und zu studieren. Klar, dass er auf einige merkwürdige Eigenheiten trifft und diese prompt ausprobieren muss. So halten sich viele Deutsche ein Haustier, weshalb er sich gleich einen Hund zulegt. Dumm nur, dass dieser bei Aufregung einen epileptischen Anfall erleidet. Oder dass Menschen anfällig für Krankheiten sind und vor allem Männer dann stark leiden – etwas, das er am eigenen Leib erfahren muss, als er sich erkältet und schlussfolgert, es sei bald um ihn geschehen.

„Habe, um unser Kollegenverständnis mal ein wenig aufzupäppeln, Jörg Kapielski gefragt, was er für Hobbys hat. Excel und Darmspiegelung, hat er gesagt. Beides nicht so meins.“

Diese Liste lässt sich weiter ausbauen, denn mit jeder alltäglichen Begebenheit wird Willow mit neuen Unbekannten konfrontiert. Dabei ist es egal, ob es nun die Reaktionen „echter“ Menschen auf Willows Verhalten sind oder aber seine Gedankengänge – es ist einfach nur urkomisch. Komplettiert werden die Abschnitte, die sich wie Tagebucheinträge lesen und oftmals nur wenige Absätze lang sind, durch Fotos, welche den jeweiligen Monat einleiten. Diese zwölf Bilder zeigen Willows menschliche Hülle (die allein schon eine Topbesetzung ist) in den alltäglichsten Situationen – ob im Büro, auf einem Pferd oder am Strand, immer muss man darüber schmunzeln.

„War heute Juror. Habe den schönsten Promi-Look auf Spiegel Online gekürt. Diese Macht hat etwas Berauschendes an sich.“

Dieses Buch lebt einfach davon, aus etwas Banalem jeden noch so versteckten Witz hervor zu kitzeln. Diese Fähigkeit des Autors hat eine originelle Entdeckungsreise eines Außerirdischen geschaffen, jedoch mit Sicherheit noch nicht sein volles Können ausgeschöpft. Zwischendurch hat dann doch der ein oder andere Lacher gefehlt, wurden Chancen vertan. Doch das ist absolut zu verschmerzen, da Stefan Rensch nicht nur Selbstironie zulässt (wie man an seiner Autorenbeschreibung erkennt), sondern auch manchmal in schwarzen Humor abdriftet, ohne darin unterzugehen.

Am 31. Dezember gibt es schlussendlich einen Hinweis darauf, dass Willows nächste Reise in England spielen könnte – bitte, bitte!

Fazit:

Originell, skurril und komisch, ein Buch zum Kaputtlachen. Für alle geeignet, die einen Humor lieben, der sowohl scharfzüngig, ironisch und schwarz ist!

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