Das Versprechen, dich zu finden

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • New York: Doubleday, 2018, Titel: 'Meet Me at the Museum', Seiten: 224, Originalsprache

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86

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Monika Wenger

Buch-Rezension von Monika Wenger Nov 2018

Plötzlich stellt man fest, dass das Leben an einem vorbei gegangen bzw. verflogen ist und keiner der Träume und Pläne realisiert wurde. Irgendwie ist man alt geworden und doch ist die Fragestellung dieselbe wie Jahre zuvor: wer bin ich und was möchte ich. Waren die gefällten Entscheidungen die richtigen? Hätten die Weichen zu einem Zeitpunkt anders gestellt werden können? Ist es zu spät für Veränderungen, für einen Kurswechsel, mit über sechzig Jahren?

Der Debütroman der siebzigjährigen Autorin Anne Youngson erzählt eindrücklich und feinfühlig den Briefwechsel zwischen Tina und Anders. Die beiden kennen sich nicht. Weil Tina einen Brief an den Professor schreibt, welcher vor über fünfzig Jahren ein Buch über eine dänische Moorleiche verfasst hat und Anders an seiner Stelle antwortet, entwickelt sich nach und nach ein intensiver Briefwechsel.

In jungen Jahren waren Tina und ihre Freundin Bella fasziniert vom Tollund-Mann. Die über zweitausend jährige dänische Moorleiche. Damals, als junge Mädchen, wie auch später als Erwachsene nahmen sie sich immer wieder vor, nach Dänemark zu reisen und sich diesen Mann aus dem Moor, den Tollund-Mann, anzusehen. Die Zeit verging und das Vorhaben wurde stets verschoben. Das Leben kam dazwischen. Nun ist Bella nicht mehr da und Tina erinnert sich an die Pläne und Träume aus jener Zeit. Über fünfzig Jahre später schreibt sie nun dem Professor des Museums einen Brief. In diesem greift sie Gedanken zum Leben auf und stellt Fragen zu Professor Glob‘s Erkenntnissen in Bezug auf das Leben.
Wie sich herausstellt, lebt der Professor nicht mehr. An seiner statt antwortet der Kurator auf Tina’s Brief. Das ist der Anfang eines wunderbaren, geistreichen Briefwechsels. Immer intensiver und persönlicher werden Gedanken und Erfahrungen ausgetauscht. Immer vertrauter werden sich Tina und Anders, obwohl sie sich noch nie begegnet sind. Sie stellen mit grosser Freude fest, dass sie über dieselben Fragen nachdenken. Dass ihre Wertvorstellungen übereinstimmen. Ungeduldig werden die jeweiligen Antworten erwartet. Nach wie vor geht Tina davon aus, dass sie irgendwann einmal nach Dänemark zum Tollund-Mann reisen wird. Nur wann, das bleibt die Frage.

Der Autorin ist es gelungen, in dieser Geschichte die jeweiligen Leben der beiden Briefeschreiber in feinen Worten aufzuzeigen. Tina, festgefahren im täglichen Einerlei als englische Farmersfrau stellt sich immer wieder die Frage, ob das alles war, ob sie irgendwann einmal die Weichen in ihrem Leben hätte anders stellen können. Anders, der dänische Kurator, welcher nach dem Tod seiner Frau für sich keine Zukunft sieht, lebt zurückgezogen und für seine Arbeit. Die Schreibenden stellen durch den Briefwechsel fest, dass es da jemanden gibt, der sich die gleichen Gedanken über das Leben macht. Erst zaghaft und dann immer persönlicher werden die Gedankengänge formuliert. Gross ist die Freude, dass es jemanden gibt, der versteht. Beruhigend die gemeinsame Erkenntnis und die Bestätigung, dass in ihren Leben die Zeit nicht verschwendet wurde. Auch wenn einiges anders hätte laufen können. Wie schön es ist, das Wissen zu teilen, dass es ist wie es ist und dass das so gut ist. Wunderbar zu lesen. Herrlich zu spüren, wie das Verbundenheitsgefühl zwischen Tina und Anders mit jedem Brief wächst. Purer Lesegenuss!

„Das Versprechen, dich zu finden“ ist der Debütroman der siebzigjährigen Anne Youngson. Nachdem sie in Frührente ging, begann sie als Beraterin für Schulen zu arbeiten. Sie studierte kreatives Schreiben und verfasste einige Sachbücher. Momentan macht Anne Youngson ihren Doktor an der Oxford Brookes University.

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Letzte Kommentare:
01.03.2019 23:54:52
Sagota

"Das Versprechen, dich zu finden" von Anne Youngson erschien 2018 (HC, gebunden) im HarperCollins Verlag Germany (O-Titel "Meet Me at the Museum", was ich hier viel treffender finde) und wurde von Wibke Kuhn vom Englischen ins Deutsche übersetzt.

Es handelt sich um den Debutroman der englischen Autorin, deren Lebenslauf mich ebenso sehr beeindrucken konnte wie ihr außergewöhnlicher, sensibler, emotionaler und tiefgehender Roman, der über gewählte Lebenswege in der Weise erzählt, dass er "Porträts in Worten" gleicht: Für mich das erste Lesehighligt 2019! (Trotz voller Punktezahl kleine Kritik an den Verlag, die nichts mit dem Inhalt des Romans zu tun hat: Weder Cover noch Titel passen sonderlich gut zu diesem unglaublich schönen und wundervoll geschriebenen Roman).

Die "Schlüsselfigur" dieses Romans in Briefform ist der Tollund-Mann; eine über 2000 Jahre alte Moorleiche, die ihren gewaltsamen Tod fand und erst in den 1950er Jahren in Dänemark entdeckt wurde: Der Brief von Tina Hopgood an den Direktor des Museums, in dem der Tollund-Mann zu sehen ist und der ein Buch über ihn schrieb, kommt nicht bei dem Verfasser des Sachbuchs, einem Prof. Glob an, sondern beim Kurator des Museums: Anders Larsen. Das Interesse Tinas, inzwischen Anfang 60, gründet darauf, den Tollund-Mann, der sie durch seinen Gesichtsausdruck seit Jugendzeiten sehr beeindruckt hat, gerne einmal persönlich sehen zu wollen. Dieser Gedanke kam ihr bereits zu Schulzeiten und sie beschloss damals gemeinsam mit einer inzwischen verstorbenen Freundin, sich von England aus (sie ist inzwischen Farmersfrau in Bury St. Edmonds/Suffolk) auf die Reise von Silkeborg in Dänemark zu begeben - leider ist dieser Plan nie in die Tat umgesetzt worden...

Durch diese nie angetretene Reise beginnt eine Brieffreundschaft zwischen dem Kurator, Anders - und Tina, die nach und nach sehr persönliche Formen annimmt und deren Inhalte für den Leser einen Genuss und eine Bereicherung darstellen: Beide leben vollkommen unterschiedliche Leben, stellen jedoch fest, dass beide in einer Phase sind, darüber zu reflektieren, "was gewesen wäre, wenn...." sie andere Optionen gewählt hätten, andere Lebenspläne, ja gar Lebensträume verwirklicht hätten. Sie stellen fest, dass jeder an "so mancher Himbeere, die zu pflücken gewesen wäre", vorbeiging - und so manches Farnblatt, das sich gerade entrollte, von ihnen übersehen wurde: Diese Metaphern für Verpasstes, das eventuell doch noch nachgeholt werden kann, empfand ich als grandios. Der Schreibstil der Autorin, der sehr gefühlvoll und warmherzig, aber niemals ins Triviale oder Seichte abgleitet, hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonisten waren mir beide überaus sympathisch und besonders die Ehrlichkeit in ihren Briefen, das "genaue Hinhören", denn Briefe sind immer auch Einladungen zum Gespräch, das Zurate ziehen der Meinung des jeweils anderen in bestimmten Lebenssituationen war einfach nur schön - und eben sehr hart an der Lebensrealität - zu lesen.

Über den Inhalt möchte ich nicht viel verraten, denn Tina und Anders haben es verdient, von vielen LeserInnen selbst entdeckt zu werden: Eine Vielzahl wundervoller Sätze, die auch einer gewissen Lebensreife entspringen, wandern in mein "Buch der schönsten Sätze". Sicher hat mich dieser Roman auch überzeugen können, da ich einen engen Bezug zum Schreiben von Briefen habe (ich schreibe selbst sehr gern) - und eben im gleichen Lebensalter bin wie Tina und Anders. Es geht um Freundschaft, um Vertrauen und um die Thematik, dass es im Grunde immer möglich ist, sein Leben zu ändern - und auch neu anzufangen, da "nichts in Stein gemeißelt" ist. Diese (wahre) Botschaft des Romans finde ich sehr positiv - und auch ermutigend.

Fazit:

Ein literarisches Kleinod und für mich ein Lesehighlight 2019. Ein Roman in Briefen mit zwei wundervollen, authentischen Menschen, die eine briefliche Freundschaft mehr und mehr intensivieren und sich immer mehr annähern: Wer weiß, vielleicht treffen sie sich am Ende ja wirklich "am Museum" - um sich gemeinsam die Geheimnisse des Tollund-Mannes anzusehen?
Mit einem Chapeau für Anne Youngson für Inhalt und Schreibstil vergebe ich 5* und eine klare Leseempfehlung!