Die Polizisten

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2018, Seiten: 192, Übersetzt: Amelie Thoma
  • Paris: Pocket, 2017, Titel: 'Police', Originalsprache

Couch-Wertung:

54

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

4 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:93.75
V:3
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":3,"94":0,"95":0,"96":1,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Julian Hübecker
Morgens beim Anziehen wählt er seine Unterhose mit dem Gedanken aus, dass er, sollte er heute dran glauben müssen, im Leichenschauhaus, auf dem Obduktionstisch eine gute Figur machen möchte

Buch-Rezension von Julian Hübecker Okt 2018

Was bedeutet es, in der heutigen Zeit Polizist zu sein? In den letzten Jahren haben sie immer mehr Respekt eingebüßt, doch dabei vergisst man leicht, unter wieviel Druck Ordnungshüter stehen. Hugo Boris‘ kleiner Roman „Die Polizisten“ soll zur Raison bringen und einen Einblick darin geben, was es heißt, diesen Beruf in Zeiten von Flüchtlingskrisen und politischen Unsicherheiten auszuüben.

Ein gesellschaftlicher Konflikt der Gegenwart aus der Sicht dreier Polizisten

Virginie, Aristide und Érik sind Polizisten von unterschiedlichem Schlag: während der ältere Érik vom alten Schlag ist, der die Regeln aufs Genaueste befolgt, ist Aristide eher von der lockeren Sorte. Er hat stets einen flotten Spruch auf den Lippen und lässt auch gerne mal das Alphamännchen heraushängen. Doch wenn es zum Einsatz kommt, behält er stets einen kühlen Kopf. Virginie kommt gerade aus dem Mutterschutz, möchte aber gleich wieder an die Front. Sie steckt voller Ideale, die, wie sie bald feststellen muss, jedoch oftmals nicht mit dem Beruf vereinbar sind. Plötzlich werden die drei bei einem gemeinsamen Einsatz ihrem Gewissen ausgesetzt, woraus sich unterschiedliche Konfliktpotenziale entwickeln.

Boris konfrontiert den Leser mit den zwei Seiten eines Polizisten: dem Pflichtgefühl, das der Beruf mit sich bringt, sowie mit dem Privatmenschen, der von eigenen Sorgen und Gedanken geplagt wird. Was passiert, wenn beide Seiten kollidieren?

Als die drei zu einem Sondereinsatz gerufen werden, ändern sich ihre Einstellungen schlagartig; sie sollen einen Flüchtling zum nächstgelegenen Flughafen transferieren, damit dieser in sein Heimatland Tadschikistan ausgewiesen werden kann. Das Problem: Betritt er seine Heimat, ist sein Tod gewiss, da er für viele einflussreiche Menschen dort eine Gefahr darstellt. Die Fahrt zum Flughafen wird zum Spießrutenlauf an Gewissenskonflikten und beginnt mit der Frage: wann zählt das Pflichtdenken und wann wird es vom moralischen Anspruch abgelöst?

Ein diskussionswürdiger Roman, dem ein lockerer Umgangston fehlt

Es gibt zurzeit wohl kaum ein kontroverseres Thema, als das um die unzähligen Flüchtlinge, die in Europa auf ein besseres Leben hoffen. Obwohl das Buch in Frankreich spielt, ist es wohl dennoch auf jedes andere Land in Europa übertragbar. Es ist ein Thema, das Gesellschaft und Politik spaltet. Und obwohl es eine Problematik ist, über die viel diskutiert wird, wird vergessen, dass es immer noch Menschen sind, über deren Schicksal entschieden wird. Es ist wichtig, diesen Menschen eine Stimme zu geben, doch hat sich der Autor dagegen entschieden – stattdessen gibt er den Polizisten die Chance, gehört zu werden. Hugo Boris hält dies sogar so radikal, dass der Flüchtling, meist nur als „der Tadschike“ bezeichnet, so gut wie gar nicht zu Wort kommt. Stattdessen hängt der Leser den Gedanken der Polizisten nach, die mit sich und ihren Überzeugungen hadern. Was nach einer interessanten Idee klingt, ist in der Umsetzung jedoch nur halb geglückt. Der Schreibstil ist durchaus anspruchsvoll, da es ein Roman ist, der viel zwischen den Zeilen zu lesen verlangt. Doch um das Ausmaß der inneren Kämpfe und die Zerrissenheit vollends verstehen zu können, reicht dies leider nicht aus. Die Emotionen erscheinen zu wandelbar, zu plötzlich, anstatt dass diese sich situationsgemäß entwickeln.

Dabei wirkt der Roman von vorne bis hinten nur halb durchgegart – ob es nun die persönlichen Probleme der drei Akteure sind, die sich um Beziehungen und Verantwortung drehen, oder das Schicksal des Tadschiken. Ja, der Leser darf sich seine eigene Vorstellung davon machen, wie das alles zusammenpasst; vielleicht auch davon, wie die Zukunft in Europa rund um die Flüchtlinge weitergeht – denn das Schicksal des Einzelnen kann getrost auf die Krise im Ganzen übertragen werden: auf den unvermeidlichen, schockierenden Aufstieg des Rechtspopulismus. Dennoch erwartet man als Leser einen gewissen Grad an Genugtuung, einen Hoffnungsschimmer darauf, dass das derzeitige System nicht nur Lücken aufweist, sondern dass es auch Alternativen gibt – das hat der Autor leider verpasst.

Fazit:

Es ist ein Buch, das sehr viele Fragen offenlässt und sich gut für eine anschließende Diskussion eignet. Wer jedoch ein klareres Statement erwartet, der wird in diesem Buch keine Erlösung finden, sondern sich fragen müssen „Ist es wirklich notwendig, so mit Menschenschicksalen umzugehen?“

Deine Meinung zu »Die Polizisten«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
11.03.2020 15:44:19
Christian Döring

Drei französische Polizisten fahren zum Flughafen. Mit im Auto sitzt ein junger Tadschike. Der soll abgeschoben
werden. In seiner Heimat wurde er gefoltert, dann ist er nach Frankreich geflüchtet und nun in dieser Nacht
soll er mit einem Flugzeug in die Türkei gebracht werden um dann weiter in sein Heimatland abgeschoben
zu werden, wo womöglich der Tod auf ihn wartet.

Virginie ist die einzige Frau der drei Beamten. Den Umschlag, den sie am Flughafen den Beamten übergeben
soll, den hat sie nicht zu öffnen. Und dennoch liest sie was in den Papieren steht und bekommt mit dem jungen
Mann Mitleid. Mit ihrem Kollegen Aristide hat sie gerade eine Affäre, wird er ihr helfen dem jungen Tadschiken
die Flucht zu ermöglichen? Und was wird der dritte Polizist, der vorschriftstreue Erik dazu sagen?

Es ist eine Geschichte die sich schnell wegliest und die zeigt, wie Polizisten bei ihren Einsätzen, völlig egal um
was für einen Einsatz es sich gerade handelt und in welchem Land die Geschichte spielt, mitunter selbst an
seelische Grenzen gelangen.

Wir alle rufen gern die Polizei wenn es mal brenzlig wird. Wir wollen uns in jedem Fall auf sie verlassen können,
aber manchmal haben sie Einsätze durchzuführen, die ihnen nicht leicht fallen. Was ist dann besser, einfach das
Gewissen auszuschalten?

Eine spannende Geschichte!

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

zur Film-Kritik