Im Sommer

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Norstedts, 2017, Titel: 'Om sommeren', Originalsprache
  • München: Luchterhand, 2018, Seiten: 496

Couch-Wertung:

82

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Julian Hübecker
Vielfalt persönlicher Einsichten und Gedanken zur warmen Jahreszeit

Buch-Rezension von Julian Hübecker Sep 2018

Einleitung:

Ein lebensbejahendes Werk, das Karl Ove Knausgard aus Liebe zu seinen Kindern und der Einfachheit sowie der Komplexität des Lebens schrieb. Es beeindruckt vor allem durch seine Vielfalt an Eindrücken und Facetten von Dingen, die den Alltag betreffen.

Wertung:

Knausgards „Im Sommer“ ist der letzte Band der Tetralogie um die vier Jahreszeiten. In jedem dieser Bücher widmet er sich den drei Monaten, hier also dem Juni, Juli und dem August. Damit schafft der Autor etwas Individuelles, da es weder als Roman oder Essay noch als Erzählung oder Vergleichbares definiert werden kann. Es wird philosophiert, geträumt, erzählt, erinnert, manchmal auch nur dahin geschwafelt, und dann wiederum einfach beobachtet und schließlich detailreich charakterisiert.

Er nimmt sich Zeit, das Gewöhnliche und Ungewöhnliche zu beschreiben und das Besondere hervorzuheben: seien es „Kastanienbäume“, „Die Fledermaus“, „Fahrrad“ oder „Eier“ – zu allem weiß er was zu erzählen, ob es nun unmittelbar mit ihm zu tun hat oder nicht. Es ist eine Irrfahrt seiner Gedanken, daher nicht für jeden nachzuvollziehen, aber ebenso hinzunehmen. Bei manchen Beschreibungen kommt der Aha-Moment und man muss unwillkürlich nicken – „ja, so hätte ich es auch ausgedrückt“. Dann wiederum ist es zu abstrakt, zu eigen, zu persönlich, um die Sichtweise dahinter zu verstehen.

Noch wirrer kann es dann in den Tagebuch-Einträgen werden, die persönlicher sind. Eine gewisse Struktur geht verloren, da seine ureigenen Gedanken darin einfließen und sich mitunter in langen Sätzen niederlegen und das Lesen zur Geduldsprobe werden lassen. Dennoch wirken hier ganz eigene Kräfte, da man als Leser das Gefühl hat, stark in die Privatsphäre des Autors einzudringen. Hier geht es um das Familienleben, vor allem um seine jüngste Tochter, aber auch darum wie schwer die Erziehung ist, wenn die Mutter immer mehr mit Abwesenheit glänzt.

Erwähnung finden müssen vor allem aber auch die zahlreichen Aquarelle, die aus dem Pinsel des deutschen Aquarellmalers und Bildhauers Anselm Kiefer stammen. Davon abgesehen, dass sie mit hoher Leuchtkraft und hervorragender Qualität abgedruckt sind, laden sie zum Verweilen und Betrachten ein. Ob man nun einen Bezug zu den Texten herstellen kann oder nicht, spiegeln sie den Sommer mit den blumigen Motiven wider. „Im Sommer“ kann nur als gelungenes Gesamtwerk betrachtet werden.

Fazit:

„Im Sommer“ ist eines von wenigen Werken, das man nicht mit knappen Worten definieren kann. Man muss es selbst zur Hand nehmen und es ausprobieren. Mit Sicherheit ist es nicht für jeden was, doch wer sich darin verlieren kann, der wird es nicht mehr vergessen.

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