Ich treffe dich zwischen den Zeilen

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur Taschenbuch, 2017, Seiten: 320, Übersetzt: Maria Hochsieder-Belschner

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Julian Hübecker
Eine Buchhandlung ist keine Zauberei, doch sie kann Schritt für Schritt dein Herz heilen.

Buch-Rezension von Julian Hübecker Feb 2018

Eigentlich möchte Loveday nur eines: Im Buchladen arbeiten und dabei mit so wenigen Menschen wie nur möglich zu tun haben. Doch als sie den smarten Nathan kennenlernt, entdeckt sie etwas, was sie lange nicht für möglich gehalten hat: Vertrauen zu einem anderen Menschen. Auf einmal steht sie vor der Wahl. Will sie weiterhin ihr behütetes Leben behalten oder sich ihrer Vergangenheit stellen und mit Hilfe des Poetry Slams lernen, sich zu öffnen?

„Archie meint, dass Bücher die besten Geliebten sind und die anspruchsvollsten Freunde.“

Loveday ist Mitte 20 und arbeitet im Buchladen „Brodie’s Books“. Für sie ist der Laden ein wichtiger Rückzugsort, da er ihr Stabilität und ein Zuhause vermittelt. Archie, ein älterer Herr, der seit über 20 Jahren den Buchladen führt, hat sie in diese sichere Welt geholt, wo Bücher für sie die wichtigste Rolle spielen. Zwischenmenschliche Beziehungen erlaubt sie sich kaum, da sie sich selbst als nicht dazu fähig sieht. Daher vermeidet sie es, Gespräche mit anderen Menschen zu führen – auch aus Angst, Fragen über ihr Leben gestellt zu bekommen, die sie nicht beantworten kann oder möchte. Auch ihre vielen Tattoos bilden einen zusätzlichen Schutzwall, haben aber auch eine tiefere Bedeutung. So lässt sie sich die jeweils ersten Sätze von Büchern tätowieren, die für sie einen tieferen Sinn haben. Oftmals stehen sie mit ihrer geheimnisvollen Vergangenheit in Verbindung.

Das Buch ist aus Lovedays Sicht geschrieben. Der größte Teil bildet die Gegenwart, wo man die Begegnung zwischen Loveday und Nathan mitverfolgen kann. Nathan ist ein Dichter, der seine Werke an Poetry Slam-Abenden vorträgt. Um jedoch seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitet er als Zauberer. So hat er sich auch angewöhnt, jeder neuen Begegnung einen Goldtaler in die Hand zu zaubern. Durch seine unkomplizierte Art schafft er es schließlich, Loveday zu einem Poetry Slam mitzunehmen. Eines Tages tauchen nach und nach Kisten voller Bücher auf, die Loveday in Schock versetzen. Denn der Charakter jedes dieser Bücher ist ihr nur zu vertraut. Plötzlich scheint die Vergangenheit sie wieder einzuholen. Und sie merkt, dass sie sich etwas vorgemacht hat, glauben zu können, vor dem Vergangenen weglaufen zu können.

Zwischendurch erfährt der Leser etwas über Lovedays Vergangenheit, aus der sie ein großes Geheimnis macht. Schritt für Schritt offenbart sich diese, indem zwei neue Zeitebenen vorgestellt werden: 2013, wo sie ihren ersten Freund Rob kennenlernt, der aber mit seiner bipolaren Störung ihr Vertrauen schnell zerstört; und 1999, wo die fast zehnjährige Loveday mit ihren Eltern ein glückliches Leben führt, aber nur kurze Zeit später der eine Elternteil tot und der andere verschwunden ist.

Die Geschichte ist sehr geradlinig geschrieben. Man erlebt keine großen Überraschungen und Wendungen, die das Buch zu einem Pageturner machen. Stattdessen versprüht es durch Lovedays Geschichte seine eigene Dynamik. Bereits durch die Beschreibung von „Brodie’s Books“ als gemütliches Antiquariat versteht man, warum sich das Buchgeschäft für Loveday so sicher anfühlt. Man erlebt den Laden mit seinem eigenen Charme. Sei es die kleine Fensterbank im Erker, die zum gemütlichen Verweilen einlädt, auf der man jedoch nicht lange sitzen kann. Oder zwischen den hohen Bücherregalen der Frühstückstresen – ein einzelnes Brett mit einem einzelnen Hocker davor, wo Loveday neu hinzugekommene Bücher durchsortiert.

Das Buch fasziniert von der ersten Seite an. Loveday als zentrale Person wirkt über zwei Drittel des Buches blass und uninteressant. Was normalerweise keine gute Eigenschaft für eine literarische Person darstellt, passt absolut zur Geschichte. Genau so möchte sie nämlich von der Welt wahrgenommen werden. Im Laufe des Buches lernt man die wahre Person hinter Lovedays Schützrüstung kennen und das spannende ist: Man macht diese Entdeckung mit Loveday zusammen, da sie selbst wohl nie für möglich gehalten hätte, welcher Mensch wirklich in ihr steckt.

„Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ ist eine gefühlvolle Geschichte über die Liebe zu Büchern und das Entdecken der eigenen inneren Stärke, die auch nach einem vergangenen Kindheits-Trauma wieder hervorgeholt werden kann.

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