Und jetzt lass uns tanzen

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Paris: Éditions Jean-Claude Lattès, 2016, Titel: 'Eh bien, dansons maintenant!', Originalsprache
  • Köln: RandomHouse Audio, 2017, Seiten: 4, Übersetzt: Iris Berben, Bemerkung: ungekürzte Ausgabe

Couch-Wertung:

80
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Kathrin Plett
Von Maguy zu Marguerite: Die Entdeckung der wahren Liebe

Buch-Rezension von Kathrin Plett Jun 2017

Am Anfang ist es die große Liebe, doch nach einigen Jahren ist irgendwie die Luft raus. Die Beziehung bietet nichts neues mehr, man lebt sich auseinander, das Interesse füreinander sinkt und die anfänglichen Aufmerksamkeiten lassen nach. Oft folgt dann die Trennung. Doch was ist, wenn die Ehe von Beginn an nicht mehr wie eine eingegangene Verbindung war, jeder seine Aufgabe hat und dies über all die Jahre konstant bleibt? Ein konkreter Anlass zur Trennung findet sich dann selten. Vor allem nicht in traditionellen Beziehungen, in denen die Frau vom Mann abhängig war, nichts anderes kannte, wurde diese Art des Zusammenlebens dann nicht selten bis zum Tod eines der Partner gelebt und die wahre Liebe nie kennengelernt. Eine zweite Chance für die echte Liebe bietet sich leider nicht jedem, doch im Falle von Marguerite führt eine kleine Begegnung zu großen Veränderungen...

Nach Jahren der "Zweckehe" war Liebe für Marguerite eher etwas praktisches. Sie kümmerte sich um die häuslichen Dinge und Henrys Wohlergehen, er sorgte für die finanzielle Seite und hatte im Haus das Sagen. Als er stirbt, ist das zwar zunächst eine Leere, doch eigentlich fühlt sie sich auch befreit, nach einer Ehe, in der einander gesiezt wurde und sie sich seinen Regeln anzupassen hatte. Dass sie sich schließlich doch noch einmal verliebt, hätte sie nie gedacht. Doch als sie Marcel begegnet, der so ganz anders ist als Henry, fühlt sie sich auf eine magische Weise zu ihm hingezogen. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Beide stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Doch von ihren Familien und dem Bekanntenkreis wird diese neue Beziehung zunächst sehr kritisch gesehen und stößt vor allem bei Marguerites Sohn auf wenig Zustimmung. Wagen sie es dennoch, noch einmal zu lieben?

Mit ihrem neuesten Werk ist Karine Lambert eine einfühlsame und gefühlvolle Geschichte gelungen. Anders als in vielen Romanen steht bei ihr nicht die Suche nach der Liebe nach tausend vergeblichen Versuchen oder eine chaotische Beziehung im Vordergrund, sondern eine zarte Liebe im hohen Alter, die jedoch nichts von der Intensität und tiefe einer Beziehung in jungen Jahren vermissen lässt. Besonders positiv fallen dabei ihre beiden sympathischen Protagonisten Marguerite und Marcel auf, die auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher sein könnten. Marcel liebt den Sternenhimmel, Marguerite kann der Nacht nichts abgewinnen. Sie lebt nach strengen Regeln, ein Abweichen vom Plan kam für sie bisher nicht in Frage. Marcel ist spontan, frei und lässt sich von Normen nicht einengen. Es ist spannend dabei zuzusehen, wie sich nach und nach Marguerites Charakter entwickelt, sie sich von den vielen Jahren im engen Ehekorsett frei macht und zu ihrer wahren Persönlichkeit findet, die so lange unter der Oberfläche verborgen bleiben musste. Abwechselnd erzählt die Autorin dabei aus der Perspektive ihrer beiden Hauptfiguren, sodass keine der beiden Perspektiven zu kurz kommt. Sprachlich ist der Roman wohl ausformuliert, lässt sich leicht und zügig lesen.

Alles in allem eine lesenswerter Roman voller Gefühle und Liebe, der sich bestens für ein paar schöne Stunden eignet.

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