Elefant

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Diogenes, 2017, Seiten: 6, Übersetzt: Gert Heidenreich, Bemerkung: ungekürzte Ausgabe

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Britta Höhne
Zu voll für Entzugserscheinungen

Buch-Rezension von Britta Höhne Apr 2017

Denis Scheck, Literaturschreck des TV-Formats "Druckfrisch", mag es nicht. Er schreibt:

"Der wissenschaftliche Gehalt dieses Romans um einen selbstleuchtenden Mini-Elefanten ist erbärmlich."

Okay, Scheck hält auch nichts von Bestseller-Listen und entsorgt unliebsame Bücher im Mülleimer. Geschenkt! Dennoch hat Scheck, was Martin Suters jüngste Machenschaft Elefant anbelangt, nicht ganz unrecht: Das neuste Buch des Zürcher Autors ist zu flach für einen Suter - und voller Klischees. Scheck allerdings übertreibt gnadenlos, es ist sein Job, so wie es Suters ist – zu unterhalten. Und das macht Elefant trotz – oder wegen – fehlenden Inhalts und Kreativität.

Martin Suter ist Meister des ersten Satzes:

Eine Entzugserscheinung konnte es nicht sein, er hatte genug getrunken.

Am 12. Juni 2016 geschieht Skurriles. Schoch sieht einen rosaroten Elefanten. Er ist winzig. Und leuchtet. Der "Randständige", wie Suter schreibt, halluziniert. In seiner Höhle lebend. Am Fluss. Schoch ist ein Gescheiterter. Hager, verwegen, schlauen Kopfes. Bänker war er einst. Vor über zehn Jahren. Eine Frauengeschichte, lässt sich früh erahnen, hat sein altes Leben durchkreuzt. Schoch sinnlos so vor sich hin und verweigert alles, was seinem Leben einen Sinn geben könnte. Er ist Einzelgänger, ein freundlicher zwar, aber zumeist alleine.

Während Schoch in seiner Welt lebt und nicht wüsste, warum er aufhören sollte zu saufen, geschieht in einem Zirkus namens Pellegrini etwas Seltsames. Eine Elefantenkuh wird künstlich befruchtet. Suter beschreibt den Vorgang recht genau. Wäre die künstliche Befruchtung nicht Inhalt dieses Buches, würde es als Jugendroman durchaus seinen Reiz haben. Als Orwells 1984 für Fortgeschrittene. Vorgerückt in die Welt der Genetik, des Veränderns, Manipulierens und der des Machbaren: Selbstleuchtende Mini-Elefanten. Als Spielzeug für Kinder vielleicht, die sonst schon alles haben.

Zurück zum Thema: Zirkuschef Pellegrini vermietet seine Elefantendamen als Leihmütter. In diesem Fall an einen durchgeknallten Forscher namens Roux, der sich in den Kopf gesetzt hat, eben einen Elefanten zu züchten, der pink leuchtet. Asha, so der Name der auserwählten Elefantendame, wird in der Tat tragend, nur wächst der Nachwuchs im Mutterleib minimal. Alle rechnen damit, auch Oozie, der Elefantenbeschwörer, dass das Elefantenbaby abgestoßen wird. Lebensunfähig. Unterentwickelt.

Doch: Viel zu früh und viel zu klein erblickt ein rosarotes Elefantenbaby das Licht der Welt. Oozie will es schützen, sieht in dem Tier etwas Heiliges, setzt es schließlich aus – damit die chinesische Genmafia das Tier nicht in die Finger bekommt. Ab da nehmen Freud und Leid ihren Lauf. Der betreuende Tierarzt Dr. Reber stirbt in einem kurzen Beisatz, eine Tierärztin kommt ins Spiel, Gutmensch, Vegetarier, die nebenbei und ehrenamtlich die Tiere der Randständer versorgt. Schoch und die einsame Tierärztin schmieden Pläne und versuchen, die Existenz des kleinen rosa Tierchens zu verheimlichen. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander. Was aber ganz schön zu lesen ist!

Martin Suter springt in seinen Parallelgeschichten hin und her, was der Logik des Buches keinen Abbruch tut. Er schreibt einfach, bevorzugt kurze Sätze, weil, wie er selber in einem Interview zu Protokoll gab, nicht möchte, "dass die Leser vor jeder Formulierung einen Knicks machen." Das wird nicht passieren, Herr Suter. Elefant ist ein interessantes kleines Werk und es ist ihm anzumerken, dass der Zürcher Autor bei der Recherche und beim Schreiben durchaus seine Freude hatte.
Herr Suter, vielleicht doch eher wieder so etwas mit Tiefgang - wie Montecristo?

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