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Almut Oetjen
Frauen mit Gegenwart und Zielen

Buch-Rezension von Almut Oetjen Dez 2016

Inhalt:

  • Unsere Leinwandkönigin
  • Die erste Revuetänzerin
  • Ein Südstaatenmädchen
  • Das Mädchen, das dem Prinzen gefiel
  • Mädchen mit Talent
  • Das Mädchen und der Millionär
  • Ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen
  • Miss Ella
  • Von Europa aus betrachtet
  • Zwei Verrückte
  • Andere Namen für Rosen
  • Anmerkungen
  • Nachwort
  • Editorische Notiz

Zelda Fitzgerald (24.6.1900-10.3.1948) war die Ehefrau von F. Scott Fitzgerald, dem weltberühmten Verfasser der Great American Novel Der große Gatsby. Ihr gerade bei Manesse erschienenes Buch Himbeeren mit Sahne im Ritz enthält elf Erzählungen, von denen zehn in den Jahren 1925 bis 1932 in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurden. Drei der zehn Texte wurden unter Zelda Fitzgeralds Namen veröffentlicht, zwei unter dem F. Scott Fitzgeralds, fünf unter dem Namen beider Autoren. Die elfte Geschichte stammt aus dem Nachlass. Felicitas von Lovenberg schreibt in ihrem Nachwort, dass der Name des Ehemannes höhere Honorare brachte, der Grund für die angegebene Autorenschaft unter manchen Erzählungen mithin vor allem finanzieller Natur gewesen sein dürfte.

Die Geschichten liefern ein Zeitbild bestimmter Aspekte der Roaring Twenties des zwanzigsten Jahrhunderts und lesen sich in dieser Hinsicht aufschlussreich. Als ein Ergebnis des Ersten Weltkrieges und der Suffragettenbewegung wurden Frauen in der europäischen Gesellschaft aktiver. Bekannt wurden in dieser Zeit die Flapper, junge, aggressivere und unkonventionelle Frauen, die sich selbstbewusster gaben und kleideten als Frauen vorhergehender Generationen. Die Bewegung nahm in Paris ihren Ausgang und breitete sich bis nach Amerika aus.

Zelda Fitzgerald, für die Paris eine wichtige Stadt war, nicht zuletzt, weil sie darin ihre psychischen Probleme ein wenig verstecken konnte, erzählt in ihren Geschichten von diesen neuen Frauen, die Marlene Dietrich in Josef von Sternbergs Film Der blaue Engel besingt: Frauen, die von Männern umschwirrt werden und ihren eigenen Weg gehen. Sie sind geschickt darin, ihren Vorstellungen gemäße Selbstbilder zu entwerfen. Sie wollen wahrgenommen werden von der Welt, gleich, ob in den USA oder in Frankreich, den Metropolen oder, schwieriger, der Provinz, und sie sind bereit, hierfür viel zu tun. Dabei lassen sie sich auch von Männern unterstützen, die jedoch meist Element der Kulisse bleiben, in der die Frauen sich bewegen. Diese Kulisse ist durch eine kosmopolitische Perspektive bestimmt.

Zelda Fitzgerald schreibt sehr pointiert, ihr Stil erinnert an Kolumnen in Frauenzeitschriften, sie hat ein Faible für ausdrucksstarke Bilder, die oft genug sinnlich sind und auch die Sinnlichkeit der jeweiligen Protagonistin illustrieren. Manche der Frauen befinden sich im Schatten und wollen ans Licht (wie Gracie in Unsere Leinwandkönigin), andere befinden sich im Licht, verfügen über Millionen Dollar (wie Helena in Das Mädchen, das dem Prinzen gefiel), oder haben kein Geld (wie Eloise in Ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen). Immer aber achten sie darauf, dass sie mehr im Heute als im Morgen zuhause sind - und vielleicht auch in der Gegenwart einen Kredit auf die Zukunft aufnehmen. Die Gegenwart der Protagonistinnen ist eine "Welt des gnadenlosen Konkurrenzkampfes" (Das Mädchen und der Millionär, S.109), in dem Authentizität wenig Platz hat und einer Selbstdarstellung weichen muss, die bestimmt ist durch Größen wie Schönheit, Lebensfreude, Talent für irgendwas. Hier fällt eine Frau besonders dann auf, wenn sie den Eindruck vermittelt, sich selbst zu spielen (wie Gay in Die erste Revuetänzerin).

Die Welt des Wollens, die Welt des Seins, das Bedürfnis, unbedingt in bestimmter Weise wahrgenommen zu werden und zu leben, dies sind Bestimmungsgrößen für das Verhalten der weiblichen Protagonisten. Fitzgerald behandelt dies in recht ähnlichen Texten, die den Eindruck erwecken, über ein gegebenes formales Skelett zu verfügen, das ausgestattet wurde mit übereinstimmenden und abweichenden Bestandteilen. In Form, Figuren und Themen sind sich die Geschichten sehr ähnlich, weshalb es vielleicht sinnvoll wäre, sie einzeln und in zeitlichem Abstand zu lesen.

Zelda Fitzgerald, die zu ihren Lebzeiten eine Kulturikone war, wollte sich durch ihr Schreiben in ihrer Unabhängigkeit definieren, sich aus dem Schatten ihres berühmten Mannes lösen, für den sie lange Jahre im wörtlichen wie auch übertragenen Sinn eine Inspiration und dem sie auch bei der schriftstellerischen Arbeit behilflich war. In den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts veröffentlichte sie einen Roman, ein Theaterstück und einige Erzählungen sowie Artikel in Magazinen. Der von Manesse herausgegebene Erzählungsband Zelda Fitzgeralds bietet die Möglichkeit, sie als eigenständige Schriftstellerin wahrzunehmen, ihr Werk mit dem ihres Mannes zu vergleichen und, wenn man die Biographie der Autorin kennt, sie in den Figuren und manchen Ereignissen der Storys wiederzuerkennen.

Himbeeren mit Sahne im Ritz

Himbeeren mit Sahne im Ritz

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