Lichtveränderung

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: Hanser Berlin, 2015, Seiten: 96, Originalsprache

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Sebastian Riemann
Unbeschwerter Sommer, vereinzelt Donner und Dolche

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Dez 2016

Viel Romantik steckt in den Zeilen, viel Sehnen nach alten Zeiten, viele schwere Herzen und feuchte Augen. Tom Schulz ist ein Sehnsüchtiger, mit einem melancholischen Seufzer zwischen den Lippen streckt er die Hände aus und will den ewigen Sommer greifen, will die warme Luft und das angenehm kitzelnde Licht, welches zwischen den vollen Bäume und auf dem kühlen See tänzelt, festhalten. Er will die Unbeschwertheit nicht loslassen, will sie vielmehr in sich aufnehmen und in seinem Inneren fortleben lassen.
Die Füße lässt er baumeln, taucht sie manchmal ins Wasser ein. Das Gras ist frisch und voll, es duftet und reckt sich der strahlenden Sonne entgegen. Vögel und Grillen sind zu hören, sie singen Lieder über den Sommer und das wohlige Gefühl, das ihn begleitet. Der Wind schiebt träge die Düfte des Waldes hinüber, sie schmecken würzig und süß. Es ist ein Moment, den man nicht vergessen will und den man, auch wenn nichts besonderes passiert, in seinem Herzen bewahren wird, da man sich in jenem Moment so wohl fühlte, so entspannt und unbeschwert. Vielleicht war auch Liebe im Spiel, dann wird die Erinnerung noch süßer. Die ganze Szene wird zum Ideal für die schöne Zeit, die man früher hatte, als das Leben einfacher war, nicht sorgenfrei und auch nicht ohne Probleme, aber im Nachhinein doch leichter und weniger kompliziert.

Der vorliegende Band vereint sehr unterschiedliche Gedichte von Tom Schulz. Der romantische Blick in die eigene Vergangenheit weicht mitunter düsteren und ernsten Kommentaren. Höllenfeuer und Tod bahnen sich ihren Weg, drängen sich zwischen die schönen Erinnerungen. Das macht den Reiz der Lichtveränderung aus, gibt ihr eine beachtliche Tiefe und Vielfältigkeit. Allen gemein sind die emotionalen Bilder und die Verspieltheit des Autoren im Umgang mit seinen Worten und Erinnerungen. Schulz springt gern nach rechts und links, von einem Punkt zum nächsten. Das schnöde, routinierte Gehen, einen Fuß vor den anderen zu setzen und immer geradeaus, gibt er für die Leichtlebigkeit und Intensität der Erinnerungen samt ihren Worten auf.

In "Die Breslauer Spatzen" erinnern sie sich an einen schönen Sommertag – das Licht schaukelt in der Kastanie, heißt es –, zurück an die Zeit, da sie zu den polynesischen Inseln in der Oder schwammen. Zu den Oderinseln. Dort gab es Eis und Kamille zum Rauchen. Sie waren Inselbewohner, Polynesier.

 

"Wir polyphonen Pilze. Nah am Wortrausch. An den Tauschhandel gebaut."

 

Leichtfüßig genießen sie und berauschen sich: Polynesier, polyphon, Pilz, Rausch, Tausch. Der Fluss steckt zwischen den Bildern, sein Rauschen trägt zum Berauschen bei, sowie zur Abgelegenheit und Exotik. So schön kann es nur auf den Osterinseln sein, wo man den jugendlichen Lebenstrieb genießt, weit ab vom Rest der einfachen Welt, die oft nicht genug zu bieten hat und mit ihrer Alltäglichkeit ersticken kann.

Das Licht wird von Schulz gebrochen. Das Licht umgibt uns und bestimmt, wie wir uns und unsere Umwelt sehen, es wird gebrochen und reflektiert durch die inneren Wandel, durch das Wollen und Erinnern. Wir tauchen ein in uns selbst, lassen uns treiben zu anderen Stellen und Zeiten, in denen wir anders waren und sind. Wir verändern das Licht, Schulz bricht es für uns. Er ist ein Tauchlehrer, der uns zeigt, wie wir in die Tiefe gelangen, dorthin wo das Licht der Oberfläche in anderen Farben erscheint und zwischen verborgenen Schätzen umherspringt.

In vielen Fällen sind es Jugenderinnerungen - "wir pinkelten auf die Kürbisköpfe", "dann warf ich fort den Ranzen" -, die für das schöne Licht sorgen. Sie sprechen von Unschuld und einem einfachen Leben. Die Natur spielt dabei eine wichtige Rollen, sie dient als Kulisse und als aktiver Mitgestalter der Erlebnisse. Sie verherrlicht die Szenerie, macht aus dem Jungen einen fröhlichen und unbeschwerten Jungen. Vor allem ist es der Sommer mit seinem lieblichen Licht, der das Erleben intensiviert und später das Erinnern einfacher macht, da er dem Ganzen Wonne und Freude verlieh. Doch wo es Licht gibt, muss es auch Schatten geben. Mitunter wird es düster. Tod und Gebrechen treten in Erscheinung. Angst um Verlust treibt den Menschen und verscheucht das Licht.

 

"zu Mittag beteten die kleinen Zehen zu Sonne Mond und Sterne, einen Gottesbeweis hab es keinen dafür sahen wir Bilder von Waldbränden vor dem inneren Auge, wie eine fremde Frau Kaltluftballons entfesselte"

 

Und auch der Vater stirbt, der Junge steht am Totenbett. Es gibt kein Heil, keine Hoffnung.

Tom Schulz ist vielfältig und seine Bilder sind stark, sie berühren, indem sie sich an schöne Allgemeinheiten knüpfen, und verwirren, da sie vom Allgemeinen zum Wortspiel übergehen. In diesen Wechseln liegt das Wesen dieses Bandes. Es vermag aufzuwühlen, ohne zu schockieren oder zu marktschreien. Lichtveränderung ist ein herrlicher Sommernachmittag. Die Füße baumeln im Wasser, die Vögel und Grillen singen, damit man sie später nicht vergisst.

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