Eclipse

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Matthes & Seitz, 2016, Seiten: 232, Übersetzt: Nathalie Mälzer

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Sebastian Riemann
Im Café über Fotografie und Musik sinnieren

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Dez 2016

Sie sitzt in ihrem Pariser Stammcafé wie jeden Morgen. Sie hängt ihren Gedanken nach, lässt sich von ihnen mal hierhin und mal dorthin treiben. Es gibt nichts zu tun, nichts besseres, nichts wichtiges. Also lässt sie sich vom Strom ihrer Bilder und Wörter mitnehmen. Sie ist Fotografin und denkt über die ersten Fotografien nach, die frühen Daguerreotypen, über die Bombe und die Ginkgo Bäume in Hiroshima, über Lieder, die in ihrem Leben wichtig waren und sie noch immer fesseln. Natürlich denkt sie auch an den ungarischen Dichter. Obwohl die gemeinsame Zeit mit ihm schon länger zurückliegt, kann und will sie ihn nicht vergessen. Wie ein wunderbares Rätsel liegt er in ihren Erinnerungen, macht alles um sich herum schöner und interessanter.

Die Erzählerin und Protagonistin ist Künstlerin, mit ihren Augen versucht sie das Geschehen in der Welt und die Menschen zu durchleuchten, sie versucht sie zu verstehen, ihren Kern, ihr Sein zu ergründen. Joan Baez kommt ihr in den Sinn, ihre Konzerte, ihre Verbindung mit Bob Dylan. Sie denkt an verschiedene Auftritte und Interviews, an die Texte, die sie singt, um zu verstehen wer sie war und wer sie geworden ist. Die Künstlerin in der Verarbeitung ihres Lebens interessiert sie, die Emotionen in den kleinen Bewegungen auf der großen Bühne, die Schmerzen und Sehnsüchte in den Texten. Das Innenleben dieser öffentlichen Personen versucht sie zu verstehen. Oft denkt sie an Dylan, auch an Leonard Cohen und Bruce Springsteen.

Am Anfang jedes Kapitels findet der Leser einen kurzen Text, der sich mit der Macht der Musik beschäftigt. Darin erzählt die Autorin von Odysseus, seiner Irrfahrt und dem Moment, da er beim Anhören eines Lobliedes auf seine Abenteuer zusammenbricht. Seinem Leben als Lied gegenüber verliert der Held alle Kraft und Haltung, kann sich nicht mehr beherrschen und muss seinen Gastgebern offenbaren, dass er der sagenumwobene Odysseus ist. Zu stark bewegte ihn die künstlerische Verarbeitung seiner Fahrt, als dass er weiterhin einen anderen spielen könnte. Der unbesiegbare Held, der Hexen und Zyklopen bezwang, größtmögliche Verluste und Schmerzen erlitt, geht kampflos zu Boden, da sein Leben Musik und Geschichte geworden, und dadurch mehr als sein Leben geworden, ist. Jahrhunderte später auf einem anderen Kontinent wird Killing me softly with his song geschrieben, ein Lied, welches von der Macht der Musik in unseren Zeiten spricht. Auf dem Dancefloor versucht die Verfasserin des Liedes eigentlich ihre persönlichen Probleme zu vergessen, nur um durch die Lieder, die der DJ auflegt, an ihre eigene Misere, an ihr eigenes Leid erinnert zu werden. Ihr Leben scheint schon in der Musik zu sein, sie musste es nur noch entdecken.

Die Erzählerin sitzt also in ihrem Stammcafé. Sie wird auf einen Mann aufmerksam, er erinnert sie an etwas, an Lieder, an Vergangenes und an den ungarischen Dichter. Ist es der ungarische Dichter? Sie weiß es nicht und vermag nicht, es zu erfragen. Vielmehr lässt sie sich von ihren Gedanken wegtreiben. Erst später fasst sie den Entschluss, ihn anzusprechen und unter dem Vorwand, von ihm Fotos machen zu wollen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er geht die Straße entlang und sie geht hinter ihm her, mit dem Fotoapparat in der Hand. Sie fotografiert ihn, wie er weggeht, in die Ferne zieht, weg vom Hier und Jetzt. Sein Rücken ist auf allen Fotos zu sehen. Und dann ist er weg. Es war wohl nicht der ungarische Dichter. Aber vielleicht ein neuer Stil, der ihre Fotografie, ihre Arbeit bereichern kann.
Cécile Wajsbrots vorliegender Roman nährt sich vor allem aus den stimmungsreichen Bildern und Erinnerungen der Erzählerin. Ihre hingebungsvollen Analysen bekannter Sänger und Sängerinnen vermittelt eindrucksvoll ihre Leidenschaft für das Thema. Sie nimmt den Leser bei der Hand und zeigt ihm die Welt hinter den großen Shows, hinter den Texten, hinter dem Reichtum und dem Ruhm. Zeigt wie Menschen Kunst hervorbringen und sich in ihr wiederfinden. Passend dazu erhielt Bob Dylan vor Kurzem den Nobelpreis für Literatur. Seine literarischen Qualitäten, die Tiefgründigkeit seiner Texte und seiner Person: Wajsbrot zeigt sie auf.

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