Skizze eines Sommers

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Berlin, 2016, Seiten: 384, Originalsprache

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Kathrin Plett
Erwachsenwerden in der DDR

Buch-Rezension von Kathrin Plett Dez 2016

Sturmfrei haben. Welcher Jugendliche wünscht sich das nicht? Machen können, was man will, keiner da, der einem sagt: "Räum dein Zimmer auf", "Geh ins Bett!" oder auch "Spätestens um zehn Uhr bist du wieder zuhause!" Wenn dieses "Sturmfrei" sogar über mehrere Tage oder gar Wochen geht, weil die Eltern im Urlaub sind, gibt es wohl kaum etwas besseres. Unzählige Möglichkeiten und Freiheiten warten, die es auszuprobieren und zu nutzen gilt, Freunde können ein- und ausgehen, Mädchenbesuch und Übernachtungen steht nichts im Wege.

Genau dieses Glück hat der sechzehnjährige René, der 1985 nach dem Tod der Mutter allein mit seinem Vater in Potsdam lebt, als sein Vater für sieben Wochen zu einer Konferenz in die Schweiz reist.

René kann sein Glück kaum fassen, als ihm sein Vater verkündet, dass er für sieben Wochen zu einer Konferenz nach Genf reisen wird und René somit die Sommerferien allein in Potsdam verbringen wird. Als ihm sein Vater dann auch noch 1000 Mark dalässt, kann es kaum besser kommen. Zusammen mit seinen Freunden Dirk, Michael und Mario streift er durch die Stadt, sitzt in Cafés und tauscht sich mit ihnen über Literatur aus, wobei alle drei versuchen, besonders geistreich und gebildet zu sein. Abends geht es in die Disco, wo das Hauptinteresse der Jungen bei den anwesenden Mädchen liegt, mit denen heftig geflirtet wird, bis die ersten Dates verabredet werden können und das "richtige" Mädchen gefunden ist, mit dem erste Versuche einer festen Beziehung unternommen werden.

André Kubiczek, 1969 in Potsdam geboren, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. 2002 erschien sein hochgelobter Roman Junge Talente, 2003 Die Guten und die Bösen. Weitere Romane folgten. 2007 wurde André Kubiczek mit dem Candide-Preis ausgezeichnet. Mit seinem Werk Skizze eines Sommers war der Autor 2016 für den Deutschen Literaturpreis nominiert.

In seinem neuesten Roman kehrt André Kubizcek zurück in das Jahr 1985, in ein Potsdam vor der Wende in der DDR. Er erzählt dabei die Geschichte von René, der das erste Mal für einen längeren Zeitraum allein zuhause ist und seine ungewohnte Freiheit in vollen Zügen genießt. Zwar ist die Beziehung zu seinem Vater nach dem frühen Tod der Mutter nicht gerade durch ein hohes Maß an väterlicher Fürsorge gekennzeichnet, doch ist das Fehlen der Mutter in der Familie weiter deutlich zu spüren und drückt die Stimmung. René erlebt eine ungewohnte Leichtigkeit. Alkohol, Mädchen und genügend Geld um Spaß zu haben lassen ihn einen Sommer erleben, der die beste Zeit seines Lebens werden soll. Hin- und hergerissen zwischen Kindheit und Erwachsensein und verwirrt von den vielen neuen Gefühlen, erlebt René seine Welt. Freundschaften verändern sich, Mädchen bekommen eine ganz andere Bedeutung und die Zukunft mit ihren Veränderungen rückt mit großen Schritten bedrohlich näher. Der Autor erzählt seinen Coming-of-Age-Roman dabei aus der Perspektive seines jungen Protagonisten, sodass Renés Gedanken und Gefühle deutlich werden und der Leser sich problemlos in die Figur hineinversetzten kann. Sprachlich lebendig und präzise beschreibt Kubiczek, wie es René geht, was ihn bewegt und beschäftigt:

 

"Tausend Mark waren eine Menge Kohle. Fast so viel, wie mein Vater in einem Monat verdiente. Ich nahm an, er wollte mit dem Riesenbatzen ein bisschen sein schlechtes Gewissen kompensieren. Immerhin ließ er mich ganze sieben Wochen alleine. Keine Ahnung, ob es nicht ein Gesetz gab, das dergleichen verbot. Vernachlässigung von Kindern oder so etwas in der Art. Denn pro forma war ich noch für zwei Jahre und einen Tag ein Kind. Nur mal fürs Protokoll. Klar, er hatte versucht, mich zu meinen Großeltern abzuschieben, in den Harz. Aber: Hey, ich war keine zwölf mehr, wo mich die Aufsicht darauf gefreut hätte.Von wegen jeden Tag Wunschessen und Fernsehen bis zum Gehtnichtmehr, und zwar auf allen vier Sendern. Doch was sollte ich heute zwei Monate lang in diesem elenden Kaff anstellen?"

 

Alles in allem ein lesenswerter und heiterer Roman. Es macht Spaß, René in seinem sturmfreien Sommer zu begleiten und mit ihm die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens zu durchleben!

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