Auf Null

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2016, Seiten: 400, Originalsprache

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82

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Kathrin Plett
Gesund und das Leben geht weiter?!

Buch-Rezension von Kathrin Plett Sep 2016

Krebs. Die Krankheit zu überleben ist wohl der wichtigste Gedanke, der während der schweren Zeit zwischen Leben und Tod zählt. Das Warten auf neue Ergebnisse nach Untersuchungen wird zur Zerreißprobe und die Zeit scheint sich unendlich auszudehnen. Heißt es dann irgendwann, dass die Krankheit überstanden ist, keine Symptome oder Auffälligkeiten mehr festzustellen sind, muss dieser Augenblick für die Betroffenen ein Moment des Glücks sein. Das Leben kann weitergehen, all die verpasste Zeit im Krankenhaus, die Einsamkeit und die Todesangst liegen hinter einem, die Freiheit, dass tun zu können, was man so lange vermisst hat, vor einem. Eigentlich müsste jetzt alles gut sein, oder etwa nicht?

Nina hat gerade ihr Studium begonnen, als bei ihr AML, der "Kosename" für myeloische Leukämie festgestellt wird. Gerade noch gesund, muss die Zwanzigjährige von einem auf den anderen Tag ins Krankenhaus um sich dort einer Chemotherapie und rundum Überwachung unterwerfen. Als sie viele Monate später mit der Diagnose gesund, aber nicht geheilt, entlassen wird, geht sie zunächst davon aus, dass ihr Leben dort weitergeht, wo es zuvor so brutal unterbrochen wurde. Doch das Wissen, dass die Krankheit jederzeit wieder ausbrechen könnte, haftet in ihren Gedanken wie ein alter Kaugummi, der sich einfach nicht entfernen lässt. Sowieso hat sich durch die Krankheit vieles verändert. Ihr Bruder ist streng gläubig geworden, ihre Eltern neigen zur Überbehütung und die Freundschaft mit ihrer ehemals besten Freundin Bahar ist in die Brüche gegangen. Ninas Vertrauen zu ihrem Körper auf einer Skala von eins bis zehn liegt gefühlt bei minus fünf. Als sie dann Erik kennenlernt und sich fast auf der Stelle in ihn verliebt, wird ihr Leben noch eine Spur komplizierter. Wie soll sie eine Beziehung mit ihm aufbauen, wenn sie jederzeit wieder todkrank mit der Leukämie kämpfen könnte? Dass Liebe nur dann funktionieren kann, wenn man auch den Mut dazu aufbringt, merkt sie erst, als es fast zu spät ist...

Auf den ersten Blick ein schwieriges Thema, welches sich Catharina Junk für ihren Debütroman ausgesucht hat. Über eine Krebspatientin zu schreiben ist nicht leicht, beinahe ein Tabuthema, bei dem einem schnell vorgeworfen werden kann, dass man selbst keine Ahnung von der Situation der Erkrankten hat und somit auch nur schwer über das vermeintliche Seelenleben und die Gefühle während und nach dieser Zeit schreiben kann. Das ist bei Catharina Junk anders. Sie selbst erkrankte als junge Frau an der Krankheit und kann somit "Mitreden", was Therapie, gesund werden und eigentlich gesund sein bedeutet. Zwar handelt es sich bei ihrem Werk um keine Biografie, autobiografisch gefärbt ist der Roman jedoch unabstreitbar. Mit viel Humor beschreibt die Autorin in ihren Kapiteln abwechselnd, wie es Nina während und nach der Zeit im Krankenhaus ergeht, gleichzeitig wird durch diese Erzählstruktur deutlich, wie sehr Nina ihre Krankheit auch nach der Entlassung noch beschäftigt. Mit viel Humor und Selbstironie lässt Junk ihre Protagonistin erzählen, die sich ihrer verzwickten Lage zwischen körperlich gesund sein, sich aber psychisch noch total instabil fühlen, sehr bewusst ist. Ihre panische Reaktion beim Arzt, der ihr zuvor vergewissert hat, dass sie nur einen leichten Infekt habe, zeigt dies deutlich:

 

"Ich bin nicht die Erste, die hier hysterisch vor ihm sitzt und eine Garantie mit nach Hause nehmen will. "Ich soll meinem Körper vertrauen? Der ist ein fieses Schwein, das nur darauf wartet, wieder zuzuschlagen." Die Radikalität meiner Aussage lässt Dr. Kischkamp aufhorchen. Er sieht mich besorgt an. "Haben Sie mal über Psychotherapie nachgedacht? Es gibt auch Gruppen, in denen..." "Ich brauche keine Therapie! Ich brauche nur eine Knochenmarkspunktion!"

 

Doch Catharina Junk will keine Geschichte über den Krebs, sondern über die Zeit danach erzählen. Über eine Phase, die sie selbst erlebt hat und über die sie sagt: "Die Angst vor einem Rückfall wird zu einem Rauschen, das über allem liegt". Stattdessen will sie den Fokus nach eigenen Angaben auf ein Thema richten, das sie für tagesaktueller hält: den Leistungsdruck unserer Gesellschaft, der selbst vor Krankheit keinen Halt mehr macht.«Gesundwerden als Erfolgsgeschichte gefällt mir nicht» so Junk.

Dieser Ansatz wird im Laufe ihres Romans deutlich. Perfekt sein, sofort wieder in der ersten Reihe mitspielen, funktioniert nicht. Nina muss erst lernen, ihr neues Leben anzunehmen, sich die Zeit nehmen, die sie selbst für diesen Prozess braucht. Bis ihr klar wird, dass Liebe nicht ohne Vertrauen geht und zuerst das Vertrauen in sie selbst zurückkehren muss, ist jedoch eine Menge Mut erforderlich...

Ein gelungener Roman, der einen ganz anderen Blickwinkel auf ein sonst doch eher vernachlässigtes Thema wirft. Steht sonst die Krankheit im Mittelpunkt vieler Romane, die dann mit der Gesundung enden, setzt Junk ihren Schwerpunkt auf die Zeit danach. Ein lesenswerter und lebensbejahender Roman!

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