Mein Name ist Leon

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • London: Viking, 2016, Titel: 'My name is Leon', Originalsprache

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Kathrin Plett
Verloren im System

Buch-Rezension von Kathrin Plett Sep 2016

Wenn Kinder nicht mehr bei ihren Eltern leben können und aus ihrer eigenen Familie herausgenommen werden müssen, liegt meist eine lange und traurige Geschichte hinter ihnen. Vernachlässigung, Misshandlung oder Überforderung machen es jedoch bisweilen erforderlich, diesen Schritt zu gehen um ihnen anderswo ein besseres Leben zu ermöglichen. Auch wenn dies objektiv betrachtet die beste Lösung ist, den Kindern danach ein Stück mehr Normalität und Sicherheit geboten werden soll, ist das subjektive Empfinden der Kinder nicht selten anders. Genau so ergeht es Leon, dessen Mutter schon mit sich allein überfordert ist und sich nicht um Leon und seinen kleinen Bruder Jake kümmern kann...

Leon ist neun Jahre alt und lebt zusammen mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Jake in einer unordentlichen Wohnung im London des Jahres 1981. Er weiß, dass es seiner Mutter nicht gut geht und es Tage gibt, an denen sie den ganzen Tag nicht aus dem Bett kommt, es ihr völlig egal ist, ob er in die Schule gehen muss oder sein kleiner Bruder schreit. In die Schule zu gehen erscheint ihm in dieser Situation auch unmöglich, wer würde sich dann zuhause um seinen Bruder kümmern, ihn füttern und wickeln oder darauf achten, dass seiner Mutter nichts passiert? Leider wird dabei das Geld immer knapper, immer häufiger muss er sich Geld bei einer Freundin seiner Mutter, die gleichzeitig ihre Nachbarin ist, leihen. Als sie dann doch irgendwann misstrauisch wird und mit in die Wohnung kommt, fliegt die ganze Situation auf und es passiert, was Leon so lange versucht hat zu verhindern: Das Jugendamt kommt, nimmt ihn und seinen kleinen Bruder mit und bringt sie zunächst beide bei Maureen, einer zwar übergewichtigen und gesundheitlich angeschlagenen, aber herzensguten Pflegemutter unter. Bald findet sich auch eine richtige Adoptivfamilie, allerdings nur für den kleinen hellhäutigen Jake. Der dunkelhäutige und fast zehnjährige Leon ist nicht mehr vermittelbar. Leon weiß nicht mehr weiter, denn die Trennung von seinem Bruder ist für ihn das schlimmste, was passieren konnte. Und so fasst er einen Plan...

Kit de Waal ist mit ihrem Debütroman ein berührendes Werk gelungen, das Jugendhilfe und Adoption einmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Sie erzählt ihre Geschichte aus der Sicht des kleinen Leon, der aufgrund der psychischen Probleme seiner Mutter nicht mehr mit seinem kleinen Bruder bei ihr leben darf. Was aus erwachsener Sicht unausweichlich und zwingend notwendig erscheint, ist für ihn überhaupt nicht nachvollziehbar. Seiner Meinung nach kann er sich um seinen Bruder kümmern und auch auf seine Mutter achten, Hilfe von außen braucht er nicht, schon gar keine, die ihn und seinen Bruder bei fremden Leuten unterbringt. Leider zählt seine Meinung bei den zuständigen Erwachsenen nur wenig, sodass er sich mit dem Leben bei Maureen arrangieren muss. Als dann Jake von ihm getrennt wird, bricht seine gerade erst langsam wieder zusammengefügte Welt erneut auseinander. Es ist Kit de Waals Roman anzumerken, dass ihr das Thema Adoption und Jugendhilfe am Herzen liegt. Nachdem die Autorin lange Zeit in der Familienhilfe tätig war und Spezialistin für Familienrecht und Adoptionsfragen war, werden ihr viele Fälle begegnet sein, in denen über die Köpfe der Kinder hinweg über ihr Wohl entschieden wurde. Leons Schicksal berührt und macht betroffen. Zwar hat er es in seiner neuen "Familie" mit Maureen gut, doch wird deutlich, wie stark der erlittene Verlust dennoch für ihn ist. Kit de Waal ist es gut gelungen, in ihrem Roman die kindliche Sicht Leons wiederzugeben. Durch die teils naive und kindliche Sichtweise auf das Geschehen fällt es nicht schwer, sich in Leon hineinzuversetzen und mit ihm zu fühlen.

Alles in allem ein lesenswerter Roman mit einem eher traurigen Thema, welches aber durch Leons Kämpfernatur und seine gewinnende Art auch zeigt, dass es trotz vieler Schwierigkeiten und Rückschläge irgendwie weitergeht.

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