Die schönen Fremden

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Bukarest: Humanitas, 2010, Titel: 'Frumoasele străine', Originalsprache
  • Wien: Zsolnay, 2016, Seiten: 304, Übersetzt: Ernest Wichner

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Sebastian Riemann
Die unterhaltsamen Leidenstouren eines Schriftstellers

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Sep 2016

Mircea Cartarescu ist ein rumänischer Schriftsteller und schreibt darüber, was es heißt, ein rumänischer Schriftsteller zu sein. Über Skurriles und Bemerkenswertes weiß er dabei zu berichten im Ausland und daheim in Rumänien. Drei derart unterhaltsame Geschichten finden sich im vorliegenden Band Die schönen Fremden. Dem Leser wird ganz Unterschiedliches geboten, alles jedoch mit viel Schwung und ohne Schwierigkeiten geschrieben - d.h. so gut geschrieben, dass man meint, es wäre ohne Schwierigkeiten geschrieben. Gemeinsam ist den drei Geschichten das Leid des Ich-Erzählers, der manchmal unter seiner eigenen Vorstellungskraft, manchmal unter den unmöglichen Bedingungen zu leiden hat. Staunen und lachen kann man da und will immer weiter lesen.

Ein Brief aus Dänemark leitet die erste Erzählung ein und wird im Handumdrehen zum Anlass für viel Aufregung im Bukarester Leben des Schriftstellers und seiner Frau. Es kommt dieser Brief nämlich zur Zeit großer, allgemeiner Aufregung und Angst vor Anschlägen. Im Fernsehen und Radio hört man von Briefumschlägen, in denen bösartige Menschen Anthrax-Pulver verstecken, auf dass es sich beim Öffnen des Briefes verbreite und den Empfänger qualvoll vernichte. Der Erzähler war zu dieser Zeit wie alle anderen betroffen von der diffusen Angst und glaubte sich, in dem Moment da er einen mysteriösen Brief aus Dänemark in Händen hielt, zum Opfer auserkoren von einem Verrückten oder einem Widersacher, der ihn aus dem Weg und von der literarischen Bühne räumen wollte. Im Augenblick des Öffnens wäre sein Schicksal besiegelt. Denn wer schreibt ihm aus Dänemark? Freunde oder Bekannte sind es nicht, der Brief kam über den Umweg einer rumänischen Zeitschrift zu ihm, als wolle er seine Spur verwischen, seinen Absender verstecken. Sogleich ergriff Panik den Erzähler und er stürzte davon, nachdem er den verfluchten Brief weggeworfen hatte. Im Haus, in Besprechung mit seiner Frau, die ebenfalls schockiert aber ruhiger als er war, fasste er den Plan, den Brief zur Polizei zur weiteren Untersuchung zu bringen. Im Hauptquartier der Bukarester Polizeibehörde entspannen sich dann allerhand kafkaeske Szenen des Wartens und Berichtens und Erklärens. Absurd wird es dabei auch wenig, die Beamten der Behörden scheinen alten russischen Romanen entstiegen zu sein, so übertrieben spielen sie ihre Rollen. Als Leser gerät man von einer Absonderlichkeit in die nächste und kann dabei schon einmal vergessen, dass es bei der ganzen Aufregung um einen Brief aus Dänemark geht, den sich der Erzähler nicht erklären kann.

Als Teil einer Gruppe rumänischer Schriftsteller, die nach Frankreich eingeladen wurde, bestreitet der Erzähler der zweiten Geschichte ein besonderes literarisches und kulturelles Programm, kommt dabei an seine Grenzen und trifft auf wenig schmeichelhafte Vorstellungen der Gastgeber. Die schönen Fremden werden die Schriftsteller, zwölf an der Zahl, genannt und mit der Aufgabe ausgestattet, in den verschiedenen Regionen des Landes rumänische Literatur zu repräsentieren. Empfänge werden überall für sie organisiert, Essen und Lesungen vorbereitet.

Doch zuerst berichtet der Erzähler dem Leser vom Vorlauf der Reise, von Interviews, die er nicht sonderlich mag, da sie viel Unordnung mit sich bringen, von einem Film, der für die Tour der Schriftsteller gedreht wird und ein fragwürdiges Bild der Rumänen zeichnet. Von etlichen Feindschaften unter den reisenden Schriftstellern weiß er Zeugnis abzulegen, aber auch von Späßen und Freundschaften.

Der Aufenthalt in Frankreich wird dann sehr anstrengend, viele Reisen und Veranstaltungen stehen im Terminkalender, genießen kann es der Erzähler nicht so recht. Aber er kann in Gedanken abschweifen, sich an andere Preisverleihungen erinnern, an andere Flughäfen und ähnliche Ereignisse denken. So reiht sich Anekdote an Anekdote und verleiht der Geschichte eine verzückende Schwerelosigkeit, die mitunter durch Überlegungen ergänzt und angereichert wird, wie es sich z.B. mit der Schicksalsergebenheit der Rumänen verhält und wie sie im Vergleich zu den Westeuropäern abschneidet.

In der dritten Erzählung geht der Autor wieder auf Reisen, dieses Mal jedoch in Rumänien. Aber auch dabei ergeht es ihm nicht gut. Hungern muss er und allerhand über sich ergehen lassen. Eine langatmige Zumutung ist das Ganze, der Magen dreht sich ihm um und die Sinne gehen über. Mehrfach wünscht er sich das eigene Ende, um nicht weiter leiden und noch mehr ertragen zu müssen. Vermeintliche Freunde hatten ihn eingeladen, zu lesen und den Ort kennenzulernen, eine exzessive Tour mit den ortsansässigen Literaten inklusive. Doch darauf war der ruhige Autor nicht vorbereitet. Während die anderen Schwung aufnehmen, will er nur essen und ausruhen.

Mit vielen Drehungen und Wendungen weiß der Autor sein Publikum zu unterhalten. Das Abschweifen wird bei ihm zur Kunst und zum essentiellen Bestandteil des Schreibens. Unbeschwert geben sich alle drei Geschichten, auch wenn manchmal viel über einen verlorenen Pullover gejammert wird.

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