Die Modernisierung meiner Mutter

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Aufbau Audio, 2016, Übersetzt: Bov Bjerg

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Claire Schmartz
Einfach nur nette Geschichten

Buch-Rezension von Claire Schmartz Jun 2016

Nein, Die Modernisierung meiner Mutter muss man nicht lesen - auch wenn es vom gleichen Autor ist, der mit Auerhaus allen Arten von Lesern die Stuhlbeine unter dem Hintern weggerissen hat (und das zu Recht!). Doch nur weil es vom gleichen Autor ist, und das Cover an dieses triumphale Buch erinnert - nein, denn es ist anders.

Die Modernisierung meiner Mutter ist eine Sammlung an Erzählungen, die laut Klappentext "Das Beste aus 20 Jahren vom Shootingstar der deutschen Literatur: Geschichten über die schwäbische Heimat, das Berliner Exil und das ferne Amerika." vereint. "Shooting Star" bedeutet allerdings anscheinend eher Sternschnuppe, und die leuchtet bereits nicht mehr so hell wie beim Vorgängerroman Auerhaus - wollen wir hoffen, dass sie nicht am Erlöschen ist.

Bov Bjerg ist ein deutscher Schriftsteller. Nach einem Studium der Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und Amsterdam besuchte er das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig. Zwischen 1989 und 1996 gründete er verschiedene Berliner Lesebühnen, deren Tonfall auch in den vorliegenden Erzählungen wiederzuerkennen ist. Mit der Kurzgeschichte 'Howyadoin', die auch in Die Modernisierung meiner Mutter zu finden ist, gewann er 2004 den MDR-Literaturpreis. 2008 veröffentlichte er seinen ersten Roman Deadline, 2015 folgte Auerhaus, dessen Rechte sich mittlerweile Constantin Film gesichert hat.

Doch erst einmal zurück zum Buch an sich, ohne es direkt in Bezug zu dem Vorgängerroman zu sehen. Der Leser findet in Die Modernisierung meiner Mutter kleine Erzählungen, die Erinnerungen, Momente und Menschen, Anekdoten und Räume, zufällige Verwebungen von Geschehnissen zusammenschneiden, mit einem langsam schleichenden Humor, manchmal pointiert, manchmal unterschwellig. Die Themen und Orte wandeln von Berlin bis nach Amerika, von Städten über Friedhöfe in Dörfer oder Wälder und Bahnabteile, es geht um Pädophilie, die Nachkriegszeit, um die Jobsuche einer Frau und Mutter, um Vertreibung und Emigration und Schuld. Diese Vielfalt wird durch den Blick des Erzählers geleitet, und doch bleibt er auf Distanz, spielt Details gegeneinander aus, ohne eine Konfrontation, vielmehr Dissonanzen hervorzurufen, aber nur leichte.

Der erste Teil sammelt Erzählungen, die oft an Kindheits- und Jugenderinnerungen gebunden  sind und Anekdoten schildern, die zwar nett sind aber keine so richtige Pointe haben. Die Geschichten kreisen um sich selbst und schildern Erinnerungen aus dem Leben des Autores, die ihn sympathisch machen, Fragen nach Heimat und Vergangenheit anschneiden, aber erst einmal vereinzelt bleiben, keinen (gemeinsamen) Punkt haben. Vielleicht heisst das Oberthema auch deswegen: Erste Ausfahrt Mehrzweckhalle.

Der zweite Teil wird amüsanter: die Kaisers Episode in "Das schmutzige Schweinsnäschen" ist unglaublich lustig, und die Horoskopgeschichte ("Beschissene Jobs; Folge 24: Gott") schlägt ein süffisantes Tempo an. "Paternoster" oder "120 Stück pro Stunde", stechen ebenfalls durch ihren Witz hervor und präsentieren interessante Figuren. Vielleicht liegt es vor allem an dem Ortswechsel, dass Themen und Personen süffisanter und herausfordernder, diverser und weniger still oder deprimiert erscheinen. Vom Dorf sind wir in Berlin gelandet.

Der dritte Teil allerdings enthüllt, dass dieser vermeintliche Aufbau seine Spitze bereits hinter sich hat. "Howyadoin" ist erstaunlich rührend und anspruchsvoll, doch steht in keinem direkten Bezug zu den anderen Geschichten dieses Kapitels. So fallen die Fäden wieder lose auseinander, und die eintelnen Geschichten bleiben für sich, ohne wirkliche Stärke zu bündeln.

Es gibt gute und lustige und starke Erzählungen. Doch insgesamt vereint das Buch vor allem einfach nette Geschichten. Kurzgeschichten, die Anekdoten sind. Und vielleicht nur aufgrund des Namens ihres Autores gedruckt wurden. Von der Dringlichkeit, die den Puls von Auerhaus bestimmte, ist in seinem dritten Werk nichts mehr zu spüren. Vielleicht sollte man lieber noch einmal Auerhaus lesen. Und abwarten.

Die Modernisierung meiner Mutter

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