So wie die Hoffnung lebt

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2016, Seiten: 480, Originalsprache

Couch-Wertung:

75
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Kathrin Plett
Wie weit gehst du für die Liebe?

Buch-Rezension von Kathrin Plett Jun 2016

Die erste große Liebe vergisst wohl keiner. Neue, zuvor unbekannte Gefühle, Sehnsucht und Neugier füllen den Kopf und das Denken aus, Raum für anderes gibt es kaum noch. Leider geht die erste Liebe nicht selten in die Brüche und wird von einer neuen Liebe abgelöst. Doch es gibt sie, die erste und einzige große Liebe, die ein ganzes Leben überdauert. Besonders tragisch, wenn diese Liebe zwar bestehen bleibt, die Liebenden aber voneinander getrennt werden, einander nicht vergessen können und eine ewige Suche jeder neuen Beziehung im Wege steht...

Katie und Jona kennen sich schon seit Kindertagen. Beide mussten einen schweren Schicksalsschlag verkraften und lebten gemeinsam mit anderen Kindern in einem Heim für traumatisierte Mädchen und Jungen. Katie landete dort, nachdem ihr Vater ihre restliche Familie in ihrem Beisein erschossen und nur sie übrig blieb. Jona wurde nach dem Unfalltod seiner Eltern dort untergebracht. Als sich die beiden, damals neun und zwölf Jahre alt, kennenlernen, spricht Katie nicht. Seit jener Horrornacht leidet sie unter Mutismus. Doch Jona gibt nicht auf. Mit viel Einfühlungsvermögen und seinem Talent für die Malerei gelingt es ihm zu Katie durchzudringen. Mit den Jahren wird aus ihrer geschwisterlichen Freundschaft Liebe. Doch dann schlägt das Schicksal erneut zu und Katie und Jona werden getrennt. Als ihr Plan gemeinsam durchzubrennen scheitert, verlieren sie sich aus den Augen. Erst 19 Jahre später gelingt es Jona Katie aufzuspüren, doch ist sie inzwischen verheiratet. Jona merkt schnell, dass mit der Ehe so einiges nicht stimmt und es Katie bei ihrem Mann alles andere als gut geht...

Susanna Ernst wurde 1980 in Bonn geboren und schreibt schon seit ihrer Grundschulzeit Geschichten. Sie leitete siebzehn Jahre lang eine eigene Musicalgruppe, führte bei den Stücken Regie und gab Schauspielunterricht. Außerdem zeichnet die gelernte Bankkauffrau und zweifache Mutter gerne Portraits, malt und gestaltet Bühnenbilder für Theaterveranstaltungen. Das Schreiben ist jedoch ihre Lieblingsbeschäftigung für stille Stunden, wenn sie ihren Gedanken und Ideen freien Lauf lassen will.

Mit ihrem neuesten Roman ist sich Susanna Ernst treu geblieben und hat erneut eine gefühlvolle Liebesgeschichte geschrieben. Nachdem im Zentrum ihres letzten Buchs die Suche nach dem Verfasser romantischer Liebesbriefe stand, liegt der Schwerpunkt in ihrem neuen Werk auf der Suche nach der ersten Liebe, die viele Jahre verschollen war. Die Autorin erzählt die Geschichte von Jona und Katie, die als Kinder gemeinsam im Heim lebten und deren aufkeimende Liebe dann jedoch durch die plötzliche Trennung erstickt wurde. Aus dieser Anfangszeit berichtet Susanna Ernst im ersten Teil ihres Buches, welcher als Rückblick für die Zeit von 1992 bis 1998 gekennzeichnet ist. Dort erzählt sie abwechselnd aus der Sicht ihrer beiden Protagonisten wie es zum Leben im Heim kam und wie die Beiden ihr Leben dort, die ersten Begegnungen miteinander, die tiefe Freundschaft und die beginnende Liebe zueinander erleben. Im zweiten Teil, der den größten Umfang hat, geht es um die Zeit von Januar bis Mai 2015, in der Jona Katie wiedergefunden hat und versucht, sie aus ihrer Ehe zu befreien um mit ihr leben zu können. Durch die personale Erzählform bekommt der Leser tiefe Einblicke in das Seelenleben der beiden Hauptfiguren, sodass es nicht schwerfällt sich mit den beiden sympathischen Charakteren zu identifizieren und ganz in den Roman einzutauchen. Durch viele Details bekommt der Roman Farbe und die Figuren Tiefe. Zwar ist das Ende relativ vorhersehbar, schließlich handelt es sich um eine Liebesgeschichte, dennoch wartet die Autorin am Ende noch mit einigen Überraschungen auf.

Alles in allem ein lesenswerter Roman für gemütliche Herbst- und Winterabende, der sich gut lesen lässt und unterhält.

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