Die Liebe unter Aliens

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • München: Random House Audio, 2016, Seiten: 3, Übersetzt: Devid Striesow, Fritzi Haberlandt

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Sebastian Riemann
Traurige Fremdheit

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Jun 2016

Ohne Kraft und ohne Willen hängen sie in den Seilen, sehen das Ende auf sich zukommen. Vielleicht heben sie für einen kurzen Moment ein Augenlid, vielleicht machen sie nicht einmal das, sondern schauen nur ausdruckslos. Eigentlich haben sie sich mit der eigenen Situation abgefunden. Dagegen anzukämpfen macht wenig Sinn. Es muss so sein, dass die Sache beendet wird, schließlich findet alles irgendwann sein Ende. Machtlos sehen sie zu, weil ihnen inmitten der Fallstricke des Lebens nur wenige Optionen gegeben sind, ihr Schicksal noch einmal herumzuwerfen, nachdem sie doch schon alle Kraft aufgewandt haben.

Als lesender Zuschauer kann man sich manchmal kaum der Schwere und Depression erwehren, die sich über die Figuren der Erzählungen von Terézia Mora ausschütten. Es ist niederdrückend zu sehen, wie Hoffnungen vergehen und durch Enttäuschungen verdrängt werden. Bemühungen reichen nicht aus, um ans Ziel zu kommen. Unzulänglich scheint jegliches Bestreben.

Terézia Mora, die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2013, hat einen Band mit Erzählungen vorgelegt und zeigt in den enthaltenen Geschichten eine große Bandbreite nicht nur ihres literarischen Könnens, sondern auch der gegenwärtigen Gesellschaft und ihrer Randfiguren, die nicht so recht dazugehören, anders sind als die meisten und manchmal fehlplatziert wirken. Zum einen sind da die beiden Jugendlichen, die dem Buch den Titel aufdrücken. Sie kiffen gern und viel zusammen, weil sie - so abgegriffen es klingen mag - der alltäglichen Realität entfliehen wollen. Nur zu zweit sind sie wirklich glücklich, sind sie so, wie sie sein möchten und müssen sich nicht den Anforderungen der Welt beugen. Er macht eine Ausbildung, um etwas zu lernen und ein wenig Geld zu verdienen. Sie streift durchs Leben und wartet meistens auf ihn, um gemeinsam zu kiffen. Einmal geschieht es dann, dass sie sich im dichten Grasnebel anschauen und für Aliens halten. Sie kommen nicht von dieser Welt, gehören nicht hierhin. Das erschreckt sie für ein paar Stunden, aber dann ist alles vorbei. Am Ende der Erzählung verschwinden dann beide von der Erde, so wie man es schließlich von zwei Außerirdischen erwartet, die sich nicht wohl fühlen auf unserem Planeten. Es war nicht der richtige Ort für sie.

Dann gibt es noch das Pärchen, das illegal in Deutschland ist und in einer kleinen Bruchbude wohnen muss. Sie geht schwarz arbeiten, putzt fremde Wohnungen, um Geld für die Miete und das Essen zu verdienen. Er ist Künstler und malt sich selbst. Meistens streiten sie. Genau wie die jugendlichen Aliens passen auch sie nicht in die Welt, in der sie leben. Nur zu zweit fühlen sie sich sicher und wohl. Als sie krank wird, neigt sich alles dem Ende zu und es gibt nichts, was sie dagegen tun kann. Verloren wirkt sie und wie durch ein Wunder, so scheint es, geht das Leben dann doch weiter, obwohl sie doch schon aufgegeben hatte. Die Verzweiflung hatte schon gewonnen, die Entbehrungen waren zu groß gewesen, aber dann kam doch noch die Rettung, die keine vollständige Rettung aus der miserablen Situation ist, aber doch ein Weg, der weiterführt, der es erlaubt weiterzuleben in einer kleinen Nische der Wirklichkeit.

Desinteresse an der Welt, an den Mitmenschen zeigen viele Charaktere der vorliegenden Erzählungen. Oft kennen sie ihre Nachbarn nicht und auch nicht die Gegend in der sie wohnen, sie gehen vielmehr ihrem Alltag, ihren eigenen Interessen nach und kümmern sich wenig um den Rest der Menschheit. Der alte Jogger, der alte Professor für Japanologie, der Selbstportätmaler, die jungen Aliens, sie alle wollen nicht die Welt, sondern nur einen kleinen Platz darin, der den meisten Leuten merkwürdig und zu eng erscheinen würde, aber für sie genau richtig ist. Deshalb interessieren sie auch nicht die gewöhnlichen Dinge, die das Leben um sie herum ausmachen. Sie sind so, wie sie sind, und alle anderen sind eben anders und somit nicht relevant für sie. Darin steckt immer ein bisschen Kapitulation vor der Vielfalt der Welt, vor ihrem bunten Chaos, das man nicht beherrschen kann und dem sich die Figuren der Erzählungen lieber verweigern. Sie werfen frühzeitig das Handtuch und steigen aus dem Ring, bevor die Show erst richtig los geht. Das ist nicht ihre Arena, sagen sie und sind dann verwundert, wenn sie sich dann doch inmitten des Kampfes wiederfinden, der ihnen doch zuwider und zu unkontrolliert ist. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass sie verlieren. Schließlich wollten sie nie in diese Situation geraten und fühlen sich übermannt und überfordert. Sie versuchen es, geben ihr bestes. Am Ende wird es aber nicht ausreichen.

Wie bei allen Erzählbänden ist es auch in diesem Fall schwer, gemeinsame Nenner für alle Geschichten zu finden, die sich zwischen den zwei Buchdeckeln befinden. Ihnen allen ist eine Stimmung der Aussichtslosigkeit gemeinsam, eine Depression der fruchtlosen Bemühung, sowie eine Fremdheit, die sich zwischen die Personen und ihre Welt schiebt, aber darüber hinaus findet man nur schwerlich Parallelen in diesen sehr unterhaltsamen und nachdenklichen Erzählungen, die mit viel Feingefühl und sprachlicher Flexibilität geschrieben wurden. Terézia Mora hat einen einzigartigen Stil, um ihre klugen und traurigen Geschichten zu erzählen. Man muss ihr zuhören.

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