Zwanzig Zeilen Liebe

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: OSTERWOLD, 2015, Seiten: 2, Übersetzt: Achim Buch, Merete Brettschneider, Anne Weber, Samuel Weiss, Bemerkung: ungekürzte Lesung

Couch-Wertung:

75
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Kathrin Plett
Worauf es wirklich ankommt

Buch-Rezension von Kathrin Plett Mär 2016

Sterben, ein Teil des Lebens, dem keiner aus dem Weg gehen kann. Doch wenn es irgendwann soweit ist, gibt es oft noch so viel zu sagen, zu dem man im Leben nicht gekommen ist. Zu dem im Leben der Mut, die Gelegenheit oder die Einsicht fehlte. Auf dem Sterbebett, wenn die Möglichkeit des Aufschiebens plötzlich nicht mehr weiter möglich ist, bleibt häufig der Wunsch, seine Gedanken, Geständnisse und Gefühle doch noch loszuwerden, beispielsweise in Form eines Briefes. Auch wenn der Mut bestimmte Worte auszusprechen bis zum Ende gefehlt hat, kann ein Brief nachholen, wofür es sonst zu spät wäre. Stella, Nachtschwester im Hospiz, hat es sich zur Aufgabe gemacht, für ihre Patienten diese Briefe zu schreiben, wenn sie selbst längst nicht mehr dazu in der Lage sind, ihren Lieben aber unbedingt noch etwas zukommen lassen wollen.

Stella ist Nachtschwester. Nachdem sie lange Zeit auf der Unfallstation eines Krankenhauses gearbeitet hat, wechselte sie, nachdem ihr Ehemann im Krieg schwer verwundet wurde und sie den Anblick der Verletzungen nicht mehr ertragen konnte. Nacht für Nacht kümmert sie sich dort um das körperliche und seelische Befinden ihrer Patienten, die ihre Fürsorge zu schätzen wissen und besonders gerne ihr Angebot nutzen, von ihr Abschiedsbriefe an ihre Angehörigen schreiben zu lassen. Die Briefe bewahrt sie anschließend auf und überreicht die Nachrichten nach dem Tod des Auftraggebers. Als sie jedoch einen Brief verfasst, bei dem keine Zeit verloren gehen darf, beschließt sie, den Brief sofort abzugeben. Denn manchmal lohnt es sich, um die Menschen, die wir lieben zu kämpfen und nicht aus Angst vor Abweisung zu warten, bis es zu spät ist. Dass das nicht nur auf das Leben ihrer Patienten, sondern auch auf ihr eigenes Leben zutrifft, erkennt Stella dabei fast zu spät.

Rowan Coleman widmet sich in ihrem einem eher schweren Thema, Sterben und Tod. Sie erzählt von verschiedenen Menschen, die das gemeinsame Schicksal verbindet: Alle sind todkrank und liegen im Hospiz, wo sie ihre letzten Tage verbringen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr, die meisten werden von Schmerzen gequält, haben eine lange Odyssee an Therapien mit Hoffen und Bangen hinter sich. Stella liebt ihre Arbeit dort trotz allem, sie kümmert sich mit voller Hingabe um ihre Patienten und erfüllt letzte Wünsche, indem sie letzte Nachrichten an Angehörige verfasst, häufig nur zwanzig Zeilen, die ungefilterte und echte Gefühle enthalten. Coleman zeigt mit ihrem Roman, worauf es im Leben am Ende ankommt, was wirklich zählt und wie wichtig es ist, den Tag zu nutzen und Gefühle und Gedanken nicht zu unterdrücken, bis es irgendwann vielleicht einmal zu spät ist. Die Autorin schreibt dabei aus der Perspektive verschiedener Personen, die zu Beginn des Romans nicht viel gemeinsam haben, deren Wege sich im Laufe der Geschichte aber immer mehr kreuzen bis enge Beziehungen entstehen. Einfühlsam beschreibt sie dabei die Gefühle und Ängste, die ihre Figuren begleiten, sodass es nicht schwerfällt, sich in die Personen hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen.

Alles in allem ein gefühlvoller und teilweise auch trauriger Roman, der jedoch voller Lebensfreude steckt und zeigt, worauf es im Leben am Ende ankommt. Eine Packung Taschentücher kann auf jeden Fall nicht schaden!

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