Für alle Tage, die noch kommen

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2015, Seiten: 368, Übersetzt: Carola Fischer

Couch-Wertung:

75
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Kathrin Plett
Erinnerungen im Tagebuch voller Rezepte

Buch-Rezension von Kathrin Plett Mär 2016

Gibt es etwas schöneres, als ein eigenes Kind aufwachsen zu sehen und es beim Erwachsen werden zu begleiten? Die meisten Eltern werden sich kaum etwas schöneres vorstellen können. Spannend ist es zu beobachten, wie der Sohn oder die Tochter die Welt entdeckt, sich weiterentwickelt und zu einem jungen Mann oder einer jungen Frau wird. Wenn man dann auch noch beobachten kann, dass das Kind Traditionen fortführt, alte Familiengeheimnisse mitnimmt, kann dies schon sehr erfüllend sein. Doch was ist, wenn man plötzlich erfährt, dass man selbst sterben wird, bevor das Kind auch nur annähernd das Erwachsenenalter erreicht hat? Man es nicht begleiten kann und ihm all die Dinge mitgeben kann, die einem selbst wichtig sind? Genau vor dieser Aufgabe steht Eleanor, als sie erfährt, dass sie Brustkrebs hat und sterben muss, bevor ihre Tochter Melissa das neunte Lebensjahr erreicht hat...

Siebzehn Jahre später: Zu ihrem 25. Geburtstag bekommt Melissa vom Anwalt der Familie ein kleines Buch überreicht. Sie erkennt die Handschrift ihrer verstorbenen Mutter sofort, die ihr mit schwarzer Tinte vom Buchdeckel entgegenscheint. Die Handschrift ihrer Mutter, die sie vor über 17 Jahren einfach ohne Ankündigung im Stich gelassen hat, die ihr nichts von ihrer schweren Krankheit und ihrem baldigen Tod erzählt hat. Nur langsam begreift Melissa, was es mit dem Buch auf sich hat. Jede Seite nimmt sie mit zurück in ihre Kindheit, weckt lange vergessene Erinnerungen und bringt sie näher zu sich selbst. Langsam wird Melissa klar, was ihr im Leben wichtig ist und sie beginnt auch die kriselnde Beziehung zu ihrem Verlobten Sam in einem anderen Licht zu sehen.

Teresa Driscoll arbeitete 15 Jahre als Moderatorin für die BBC, außerdem als Journalistin und Kolumnistin für verschiedene Zeitungen. Ihre Kurzgeschichten erschienen in verschiedenen Zeitschriften, unter anderem der "Women's Weekly". Für alle Tage, die noch kommen ist ihr Debütroman.

Eigentlich ist Melissa nicht gut auf ihre verstorbene Mutter zu sprechen. Die Mutter, die einfach ohne Vorankündigung gestorben ist und ihre Tochter nicht auf ihren baldigen Tod vorbereitet hat. Als Melissa mit 25 Jahren in Form eines Rezept-Tagebuches dann doch noch eine Erklärung von ihrer Mutter bekommt, wirft sie das Ganze erst einmal ziemlich aus der Bahn. Jede Seite weckt schöne, aber gleichzeitig auch schmerzvolle Erinnerungen an unbeschwerte Tage, Tage, in denen sie noch voller Vertrauen in die Welt und in ihre Mitmenschen war. Teresa Driscoll erzählt in ihrem Roman die Geschichte einer jungen Frau, die zwar eigentlich schon erwachsen ist, den richtigen Weg ins Leben aber noch nicht gefunden hat. Wichtige Zukunftsentscheidungen stehen an, die Melissa in erster Linie Angst machen. Der von ihr abgelehnte Heiratsantrag ist da nur eine Baustelle, die Entscheidung zwischen zwei Jobs eine andere. Einfühlsam und gleichzeitig unterhaltsam schreibt die Autorin, wie Melissa durch das Buch immer mehr über die Vergangenheit erfährt und auf diese Weise ihren eigenen Wünschen immer näher kommt. Sie berichtet dabei aus verschiedenen Perspektiven und Zeiten, einmal aus der Sicht von Eleanor, Melissas Mutter, im Jahr 1994, während sie das Tagebuch schreibt, und einmal aus Melissas Sicht in der Gegenwart, sodass beide Perspektiven für den Leser nachvollziehbar werden. Sprachlich locker und gut zu lesen führt Driscoll ihre Erzählstränge zu einem gelungenen Ende, welches an dieser Stelle nicht verraten werden soll.

Alles in allem ein gefühlvoller Roman über eine nicht ganz gewöhnliche Mutter-Tochter-Beziehung, der durch unterhält und berührt. Ein gelungener Debütroman, der auf mehr hoffen lässt.

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