Ein untadeliger Mann

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • London: Chatto & Windus, 2004, Titel: 'Old Filth', Originalsprache
  • Hamburg: HörbuchHamburg, 2015, Übersetzt: Ulrich Noethen, Bemerkung: ungekürzte Lesung

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Alles an Edward Feathers ist ohne Fehl und Tadel – seine Garderobe, seine Manieren und sein Ruf als Anwalt mit glänzender Karriere in Hongkong. Nun ist er alt und muss mit dem Tod seiner Frau Betty zurechtkommen, so wie er immer mit allem zurechtgekommen ist. Seine perfekte Haltung täuscht alle und manchmal sogar ihn selbst. Doch mit Bettys Tod bricht etwas in ihm auf, und behutsam beginnt Feathers, vergangene Ereignisse ans Licht zu holen. An einem kalten englischen Wintermorgen setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden. Mit Jane Gardams meisterhaftem Roman über ein Leben im British Empire ist eine große Autorin zu entdecken.

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Letzte Kommentare:
20.05.2016 22:27:17
Sagota

Das Cover zum Roman von Jane Gardam ist mit dem typisch englischen Rautenmuster in schönen Grüntönen bedruckt - bereits ein Hinweis auf den (tadellosen) Inhalt, der sich zwischen den Buchdeckeln des HC-Romans, erschienen 2015 (deutsch) im Carl Hanser Verlag, verbirgt und in dem es 'very british' und das im besten Sinne, zugeht...

"Edward Feathers, einst Kronanwalt in Hongkong, vollendeter Gentleman und noch mit achtzig ein schöner Mann, scheint ein mühelos erfolgreiches leben gehabt zu haben, doch wer hat ihn wirklich gekannt? Nicht einmal seiner Frau Betty hat er je erzählt, woher das Stottern kommt, das ihn in Augenblicken großer Aufregung immer noch überwältigt. Als Betty stirbt, bewahrt Feathers wie gewohnt Contenance. Doch eines Morgens setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden. " (Quelle: Buchrückentext, Auszug)

Der Roman zeigt in Rückblenden bzw. teilweise in der Retrospektive das Leben Edward Feathers, auch genannt Filth, später Old Filth (failed in London try Hongkong); der allem Anschein nach ein Leben ohne Fehl und Tadel - nach außen hin und für sich selbst - führte und dem wir als 80jährigem Hauptprotagonisten "begegnen": Wie viele Kinder ist er eine "Raj-Waise", also ein Junge, dessen Eltern (hier nur noch der Vater) Eddie aus Malaysia im Alter von ca. 4 Jahren nach England zurückschickte, um zum einen das Erwachsenenalter überhaupt zu erreichen und zum anderen die bestmögliche englische Erziehung und Bildung genießen zu können. Eddie hatte, wie viele andere Kinder, das Unglück, als kleiner Junge gemeinsam mit 2 Cousinen in einer Pflegefamilie, deren Pflegemutter bar aller erzieherischer Kompetenz sowie Warmherzigkeit und Verständnis für Kinder, aufwachsen zu müssen. Sein Schicksal wendet sich zum Besseren, als er bei 'Sir', dem alten Schulleiter seines Vaters, in dessen schulische Fußstapfen tritt und sich mit Pat Ingoldby anfreundet: Er erlebt in der Familie Ingoldby erstmals in den Ferienzeiten, dass er Teil dieser Familie sein darf: Der aufziehende Krieg und die damit einhergehenden Verluste sollten dies jedoch wiederum ändern... Das Erleiden von Verlusten sollte fortwährend eine Rolle in seinem jungen Leben spielen, auch der Vater hatte jeglichen Kontakt zum Sohn über viele Jahre vermieden, ihn jedoch nach Singapur beordert, um ihn vor den Kriegsgefahren des WW II zu schützen- doch auch dies sollte anders kommen.

Eddie lernt auf der Überfahrt Albert Ross kennen, studiert später Jura in Oxford und erhält ein Angebot, das er annimmt - er wird Kronanwalt in Hongkong. Dort lernt er Betty kennen und beide leben viele Jahre glücklich in Fernost, bis es sie im Alter nach England zurückzieht, wo Betty eines Tages stirbt. Dieser Verlust setzt etwas in Gang bei Eddy, über das er Jahrzehnte hinwegging, ohne es zu merken....

Sowohl der Hauptprotagonist als auch Betty (die im zweiten Roman, ET März 2016 in deutscher Sprache), Sir, Pat und andere Nebenfiguren werden sehr facettenreich und authentisch dargestellt; mit wenigen Worten gelingt es der Autorin, die Personen prägnant zu zeichnen. Der Schreibstil ist zuweilen humorvoll und ironisch, schnörkellos und sehr authentisch zu nennen, die Prise des berühmten trockenen britischen Humors sind das 'Sahnehäubchen' des Romans, in dem es um Authentizität, Integrität, Sehnsucht und auch Erinnerung geht und in dem Eddie 'Old Filth' auf ehrliche Weise mit seinem eigenen Leben abrechnet, auf einer letzten Reise zu sich selbst ist und - sich am richtigen Ort wiederfindet, bevor es für ihn zu spät ist...

Fazit:
Sprachlich prägnant und witzig, mit britischem Humor versehen ist dieser Roman ein Lesevergnügen der besonderen Art, die dennoch betroffen und nachdenklich macht, da er den Menschen auch als Produkt seiner Erfahrungen zeigt, denen er sich nicht entziehen kann - und zuweilen auch nicht entziehen will. Sehr lesens- und empfehlenswert; mit einer Vorfreude auf den zweiten Band gibt es daher von mir 4,5 Sterne und 95° auf der Werteskala.

16.05.2016 10:57:41
Bibliomarie

Sir Edward Feathers, ein untadeliger Mann vom Scheitel bis zur Sohle, hat ein langes Leben im Dienst der Krone verbracht, seinen Lebensabend möchte er zusammen mit seiner Frau Betty in Dorset verbringen. Aber was war das für ein Leben? Jane Gardam entwirft mit Feathers Leben – Filth – später Old Filth – auch ein Bild des sterbenden Britischen Empires, dessen Vertreter und gleichzeitig Opfer Edward war.
„Er war sagenhaft sauber. Geradezu ostentativ sauber. Der Rand seiner Fingernägel war reinweiß. Die wenigen Haare unter den Fingerknöcheln waren immer noch golden und wirkten stets wie frisch shamponiert, ebenso wie sein lockiges, immer noch rötlich braunes Haupthaar.“
Das Buch ist nicht linear erzählt, in Rückblenden, Erinnerungen und Reminiszenzen erschließt sich ganz langsam das Leben Edwards, seine Gefühlskälte, seine Unfähigkeit zu lieben und seine versteckten Unsicherheiten. Edward ist eine sogenannte Raj-Waise, der Ausdruck für die englischen Kinder, die im Alter von 4-5 Jahren von den in den Kolonien lebenden Eltern, zur Erziehung nach England geschickt wurden. Manchmal gab es Verwandte, meist waren es Pflegeeltern, die gegen Geld die Kinder aufnahmen. Es gab gute und auch schlimme Erfahrungen für die Kinder. Edward hatte Pech, Ma Didds war eher ein Alptraum. Später soll Edward sagen:
"Wir wollten keine Kinder, wenn man als Kind nicht geliebt wird, kann man später keine Kinder lieben."
Dieses Gefühl zieht sich durch das ganze Buch: Verlassen werden – eine Erfahrung, die Edward sein ganzes Leben immer und immer wieder machen wird und diesem Gefühl wird er mit der einzigen Möglichkeit begegnen, die er hat. Er zeigt sich britisch mit der Stiff upper Lip. Niemand mehr an sich heran lassen, keine Gefühle zeigen – (noch nach Jahren weiß er nicht den Namen seiner Haushälterin) erst nach Bettys Tod, bricht dieser Panzer allmählich auf.
Jane Gardam findet für Edward einen ganz besonderen Ton, er ist empathisch und mitfühlend, so dass sich das auch auf den Leser überträgt. Wir leiden mit ihm, wenn wir zwischen den Zeilen seine Einsamkeit sehen und immer wieder Zeuge werden, wie er allein gelassen wird, von seinem Vater, seinen Tanten, seinem einzigen Jugendfreund. Es ist ganz große Kunst, wie die Autorin mit nur wenigen Seiten den Leser in Bann ziehen kann. Dabei ist es eine Geschichte, die immer wieder mit pointiertem, typisch englischem Humor aufwarten kann. Jane Gardam findet einfach Sätze und Szenen zum Niederknien!
Obwohl der Roman anspruchsvoll ist und gerade mit seinen Anspielungen, Reminiszenzen und der rückwärts gerichteten Erzählweise die Aufmerksamkeit des Lesers fordert, ist das Buch Unterhaltung in bestem Sinn. Kaum ist die letzte Seite umgeblättert, kann man sich mit der Aussicht auf den nächsten Band der „Old Filth Trilogie“ der im Mai erscheinen soll, trösten.

Das Buch wurde von Isabel Bogdan aus dem Englischen übersetzt. Die Übersetzung wird der Autorin gerecht, dass die Übersetzerin den geschliffenen, typisch englischen Ton trifft, hat sie mit ihrem eigenen Roman „Der Pfau“ bewiesen.